Beraten und Vorausschauen: Ausbildung zum Elblotsen

Stand: 07.11.2020 18:55 Uhr

Lukas Treetzen macht eine Ausbildung zum Elblotsen. Die dauert acht Monate. Nach der Theorie folgt die Praxis - auf der Kommandobrücke der dicken Pötte auf der Elbe.

Sie beraten den Kapitän - und helfen dabei, riesige Schiffe durch die Gezeiten der Elbe sicher an ihr Ziel zu bringen: die Elblotsen. Lukas Treetzen ist auf dem Weg einer von ihnen zu werden. Der Kapitän hat sich entschieden, diese Ausbildung auf seine Qualifikationen obendrauf zu setzen, weil er mehr zu Hause bei seiner Familie sein will - und nicht nur auf hoher See. "Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man immer lange weg ist. Jetzt hab ich eine kleine Tochter und einen kleinen Sohn. Ich bin seit sieben Jahren verheiratet", beschreibt Treetzen seine Situation.

Anspruchsvolle Ausbildung

Er ist einer der wenigen, die sich noch für diese Ausbildung bei der Lotsenbrüderschaft Elbe entscheiden. Wer dort Mitglied werden und bis zu 400 Meter lange Containerpötte in den Hamburger Hafen steuern möchte, muss hohe Anforderungen erfüllen. Bewerber müssen mehrere Jahre lang zur See gefahren sein, um ausreichend Fahrpraxis zu haben. Aber es gibt immer weniger deutsche Seeleute, weil die Reeder billigere Kräfte aus dem Ausland bevorzugen. Dadurch wird es zunehmend schwierig, qualifizierten Nachwuchs zu finden. Die Folge: Auf der Elbe fehlen die Lotsen.

Lotsen beraten nur

An Treetzen liegt das nicht. In letzter Zeit hat er vor allem Theorie gebüffelt, nun darf er seine ersten Schiffe lotsen. Gemeinsam mit seinem Ausbilder Thorsten Meyer ist er oft nachts unterwegs, diesmal geht es mit dem Lotsenboot zu dem Containerschiff "Joanna". Auf der Kommandobrücke darf Lukas übernehmen - unter den strengen Augen seines Ausbilders. Er berät allerdings nur, teilt seine Ortskenntnis über die Gezeiten der Elbe und den Hamburger Hafen. Das letzte Wort behält immer der Kapitän des Schiffs.

Vorausschauend fahren

An diesem Tag begegnet dem Containerschiff ein Bagger und die "MSC Christina". Da Schiffe keine Bremse haben, muss Lukas Treetzen vorausschauend fahren - und jedes Manöver rechtzeitig einleiten. Es geht auch darum, einen "negativen Abstand" zu verhindern. Denn das bedeutet übersetzt nichts anderes als einen Zusammenstoß.

Lukas Treetzen schlägt sich gut. Nach mehreren Stunden ist die Fahrt der "Joanna" bei Teufelsbrück zu Ende. Treetzen und sein Ausbilder fahren mit ihrem Lotsenboot wieder nach Hause. Acht Monate dauert Treetzens Ausbildung insgesamt. Dann darf er ganz allein die richtig dicken Pötte durch den Hamburger Hafen lotsen.

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Hamburg Journal | 06.11.2020 | 19:30 Uhr

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