Visualisierung: In Altona soll aus einem Weltkriegsbunker ein Ort der Kultur und der Energie-Erzeugung werden. Das Projekt heißt "Kebap". © Bunk & Münch Landschaftsarchitekten PartGmbH

Altona: Vom Weltkriegsbunker zum Stadtteilzentrum

Stand: 12.06.2021 19:56 Uhr

In Hamburg-Altona wird ein Weltkriegsbunker zum Ort der Kultur und der Energie-Erzeugung umgebaut. Die Stadt hat das Bauwerk an der Schomburgstraße gekauft und verpachtet es an eine Genossenschaft. Das Ziel: ein einmaliges Projekt.

Sebastian Drießen gehört zu einer Gruppe von Engagierten, die dem Bunker neues Leben einhauchen wollen. "Das war mal ein düsterer Ort. Und wir versuchen immer wieder mit kulturellen Angeboten hier, vielleicht irgendwie das Erbe zu bewahren, aber auch einen neuen Spirit reinzubringen."

Ein Garten an der Bunkermauer

In Altona soll aus einem Weltkriegsbunker ein Ort der Kultur und der Energie-Erzeugung werden. Das Projekt heißt "Kebap". © KEBAP e.V.
Der Bunker liegt an der Schomburgstraße.

Erst seit 2011 ist der Hochbunker nicht mehr für den Zivilschutz vorgesehen. Seitdem erobert nicht nur die Natur Raum zurück - sondern auch die Menschen, die hier leben. Entlang der Bunkermauer ist ein Garten entstanden. Hier bauen Nachbarn und Nachbarinnen gemeinsam Gemüse an, ernten und kochen. Ein Projekt, das Nachhaltigkeit greifbar machen soll.

Marlene Stadie vom Verein "Kebap" (Kultur-Energie-Bunker-Altona-Projekt) hat es mitgestaltet. Und erhofft sich davon eine Wirkung weit über das Gärtnern hinaus. "Einmal geht es uns darum, einen Raum zu schaffen im Stadtteil, einen öffentlichen Raum, an dem alle Menschen sich willkommen fühlen, wo wir uns gemeinsam solidarisch überlegen, wie wir eigentlich zusammen leben wollen in der Stadt." Und es gehe auch darum, dass die Menschen sich den Raum in ihrer Stadt nehmen und selbst gestalten. "Dafür wollen wir hier auch ein Ort sein."

Gemeinsames Gärtnern, Kochen, Essen auf dem Dach

Garten und Bunker sollen künftig noch stärker zusammenwachsen. Ein Verein ist entstanden und die KulturEnergieGenossenschaftAltona (KEGA). Marcus Flatten ist einer der Vorstände und treibt die gemeinsame Idee voran: Den Bunker umbauen und ihn für den Stadtteil öffnen. "Das, was jetzt im Moment unten an der Straße stattfindet, das Urban Gardening, also der Gartenbau, soll komplett auf das Dach verlagert werden", sagt Flatten. So könnten Anwohnerinnen und Anwohner gemeinsam dort oben ihr Beet bearbeiten, kochen oder essen. "So haben wir es in Workshops gemeinsam mit einem Landschaftsplaner geplant."

Eine Hälfte Kultur, in der anderen wird Energie erzeugt

Im Bunker selbst soll Raum für Kultur entstehen, für Bandproben, Veranstaltungen und Kunstprojekte. Allerdings nur in einer Hälfte des Bunkers. Denn der Bau ist in der Mitte durch eine dicke Mauer getrennt. Auf der anderen Seite befindet sich derselbe Grundriss noch einmal. Und hier soll künftig Energie erzeugt werden. Mit Wärmepumpen und einem Blockheizkraftwerk.

"Diese Zweiteilung war tatsächlich der zündende Funke für die Idee, hier einen Kultur-Energie-Bunker draus zu machen, weil es baulich einfach ideal dafür ist", erklärt Flatten. "Der Energieteil ist abgeschlossen und hier kann Kultur stattfinden. Ungestört durch die Energieanlagen, die im Nachbarteil laufen und die durch eine dicke Betonwand hier vom Kulturteil getrennt sind."

Fernwärme und Strom könnten Projekt finanzieren

Auf der einen Seite Kultur - auf der anderen Seite Energieproduktion. Die eigenwillige Architektur macht’s möglich. Und so könnte sich das Projekt am Ende sogar selbst tragen. Finanziert durch Einnahmen aus dem Verkauf von Fernwärme und Strom.

2025 soll er für alle öffnen

Mitglieder einer Genossenschaft vor einem Bunker in Altona, der zum Kultur- und Energieprojekt umgestaltet werden soll. © Bezirksamt Altona
Die Genossenschaft sucht neue Mitstreiter.

"Die Hoffnung ist, dass alles größer wird und dass es noch mehr Menschen werden und dass hier noch mehr passiert. Aber dass die Stimmung auf jeden Fall so erhalten bleibt", meint Genossenschaftssprecherin Stadie. Inzwischen hat die Stadt den Bunker vom Bund gekauft und ihn dem Verein zur Verfügung gestellt. Jetzt läuft die konkrete Planung für den künftigen Kultur-Energie-Bunker. Wenn alles gut geht, wird der Bunker so endlich eine neue Bestimmung finden. 2025 soll er für alle öffnen.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 12.06.2021 | 19:30 Uhr

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