Stand: 08.12.2019 06:30 Uhr  - NDR 90,3

Auf Gisela Müller-Madaus kann der Himmel warten

von Bert Beyers

Beim Vorsingen zitterte ihre Stimme ein wenig. "Haben Sie das immer?", hatte der musikalische Leiter Jan Christoph Scheibe gefragt. "Nein", antwortetet Gisela Müller-Madaus, das sei nur die Aufregung. Zwei Wochen später kam die Zusage. Das ist nun sechs Jahre her und seitdem singt sie bei dem Hamburger Chor "Heaven Can Wait". Mitglied kann nur werden, wer mindestens 70 Jahre alt ist.

Der Himmel kann warten: Gisela Müller-Madaus

Gisela Müller-Madaus ist Sängerin und Sportlerin. Und mit 78 Jahren liegt sie genau im Altersdurchschnitt ihres Hamburger Chors "Heaven Can Wait". Sie singen die Songs ihrer Enkel.

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Die Songs der Enkel und Enkelinnen

Das Repertoire von "Heaven Can Wait" ist alles andere als altersgerecht. Sie singen nicht die Songs aus ihrer eigenen Jugend, sondern ausschließlich aktuelle Titel, die Songs der Enkel und Enkelinnen. "Happy" von Pharell Williams zum Beispiel. Oder "So ’ne Musik" von Deichkind. Müller-Madaus hört viel Radio. Deshalb ist ihr die aktuelle Musik nicht fremd. Dennoch hatte sie zu Beginn mit einigen Texten ihre Schwierigkeiten. In der Praxis, bei den Proben und den Auftritten, hat sich das dann aber gelegt.

Chor nimmt Angst vorm älter werden

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Gisela Müller-Madaus (ganz links) steht seit sechs Jahren mit dem Chor auf der Bühne.

"Ich habe mal ein junges Mädchen von Mitte 20 gefragt, was ihr an dem Chor gefällt", sagt Müller-Madaus. "Da hat sie gesagt: Jetzt habe ich keine Angst mehr vor dem Altwerden. Wenn wir das mit dem Chor vermitteln, finde ich das einfach toll." Die 78-Jährige ist gerne mit jungen Menschen zusammen. In wenigen Tagen bekommt sie Besuch von ihrer Enkelin aus Berlin. Sie freut sich schon darauf, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Aus dem Gymnasium rausgeekelt

Sie selber sei als junges Mädchen eher fröhlich gewesen - "zu fröhlich", wie die Lehrer am Gymnasium fanden. Der Mutter sagte man, ihre Tochter solle besser etwas ruhiger werden. So habe man sie schließlich aus dem Gymnasium rausgeekelt, meint Müller-Madaus heute. Nach der Handelsschule ging sie als Au-Pair-Mädchen eine Zeitlang nach England. Anschließend war sie viele Jahre als Sekretärin im Hotel Europäischer Hof beschäftigt. Dann kamen die beiden Kinder - mit der Berufstätigkeit war es eine Weile vorbei.

Seniorin liebt Geschwindigkeit

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Gisela Müller-Madaus entdeckte erst vor wenigen Jahren das Rennradfahren für sich.

"Ich habe mein Leben lang Sport getrieben", sagt Müller-Madaus. Ein halbes Jahrhundert lang war sie im Tennisclub. Ihre neue Leidenschaft, das Rennradfahren, hat sie vor wenigen Jahren auf Mallorca entdeckt. Sie liebt diesen Geschwindigkeitsrausch, 70 bis 75 Kilometer pro Stunde bergab sind kein Problem. "Hinterher habe ich gedacht, wenn jetzt dein Reifen geplatzt wäre oder man rutscht aus… Wäre nicht so witzig gewesen."

Alter wird ein bisschen verdrängt

Die 78-Jährige weiß durchaus, dass sie im Verhältnis zu Gleichaltrigen sehr fit ist. Sie erlebt das auch in ihrem Umfeld. Todesfälle sind nicht gerade selten. "Ich glaube, ich verdränge das auch ein bisschen", sagt sie. Und fügt dann noch hinzu: "Man fühlt sich sowieso immer jünger, als man ist."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.10.2019 | 19:30 Uhr

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