Stand: 15.07.2019 21:43 Uhr

Bankraub-Prozess: 70-Jähriger gesteht Schuss

Im Prozess um drei Banküberfälle in Hamburg hat der sogenannte "Donnerstagsräuber" am Montag zugegeben, auf einen Bankangestellten gefeuert zu haben. Der 70 Jahre alte Bankräuber, der wegen schwerer räuberischer Erpressung und versuchten Mordes vor Gericht steht, gestand vor dem Hamburger Landgericht, bei einem Überfall auf eine Haspa-Filiale in Altona einen Schuss auf den Bankangestellten abgegeben zu haben.

Angeblich von Schuss überrascht

Er habe den Mann aber nicht töten wollen, sagte der 70-Jährige. "Wenn ich eine Tötungsabsicht gehabt hätte, würde ich sie sofort eingestehen." Er sei selbst nach dem Schuss perplex und erschrocken gewesen. Zwar habe er seiner Drohung Nachdruck verleihen wollen - dass seine 20 Jahre alte Pistole noch funktionierte und ein Mensch getroffen wurde, habe ihn allerdings überrascht.

Räuber hatte das Geld bereits

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Der Angeklagte äußerte sich wieder offen vor den Kameras: "Wenn ich eine Tötungsabsicht gehabt hätte, würde ich sie sofort eingestehen."

Die Aussagen der Haspa-Mitarbeiter am Montag legen nahe, dass der Räuber ohne jeden Anlass geschossen hat. Offenbar hatte ihm einer der Kassierer bereits mehrere Tausend Euro ausgehändigt, als der Täter auf den anderen Haspa-Mitarbeiter schoss.

Opfer sagt erstmals aus

Das Opfer sagte am Montag erstmals aus. Er habe den Eindruck gehabt, dass der Angeklagte die Waffe gezielt auf ihn gerichtet habe. "Er wollte mir nicht ins Knie schießen oder in meinen Kopf, sondern in meine Richtung", sagte der 47 Jahre alte Bankangestellte. Der Mitarbeiter wurde im Januar 2017 am Bauch getroffen und musste notoperiert werden.

Opfer empfand den Schuss wie einen "Abschiedsgruß"

Er habe diesen Schuss wie einen Abschiedsgruß des Täters empfunden, sagte er. Vom psychiatrischen Sachverständigen wurde er gefragt, ob er eine Erklärung habe, warum auf ihn geschossen wurde. Die habe er nicht, sagte das Opfer. Das sei auch die einzige Frage, die er an den Täter habe. Bis heute wurde ihm diese Frage nicht beantwortet.

Zwei weitere Überfälle

Neben dem Überfall 2017 werden dem Angeklagten zwei weitere Bankraube zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Mann 2011 eine Haspa-Filiale in Hamburg-Neustadt überfiel. In St. Georg bedrohte der Täter nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Januar 2019 drei Angestellte mit einer Pistole. Kurz darauf wurde er festgenommen.

Vor Jahrzehnten saß er bereits wegen Banküberfällen im Gefängnis, die er jeweils an Donnerstagen begangen hatte. 1990 zettelte er zudem eine Häftlingsrevolte im Hamburger Gefängnis "Santa Fu" an.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.07.2019 | 14:00 Uhr

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