Angeklagte sitzt im Gerichtssaal. © NDR Foto: Elke Spanner

Angriff auf Verschleierte: Frau in Hamburg vor Gericht

Stand: 17.03.2021 15:50 Uhr

Es sah nach einem islamfeindlichen Angriff aus: Im November riss eine Frau einer vollverschleierten Muslimin in der Hamburger Innenstadt den Schleier runter und beschimpfte sie wüst. Am Mittwoch begann der Prozess gegen die 52-Jährige - und die Geschichte sah ganz anders aus.

Ungepflegte Haare, wirre Rede, ein amputierter Arm. Auf der Anklagebank saß keine radikale Rassistin, sondern eine Frau, der das Leben entglitten ist. Sie ist Mutter, war verheiratet und hat als Sozialarbeiterin ihr Geld verdient. Heute lebt sie auf der Straße. Auf dem Glockengießerwall am Hauptbahnhof hatte sie eine Muslimin als Islamistin und Terroristin beschimpft - und das waren noch die harmloseren Ausdrücke. Sie beteuerte aber, dass sie nicht rassistisch sei. Und auch der psychiatrische Gutachter sagte, die Frau sei nicht islamfeindlich, sondern krank. Schizoaffektive Psychose, so lautete seine Diagnose.

Die 52-Jährige müsse zur Behandlung in die Psychiatrie. Statt in einer Klinik ist sie allerdings in Untersuchungshaft. Die Richterin hob den Haftbefehl zwar auf. Sie sprach die Angeklagte wegen ihrer Krankheit frei. Da die gegen ihren Willen aber nicht eingewiesen werden kann, wird die Frau wohl einfach auf die Straße entlassen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.03.2021 | 16:00 Uhr

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