Stand: 24.05.2018 14:46 Uhr

Angeklagter gesteht Angriff auf Obdachlosen

Im Prozess um einen brutalen Angriff auf einen Obdachlosen am Hamburger Bahnhof Ohlsdorf hat der Angeklagte die Tat gestanden. "Wie es genau abgelaufen ist, weiß ich aber nicht mehr", sagte der 27-Jährige am Donnerstag vor dem Hamburger Amtsgericht. Was zunächst nach dem Werk eines eiskalten Gewalttäters aussah, stellte sich vor Gericht im Laufe des Prozesses anders dar.

Das Opfer erlitt eine lange Schnittwunde am Hals

Der Angeklagte muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den schlafenden Mann am frühen Morgen des 19. November 2017 zunächst mit Bier überschüttet zu haben. Anschließend soll er die Flasche zerschlagen und den Obdachlosen mit einer Scherbe am Hals geschnitten haben. Das Opfer erlitt eine zwölf Zentimeter lange Schnittwunde am Hals sowie eine drei Zentimeter große Wunde am Kinn.

Angeklagter stellte sich telefonisch bei der Polizei

Doch als dann Wochen nach der Tat ein Mann bei der Polizei anrief, hatte das auch der Polizist am anderen Ende der Leitung noch nicht erlebt: Er bat eindringlich darum, verhaftet zu werden. Er habe zuvor jemanden verletzt. "Ich will mich stellen, weil das eine asoziale Tat war," sagte er ins Telefon. Als die Aufnahme des Telefonates am Donnerstag im Amtsgericht abgespielt wurde, konnte sich auch die Richterin ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Beide kannten sich nicht und waren betrunken

Vor ihr auf der Anklagebank saß ein Mann, der sich selbst nicht erklären konnte, warum er den Obdachlosen im November verletzte. Er erklärte, das Opfer nicht gekannt zu haben. Beide waren betrunken, als sie sich am S-Bahnhof begegneten, und irgendwie kam es zum Streit. Nachdem er den Obdachlosen verletzt hatte, lief der Angeklagte davon, rief dann aber bei der Polizei an, um zu fragen, wie es seinem Opfer gehe.

Angeklagter hat sich bei Opfer entschuldigt

Nach der Tat habe er sich zunächst vom Ort des Geschehens entfernt, sei aber kurze Zeit später noch einmal zurückgekehrt. "Ich wollte wissen, wie es ihm geht", sagte er. Zu diesem Zeitpunkt sei das Opfer jedoch schon im Krankenhaus gewesen. Zwei Wochen später sei er dann erneut zum Bahnhof gefahren und habe sich bei dem Obdachlosen entschuldigt. Dennoch habe er sich anschließend auch stellen wollen.

"Offensichtlich angetrunken und sehr emotional"

Auch der Polizist, der ihn später vernommen hatte, wurde vor Gericht als Zeuge gehört. Er sagte, der Angeklagte sei "offensichtlich angetrunken und sehr emotional" gewesen. Er habe angegeben, dass er bereits häufiger die Idee gehabt hätte, "jemanden umzubringen". Daher habe er um die Einweisung in eine Psychiatrie oder in eine Haftanstalt gebeten. Der Prozess soll am 1. Juni fortgesetzt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.05.2018 | 15:00 Uhr

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