Stand: 18.04.2019 19:03 Uhr

Anklage gegen ehemaligen SS-Wachmann aus Hamburg

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Der 92-Jährige soll im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig Wachmann gewesen sein

Er soll die "heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben: Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Anklage gegen einen 92-jährigen ehemaligen SS-Wachmann wegen Beihilfe zum 5.230-fachen Mord erhoben. Der Hamburger war den Angaben zufolge von August 1944 bis April 1945 im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig als Wachmann im Einsatz.

Die Jugendstrafkammer ist zuständig

Weil er zur fraglichen Zeit erst 17 beziehungsweise 18 Jahre alt war, soll sich der 92-Jährige vor einer Jugendstrafkammer des Landgerichts Hamburg verantworten, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatte die "Welt" über die Anklage berichtet.

Seit Sommer 1944 sei es im KZ Stutthof zur systematischen Tötung von Lagerinsassen gekommen, so die Staatsanwaltschaft. "Häftlinge wurden überwiegend durch Genickschuss im Krematorium des Lagers oder durch Verabreichung von Giftgas getötet", sagte die Sprecherin. Zahlreiche andere Gefangene seien durch bewussten Nahrungsentzug und die Verweigerung medizinischer Versorgung getötet worden.

"Rädchen der Mordmaschinerie"

Zu den Aufgaben des Angeklagten habe es gehörte, die Flucht, Revolte und Befreiung von Häftlingen zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb vor, als "Rädchen der Mordmaschinerie" in Kenntnis aller Gesamtumstände dazu beigetragen zu haben, dass der Tötungsbefehl umgesetzt werden konnte. Laut der "Welt" räumte der 92-Jährige seinen Einsatz in dem KZ ein, bekundete aber zugleich Mitleid mit den Opfern. Schuldig fühle er sich nicht.

Im KZ Stutthof und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen zu Kriegsende starben nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralstelle in Ludwigsburg rund 65.000 Menschen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 18.04.2019 | 18:00 Uhr

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