Stand: 16.10.2018 16:59 Uhr

Baby fast gestorben: Vater gesteht Schütteln

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Der 41-jährige Angeklagte hat gestanden, seine Tochter misshandelt zu haben.

Vor dem Hamburger Landgericht hat am Dienstag der Prozess gegen einen 41-Jährigen aus Langenhorn begonnen, der seine neugeborene Tochter so schwer misshandelt haben soll, dass sie fast gestorben wäre. Zum Auftakt gestand er unter Tränen, das wenige Wochen alte Mädchen im Herbst vergangenen Jahres erst geschlagen und rund eine Woche später geschüttelt zu haben, weil es nicht aufgehört habe zu schreien. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten Totschlag in zwei Fällen, gefährliche Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor.

Nachgestellte Szene im Gericht.

Prozess um misshandeltes Baby: Vater gesteht

Hamburg Journal -

Vor einem Jahr soll ein Vater seine nur fünf Wochen alte Tochter so schwer misshandelt haben, dass sie fast gestorben wäre. Vor Gericht gestand er nun unter Tränen.

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"Ich habe Nele geschüttelt"

In der verhängnisvollen Nacht vor einem Jahr sei er nur voller Wut gewesen, weil sich das Baby kaum beruhigen ließ. Seit Wochen habe er damals kaum geschlafen. "Ich habe alles versucht. Nichts hat geholfen", sagte der 41-Jährige. "Ich habe Nele geschüttelt. Als sie ruhig war, habe ich sie aufs Bett geworfen und mich hingelegt."

Mädchen bleibt geistig behindert

Am nächsten Morgen bemerkte seine Frau, dass das Mädchen schlapp war und schwer atmete und fuhr mit dem Baby ins Krankenhaus. Dort stellten die Ärzte schwere Hirnverletzungen fest. Sie konnten das Leben des Mädchens retten. Das Kind bleibt jedoch wegen nicht heilbarer Hirnschäden dauerhaft geistig behindert. Es lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie.

Eltern offenbar überfordert

Der Vater beteuerte, er habe nicht gewusst, dass man Babys nicht schütteln dürfe. Dabei hat das Ehepaar aus Langenhorn schon eine siebenjährige Tochter. Die Eltern waren der Aussage des Vaters nach mit der Situation komplett überfordert. Er hatte vor der Geburt von Nele einen Burn-out, seine Frau hatte nach der Geburt der ersten Tochter Depressionen. Dennoch sei Nele ein Wunschkind gewesen, sagte der 41-Jährige. "Wir waren mit ihr überglücklich." Er schildert Überarbeitung und Schlafmangel, die Kleine habe mitunter jede Stunde geschrien. Nach einer fast schlaflosen Nacht sei er oft direkt zur Frühschicht gegangen und "einfach nur müde" gewesen.

Mutter berichtet von "Bilderbuch-Vater"

Auch die Frau des Angeklagten beschrieb vor Gericht die Überforderung mit dem Baby, das nach fast jeder Mahlzeit geschrien habe. Immer wieder sei sie mit Nele bei Ärzten und Heilpraktikern gewesen, nichts habe geholfen, erklärt die ebenfalls 41-Jährige. Das Ausmaß der Erschöpfung ihres Mannes will sie nicht erkannt haben. "Ich wusste ja nicht, dass mein Mann so fertig ist." Auch sie weinte. "Wenn ich gewusst hätte, dass er so fertig ist, hätte ich das alles selbst gemacht." Der Angeklagte sei die meiste Zeit ein "Bilderbuch-Vater" gewesen.

Kurz vor der folgenschweren Nacht hatte der Vater die Kleine schon einmal gegen die Schläfe geschlagen. Der Mutter erzählte er, er habe das Baby versehentlich gegen die Bettkante gestoßen. Von den Misshandlungen hat Neles Mutter laut eigener Aussage nichts mitbekommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.10.2018 | 17:00 Uhr

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