Stand: 10.10.2019 19:08 Uhr

Anteilnahme in Hamburg nach Anschlag in Halle

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Vor der Synagoge in Hamburg wurden Blumen und Kerzen niedergelegt.

Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle haben Menschen vor dem jüdischen Gotteshaus in Hamburg ihre Anteilnahme zum Ausdruck gebracht. Vor der Synagoge in der Hohen Weide in Eimsbüttel lagen am Tag nach der Tat Blumen und Kerzen. Schon zuvor waren Bürger zu der Synagoge gekommen, um der Gemeinde ihr Beileid zu bekunden. Die Polizei hatte nach den tödlichen Schüssen in Halle ihre Präsenz vor dem Hamburger Gotteshaus verstärkt.

Tschentscher spricht Beileid aus

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zeigte sich von dem Anschlag in Halle bestürzt und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. "Stellvertretend für alle jüdischen Mitbürger habe ich gerade Rabbiner Bistritzky und der jüdischen Gemeinde in Hamburg meine Solidarität bekundet und alles Gute gewünscht", schrieb er am Mittwochabend per Kurznachrichtendienst Twitter.

Auch Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sprach ihre Anteilnahme aus - mit einem Besuch der Synagoge in Eimsbüttel. Sie sei gekommen, um dem Landesrabbiner zu sagen, dass sie fest an der Seite der jüdischen Gemeinde stehe. Gegen Angriffe auf die Demokratie werde man sich gemeinsam wehren, sagte sie.

Jüdische Gemeinde: Politik kann mehr für Schutz tun

Der zweite Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Hamburg, Eli Fel, forderte im Gespräch mit NDR 90,3, dass die Hamburger Politik mehr für den Schutz der jüdischen Einrichtungen tun sollte, etwa bei der Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen. Fel erinnerte daran, dass erst kürzlich der Hamburger Landesrabbiner nach einem Besuch im Rathaus angegriffen wurde: "Wir sind der Meinung, dass ein Angriff auf Juden in Deutschland einen Angriff auf die Demokratie und das Grundgesetz bedeutet."

Grote: Sicherheitsvorkehrungen werden überprüft

Innensenator Andy Grote (SPD) betonte hingegen, dass die Sicherheitsmaßnahmen vor jüdischen Einrichtungen bereits erhöht wurden. Seit dem Anschlag in Halle seien - neben dem bestehenden dauerhaften Schutz - noch mehr Beamte eingeteilt worden. Man sei nun außerdem dabei, das gesamte Schutzkonzept auf den Prüfstand zu stellen. Das gelte für alle jüdischen Einrichtungen, Orte jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Hamburg. Er stehe in engem Austausch mit der jüdischen Gemeinde, "um auch ganz konkret technische Sicherungen an bestimmten Gebäuden möglicherweise noch anzupassen".

Der AfD wirft Grote eine Mitverantwortung an der tödlichen Attacke vor. Die Partei trage zur Verrohung des politischen Klimas bei: "Was wir da an Herabsetzung gegenüber dem politischen Gegner, aber auch gegenüber Minderheiten erleben, das hat an vielen Stellen eine Diktion, die sich nicht mehr stark von der NSDAP unterscheidet", so Grote im Gespräch mit NDR 90,3.

Verdächtiger hatte explosives Material im Auto

Ein schwerbewaffneter mutmaßlicher Rechtsextremist hatte am Mittwoch in Halle versucht, in die Synagoge einzudringen und dort unter Dutzenden Gläubigen ein Blutbad anzurichten. Sein Versuch scheiterte, woraufhin er vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben soll. Wie Generalbundesanwalt sagte, hatte der mutmaßliche Täter Waffen und Sprengstoff sowie Zündvorrichtungen bei sich - allein in seinem Auto seien vier Kilogramm explosives Material gefunden worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.10.2019 | 12:00 Uhr

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