Asklepios will Krankenschwester nach Kritik entlassen

Stand: 29.12.2020 20:30 Uhr

Die Gewerkschaft ver.di kritisiert den Hamburger Krankenhaus-Betreiber Asklepios. Der Konzern hat angekündigt, eine Pflegekraft entlassen zu wollen, nachdem sie im Hamburg Journal über schlechte Arbeitsbedingungen geklagt hatte.

Nach Angaben von Asklepios hat die Beschäftigte dabei wissentlich Falschinformationen verbreitet - das toleriere kein Arbeitgeber, so ein Sprecher. Ver.di hält die Kündigung dagegen für überzogen. Die Pflegekraft ist zudem eine gewählte Betriebsrätin.

Kündigung nach Interview mit dem Hamburg Journal

Es geht um ein Interview vom 17. Dezember 2020 im Hamburg Journal. Romana Knezevic, Sprecherin der Vereinigung "Krankenhausbewegung" und Asklepios-Beschäftigte, hatte dem Konzern unter anderem vorgeworfen, dass unter einem erheblichen Personalmangel die Behandlung und Sterbebegleitung der Patientinnen und Patienten leide.

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Weitere Beschäftigte bekräftigen die Vorwürfe

Nachdem der Krankenhaus-Konzern diese Vorwürfe energisch zurückgewiesen hatte, legten einige Beschäftigte nach und bekräftigen die Vorwürfe - ebenfalls im Hamburg Journal. Doch der Konzern scheint den Konflikt offenbar eskalieren zu wollen.

Konzern spricht von Falschinformationen

Ein Sprecher des Asklepios-Konzerns erklärte: "Bei allem Verständnis für teils berechtige Kritik am Gesundheitssystem ist es gleichwohl nicht hinnehmbar, dass Mitarbeiter aus ideologisch-politisch motivierten Gründen gegenüber Medien wissentlich Falschinformationen verbreiten oder Ausnahmesituationen als Regelfälle darstellen, [und] damit bewusst ihren Arbeitgeber sowie ihre Kollegen öffentlich in Misskredit bringen."

Gewerkschaften und Initiativen kritisieren Personalnotstand

Nicht nur die "Krankenhausbewegung" zeigt sich schockiert, dass der Konzern seine Betriebsrätin entlassen möchte. In einem offenen Appell springen zahlreiche gesellschaftliche Gruppen der Initiative bei und fordern, den Personalnotstand zu beenden.

Gewerkschaft kritisiert Entlassung

Auch die Gewerkschaft ver.di möchte, dass sich Asklepios mit der Kritik auseinandersetzt. "Eine Kündigung kann nie die Lösung oder der richtige Weg sein, mit Kritik oder auch mit Kritikern umzugehen", sagte Kathrin Restorff von ver.di. "Personalmangel und Fachkräftemangel hatten wir schon vor der Pandemie. Der wird jetzt noch mal deutlich verschärft."

Kündigung einer Betriebsrätin ist problematisch

Arbeitsrechtlich ist die beabsichtigte Kündigung problematisch, denn Betriebsräte genießen einen besonderen gesetzlichen Schutz. Maik Wünsche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, erklärte dazu: "Das ist nicht ganz unüblich als Prozedere. Das ist sicherlich die letzte Möglichkeit als Arbeitgeber, dann das scharfe Schwert noch mal zu nutzen. Damit will man sicherlich in dem Moment ein Statement abgeben. Und das gegebenenfalls auch in Kenntnis, dass das Ganze unwirksam ist".

Initiative bekräftigt Vorwürfe

Die Initiative "Krankenhausbewegung" und ihre Sprecherin bekräftigten noch einmal ihre Vorwürfe und fordern Asklepios auf, seine Beschäftigten anzuhören und ernst zu nehmen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 29.12.2020 | 19:30 Uhr

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