Stand: 26.09.2018 18:05 Uhr

Bernstorffstraße 117: Rettung in Sicht

von Antonia Reiff
Bild vergrößern
König Boris, Rocko Schamoni, Doktor Renz, Björn Beton und Ralf Gauger (v.l.n.r) wollen gemeinsam den Gewerbehof retten.

In einem Hinterhof in Altona dreht Fatih Akin Filme, Fettes Brot nehmen ihre Musik auf und Autor und Entertainer Rocko Schamoni arbeitet hier. Doch der Hof wurde an Investoren verkauft und seine Mieter bangen um ihr Zuhause. Seit einem halben Jahr versuchen sie, den Hof zurückzukaufen - jetzt endlich gibt es Neuigkeiten.

Ein Verein kämpft um seinen Hof

Rocko Schamoni hat in einem Interview mit NDR 90,3 verkündet, dass sie es tatsächlich geschafft haben, aus verschiedensten Quellen sieben Millionen Euro zusammenzubekommen. "Das ist für so einen Haufen, wie wir es sind, nicht einfach. Es sind keine reichen Leute dabei und auch keine Beziehungen in die Finanzwelt herein", erklärt er. Und trotzdem hat die Hofgemeinschaft der Bernstorffstraße 117 mit ihrem Verein "Viva la Bernie" nun die Möglichkeit, den Hof zurückzukaufen.

Vor etwa einem Jahr hatten zwei Berliner Investoren dem Eigentümer ohne das Wissen der Hofgemeinschaft die Bernstorffstraße 117 abgekauft. Rocko Schamoni erzählt: "Wir sind nicht gefragt worden, wir haben das nur mitbekommen, dass der Hof auf einmal jemand anderes gehört. Relativ kurz danach gab es auch schon die ersten Veränderungen, Mieten sollten erhöht werden." Es ließ sich erahnen, so Rocko Schamoni weiter, dass der Hof wahrscheinlich in kürzester Zeit zu einem anderen werden würde und viele dort ausziehen müssten.

Ein altes Stück Hamburg erhalten

Bild vergrößern
"Viva la Bernie" versucht, den Gewerbehof in der Bernstorffstraße zurückzukaufen.

Daraufhin gründete die Hofgemeinschaft den Verein "Viva la Bernie". Er wird von Hamburger Prominenten wie Fatih Akin, Jan Delay oder Heinz Strunk unterstützt. Ziel ist es, den historischen Hof zurückzukaufen und selbst zu verwalten. Das ist ihre letzte Chance, dieses alte Stück Hamburg zu erhalten. Der Hinterhof der Bernstorffstraße 117 zwischen Altona und St. Pauli war um 1881 als Pferdestall der Straßenbahn Altona errichtet worden, die damals noch von Pferden gezogen wurde.

Heute befindet sich hier ein Schmelztiegel der Hamburger Kreativwirtschaft. Björn Beton von Fettes Brot möchte, dass das so bleibt: "Wir glauben, dass das für die Stadt Hamburg eine ganz wichtige kulturelle Errungenschaft ist. Es hat einen Wert, dass es so etwas gibt und nicht nur durchgeplante Viertel für Leute mit viel Geld."

Ein Platz zum Wohnen und Arbeiten

Bild vergrößern
Das Tonstudio von Fettes Brot in der Bernstorffstraße - unscheinbar, aber hier werden Hits geschrieben.

Neben dem Treffpunkt vieler Hamburger Künstler haben hier in den vergangenen 30 Jahren mehr als 100 Menschen einen Platz zum Wohnen und Arbeiten gefunden: eine große Tischlerei, eine Kfz-Werkstatt, Tonstudios und Wohnungen auf einem Hof. Hier wird gehämmert und geschraubt, designt und produziert. Auch die Handwerkskammer Hamburg unterstützt "Viva la Bernie", um das Verschwinden von Handwerksbetrieben aus der Innenstadt zu verhindern.

Hofsprecher Ralf Gauger hat hier seit über 25 Jahren seine Baufirma und erzählt: "Sicher-Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Dazu gehören natürlich auch das Arbeiten und eine soziale Gemeinschaft. In diesem eingefriedeten Hof treffen wir uns natürlich permanent, tauschen uns aus, arbeiten auch zusammen. Das ist für uns ein unfassbar großer Wert."

Grund zum Feiern

Für Gemeinschaft und Nachbarschaft muss im gentrifizierten Hamburg gekämpft werden. Immer mehr Höfe und Areale werden von Investoren aufgekauft und treiben die Mieten in die Höhe. Die Bernstorffstraße 117 hat jetzt ein klares Zeichen gesetzt: Sie können dem Investor ihr Kaufinteresse vorlegen und haben dafür genügend Geld beisammen. Das allein ist für die Hofgemeinschaft Grund genug zum Feiern - in diesem besonderen Hinterhof in Altona.

Weitere Informationen

Bernstorffstraße 117: Hoffnung auf Einigung

Der Streit um die Nutzung eines Künstler-Hinterhofs in Altona ist zumindest vorerst beigelegt. Der neue Eigentümer hat sich mit den 17 zum Teil prominenten Mietern auf eine Perspektive verständigt. (23.06.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 26.09.2018 | 20:37 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:30
Hamburg Journal

Weihnachtsmarkt auf dem Kiekeberg

16.12.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:48
Hamburg Journal

Mit Polizisten der Davidwache nachts auf dem Kiez

16.12.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:03
Hamburg Journal

Dinner-Boxen: Gutes Essen und fliegende Fäuste

16.12.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal