Stand: 19.06.2019 13:54 Uhr

Zu teuer? Debatte um HVV-Monatstickets

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Zu teuer? Der ADAC hat für seinen Preisvergleich in Hamburg ein Monatsticket für vier Tarifzonen gewählt, das auch für viele Orte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen gilt.

In Hamburg müssen Pendler offenbar deutlich tiefer in die Tasche greifen, wenn sie regelmäßig Bus und Bahn nutzen, als in anderen Großstädten. Zu diesem Ergebnis kam der Automobilclub ADAC bei einem Vergleich der Preissysteme des öffentlichen Nahverkehrs in deutschen Städten. Demnach zahlt man in der Hansestadt 109,20 Euro für ein Monatsticket, während etwa in München nur 55,20 Euro fällig sind.

Hans Pieper vom ADAC Hansa nennt weitere Beispiele: "Auch wenn man das Abo für 89,50 Euro nimmt, zählt Hamburg zu den teuersten fünf Städten. Und auch das Tagesticket gehört mit 7,80 Euro zu den teuersten", sagte Pieper. Der ADAC hatte das Preissystem des öffentlichen Nahverkehrs in 21 Städten mit mehr als 300.000 Einwohnern ausgewertet. Verglichen wurden demnach die sieben relevantesten Ticketarten im jeweiligen Stadtgebiet.

HVV hält Vergleich für unseriös

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) nannte den Preisvergleich des ADAC unseriös. "Hier werden Fahrkarten miteinander verglichen, die ganz unterschiedliche Geltungsbereiche haben", sagte HVV-Sprecher Rainer Vohl. "Die Monatskarte Hamburg AB deckt ein Gebiet ab, das weit über das Stadtgebiet hinausgeht und Orte wie Quickborn, Pinneberg oder Reinbek beinhaltet." Der Preis für diese umfangreiche Fahrkarte werde vom ADAC Preisen für Fahrkarten gegenübergestellt, die dort nur für Innenstädte gälten. Suche man in München nach einem Ticket mit ähnlich großem Radius wie die HVV-Monatskarte AB sei München sogar noch teurer.

Der ADAC wies die Kritik zurück. Um wie in München in der Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen fahren zu können, müsste ein Kunde in Hamburg vier Zonen buchen, was preislich der "Monatskarte AB" entspreche. Deshalb habe der ADAC die Monatskarte mit dem größeren Geltungsbereich in den Vergleich aufgenommen. München sei mit einem Ringsystem in alle Richtungen von der Innenstadt gesehen tariflich günstiger aufgestellt.

Bei Einzeltickets fast am günstigsten

Zu einem positiveren Ergebnis für den HVV kam der ADAC bei einem Vergleich der Einzeltickets, wo Hamburg mit seinen 2,30 Euro für eine Fahrt im Nahbereich im positiven Sinne auf Platz zwei hinter Mannheim landet.

"Wer eine wirkliche Verkehrswende möchte, muss darauf achten, dass der öffentliche Nahverkehr ein attraktives Angebot ist, auch preislich", sagte Ingo Meyer, Vorstandsvorsitzender des ADAC Hansa. Dazu gehöre auch die Abschaffung der Stellplatzgebühren bei "Park & Ride"-Anlagen, für die Hamburger nochmals 100 Euro im Jahr aufbringen müssten.

Auch Kritik aus der Politik

Die Hamburger CDU kritisierte die Preispolitik ebenfalls: "Hamburgs Busse und Bahnen sind zu teuer", sagte Verkehrsexperte Dennis Thering. "Und trotzdem stimmt der Service nicht: Bahnen sind überfüllt und kommen nicht pünktlich, Busse bleiben im Stau stecken und die Klimaanlagen funktionieren auch nicht richtig." Hamburg brauche bessere Angebote und Anreize für Busse und Bahnen. Ähnlich äußerte sich die FDP-Fraktion. Die Studie zeige, dass in Hamburg zwar die Tickets am meisten kosten, sagte der verkehrspolitische Sürecher Ewald Aukes. "Bei der Attraktivität des Angebots hinkt der HVV dagegen hinterher." Auch die Linke forderte Preissenkungen.

Der HVV wies darauf hin, dass preispolitische Maßnahmen nur geringen Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels hätten. Das sei wissenschaftlich erwiesen. Wichtig sei vielmehr ein attraktiver ÖPNV: "Kundenbefragungen im HVV ergeben immer wieder, dass die Qualität, also Taktdichte, Platzangebot, Pünktlichkeit, Sauberkeit etc., hohe Priorität hat", sagte der HVV-Sprecher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.06.2019 | 11:15 Uhr

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