Stand: 10.09.2018 15:31 Uhr

Anwohnerparken sorgt für Ärger auf St. Pauli

Die neue Anwohner-Parkzone in St. Pauli ist die größte Hamburgs.

Mit 4.100 Parkplätzen ist St. Pauli seit dem 3. September Hamburgs größte Anwohner-Parkzone. Für 30 Euro pro Jahr müssen sich Bewohner nun einen Parkausweis beschaffen. Kiez-Besucher können zwar weiterhin mit dem Auto kommen, müssen aber zwischen 9 morgens und 2 Uhr nachts überall Parkgebühren zahlen - bei einer Höchstparkdauer von drei Stunden. Knapp 100 Parkautomaten wurden im Stadtteil aufgestellt. Jetzt gibt es die ersten Proteste. Denn die Gebühren könnten die Existenz Dutzender Einzelhändler und Handwerker bedrohen: Gewerbetreibende beschweren sich, dass sie für ihre Lieferwagen keine Parkerlaubnis im Viertel erhalten.

Landesbetrieb Verkehr lehnt Parkerlaubnis ab

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Torsten und Doris Terheyde kritisieren das Anwohnerparken.

Seit 38 Jahren verkauft Torsten Terheyde in der Paul-Roosen-Straße Obst und Gemüse. Nun darf er seinen Transporter nicht mehr vor seinem Laden parken - es sei denn, er zahlt zwei Euro pro Stunde. "Ich kann auf gar keinen Fall auf mein Auto verzichten, das ist Teil meiner Arbeit", sagte er NDR 90,3. Er fährt jeden Tag zum Hamburger Großmarkt und nach Bedarf auch Gemüse aus. Seinen Antrag auf eine Parkgenehmigung, den Terheyde bereits im April gestellt hatte, lehnte der Landesbetrieb Verkehr (LBV) ab. Die Behörde erklärte dem Obst- und Gemüsehändler, er habe keine gewichtigen Interessen. "Am Ende des Schreibens musste ich lesen, dass für diesen Ablehnungsbescheid 187 Euro fällig werden sollten", erzählte Terheyde. Er wisse nicht, wie es weitergehen soll. Das Amt habe ihm in dem Brief vorgeschlagen, ein Parkhaus an der Reeperbahn zu nutzen. "Ich will das Fahrzeug nicht unterstellen, ich will es nutzen", betonte Terheyde.

Kaum Aussicht auf Ausnahmegenehmigungen

Wie Terheyde geht es vielen Einzelhändlern und Handwerkern auf ganz St. Pauli. Seit Montag verteilt die Polizei dort Strafzettel. Hamburgs Handels- und Handwerkskammer kämpfen um mehr Ausnahmegenehmigungen. Die Aussicht auf Erfolg ist aber gering. Es gebe zu wenige Parkplätze, um allen Antragstellern gerecht zu werden, sagte LBV-Fachbereichsleiter Thomas Adrian. "Der Gesetzgeber lässt den Städten und Gemeinden kaum einen Spielraum für Ausnahmegenehmigungen, die Parkplätze sind für Anwohner reserviert."

2.500 Anwohner hätten bereits eine Parkerlaubnis beantragt, sagte Adrian. Das sei eine sehr gute Quote. Zurzeit lägen ihm viele Anträge von Gewerbetreibenden vor, die das Amt in der Regel noch nicht beschieden habe. Dies solle in den kommenden Tagen und Wochen erfolgen. "Antragsteller mit Büroarbeitsplätzen, wie zum Beispiel Rechtsanwälte, haben kaum eine Chance auf eine Ausnahmegenehmigung", sagte Adrian.

FDP kritisiert Anwohner-Parkzone

Die Hamburger FDP kritisiert die neue Anwohner-Parkzone für St. Pauli. Anwohnerparken sei nichts anderes als die künstliche Verknappung von zu wenig Parkraum, erklärte ihr Verkehrsexperte Ewald Aukes. Der LBV verstärke nur die Parkplatz-Such-Verkehre und schade dem Wirtschaftsleben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.09.2018 | 06:00 Uhr

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