Stand: 14.11.2019 18:49 Uhr

Bauern-Demo: Tausende Trecker in Hamburg

In und um Hamburg war am Donnerstag Geduld auf den Straßen gefragt: Tausende Landwirtinnen und Landwirte aus ganz Norddeutschland haben anlässlich der Umweltministerkonferenz in Hamburg gegen neue Umweltvorschriften demonstriert. Die Polizei zählte in Hamburg rund 3.500 Trecker, die auf sieben Routen aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern angereist waren. Etwa 1.700 davon ließ die Polizei in die Innenstadt. Der Rest wurde auf verschiedene bereitgestellte Abstellflächen geleitet.

Viele Trecker auf einer Straße in Hamburg.

Trecker-Demo: Bauern protestieren in Hamburg

Hamburg Journal -

Tausende Trecker aus ganz Norddeutschland rollten am Donnerstag durch Hamburg. Anlässlich des Treffens der Umweltminister machten die Landwirte ihrem Ärger über die Agrarpolitik Luft.

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Behinderungen, aber kein Verkehrschaos

Die Trecker-Konvois behinderten den Verkehr in und um Hamburg. Die Beeinträchtigungen seien aber geringer als erwartet gewesen, sagte Polizeisprecher Timo Zill. Offenbar hätten sich viele Pendlerinnen und Pendler auf die Verhältnisse eingestellt, seien eher losgefahren oder auf die Bahn umgestiegen. Nach der Kundgebung kam es am Nachmittag zu Staus an den Elbbrücken und Richtung Köhlbrandbrücke. Mehrere Buslinien waren im Bereich der Innenstadt umgeleitet worden. Die Hochbahn meldete zum Teil erhebliche Verzögerungen im Busverkehr.

Kundgebung auf dem Gänsemarkt

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Plastik-Protest: Dutzende Spielzeug-Trecker wurden auf dem Gänsemarkt platziert.

Rund 5.000 Teilnehmer versammelten sich am Mittag bei einer Kundgebung der Bauernverbände auf dem Gänsemarkt. Ihr Protest richtet sich unter anderem gegen das geplante Agrarpaket der Bundesregierung, das neue Maßnahmen für mehr Umwelt- und Tierschutz vorsieht. Vor Beginn der Veranstaltung stellten Demonstrierende Dutzende Spielzeug-Trecker am Gänsemarkt ab, weil sie mit ihren echten Fahrzeugen nicht dorthin durften.

Forderungen an Umweltminister überreicht

Kommentar

"Für Nahrung das bezahlen, was sie wirklich kostet"

Landwirtschaft ist ein Knochenjob und neue Regeln machen sie immer unwirtschaftlicher. Der plakative Trecker-Protest der Bauern in Hamburg ist berechtigt, meint Julia Weigelt in ihrem Kommentar. mehr

Vertreter der Demonstrierenden überreichten den Teilnehmern der Umweltministerkonferenz ihre Forderungen nach mehr Mitsprache. Sie befürchten, wegen immer schärferer Naturschutzvorschriften nicht mehr wirtschaftlich arbeiten zu können. Die Bäuerinnen und Bauern sehen ihre Betriebe und die regionale Lebensmittelproduktion gefährdet. "Wenn immer weitere Verschärfungen kommen, dann sieht es schlecht aus für uns, und die regionale Landwirtschaft wird auf Dauer verschwinden", sagte Dirk Andresen, Sprecher der bundesweiten Bewegung "Land schafft Verbindung - Wir rufen zu Tisch", die zu der Demo aufgerufen hatte. Als Beispiele nannte er das Insektenschutz-Programm und die Düngemittelverordnung. Außerdem sehen sich die Bäuerinnen und Bauern als Buhmänner der Politik und der Öffentlichkeit. Die negative Stimmungsmache und das "Bauern-Bashing" führe zu Ärger und Frust.

Pfiffe für Kerstan

Mehrere Teilnehmer der Umweltministerkonferenz stellten sich den Demonstranten. Der Vorsitzende der Ministerrunde, Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), hob die Bedeutung der Landwirtschaft für Umwelt, Ernährung und den Erhalt der Kulturlandschaft hervor. "Gleichzeitig ist die Landwirtschaft durch den Einsatz von Pestiziden und Gülle für Insektenschwund, Rückgang der Artenvielfalt und hohe Stickstoff- und Phosphatwerte im Wasser mitverantwortlich", sagte er unter den Pfiffen der Bauern.

 

Weitere Informationen
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Bauern-Protest in der Hamburger Innenstadt

Zur Umweltministerkonferenz machen Landwirte und Landwirtinnen aus dem Norden ihrem Ärger Luft: 3.500 Traktoren sind zu einer Demo nach Hamburg gerollt. Video (00:49 min)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.11.2019 | 16:00 Uhr

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