Stand: 10.12.2018 18:11 Uhr

Baby geschüttelt: Anklage fordert Haft

Vor dem Hamburger Landgericht ist am Montag der Prozess gegen einen 41-Jährigen aus Langenhorn wegen Misshandlung seiner neugeborenen Tochter fortgesetzt worden. Viereinhalb Jahre Gefängnis verlangte die Staatsanwaltschaft für den Familienvater, der das wenige Wochen alte Mädchen im Herbst 2017 erst geschlagen und später zehn Mal kräftig geschüttelt hatte. Das kleine Mädchen ist seither schwerbehindert. Die Staatsanwältin legte in ihrem Plädoyer dar, dass der Mann sogar den Tod seiner Tochter in Kauf nahm.

Gutachter hält Vater für schuldfähig

Zu Wort kam am Montag auch ein psychiatrischer Gutachter. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt unter Depressionen, einer Persönlichkeits- oder einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe, erklärte der Mediziner. Auch eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung habe seiner Einschätzung nach nicht vorgelegen. Der Vater sei voll schuldfähig.

Mädchen erlitt einen Schädelbruch

Der Angeklagte hatte beim Verhandlungsauftakt im Oktober zugegeben, seine Tochter geschüttelt zu haben. Er sei überfordert gewesen. In der verhängnisvollen Nacht habe das Mädchen geschrien und sich nicht beruhigen lassen. Schließlich habe er das Mädchen geschüttelt. Am nächsten Morgen bemerkte den Angaben zufolge seine Frau, dass das Kind schwer atmete. Im Krankenhaus hätten Ärzte schwere Hirnverletzungen festgestellt. Das Baby lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie. Es wird über eine Magensonde ernährt, weil es nicht schlucken kann.

Mutter wusste offenbar nichts von Misshandlung

Der Angeklagte hatte behauptet, er habe nicht gewusst, dass man Babys nicht schütteln darf. Das wertete die Staatsanwältin als Schutzbehauptung, vor allem, weil der Angeklagte bereits eine größere Tochter und damit Erfahrung im Umgang mit Kindern habe. Der Vater, der als stellvertretender Leiter einer Discounter-Filiale arbeitet, sei mit dem zweiten Baby überfordert gewesen. Er wollte seine Frau entlasten, weil die zuvor Depressionen hatte. Dabei sei er über seine eigenen Grenzen gegangen. Am Montag sagte er vor Gericht unter Tränen: "Ich will nicht ins Gefängnis." Das Urteil soll am Donnerstag verkündet werden.

Weitere Informationen

Baby fast gestorben: Vater gesteht Schütteln

Ein 41-Jähriger muss sich vor dem Hamburger Landgericht verantworten, weil er seine neugeborene Tochter misshandelt haben soll. Zum Auftakt gestand er, das Mädchen geschüttelt zu haben. (16.10.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.12.2018 | 12:00 Uhr

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