Stand: 23.04.2020 11:50 Uhr

Tschentscher: "Masken bald auch in Discountern"

Wann gibt es Lockerungen für den Tourismus und den Sport? Wie wird sozial schwachen Familien geholfen? Sollte der Preis für Masken festgeschrieben werden? Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) war am Donnerstag live aus seinem Amtszimmer im Rathaus zugeschaltet und hat eine Stunde lang Fragen von Hörerinnen und Hörern bei NDR 90,3 beantwortet.

Peter Tschentscher | Bild: Ronald Sawatzki/Senatskanzlei Hamburg © Ronald Sawatzki/Senatskanzlei Hamburg Foto: Ronald Sawatzki
Bürgermeister Peter Tschentscher hat Fragen von Hörerinnen und Hörern beantwortet.

Am Mittwochabend hatte das Hamburger Verwaltungsgericht entschieden, dass Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern wieder öffnen müssten. Die Stadt Hamburg hatte dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Bis es eine Entscheidung gibt, dürfen größere Läden weiter nur mit einer verkleinerten Verkaufsfläche öffnen. Bürgermeister Peter Tschentscher sagte, er rechne damit, dass die Sache am 30. April entschieden werde.

Unklar, wann Kitas und Spielplätze wieder geöffnet werden

Zur Frage, wann Kitas und Spielplätze wieder geöffnet werden können, sagte der Bürgermeister, es sei noch nicht klar, welche Infektionsgefahr von kleinen Kindern ausgehe. Es gebe einerseits Befürchtungen, dass Kinder das Coronavirus übertragen. Und andererseits auch Vermutungen, dass Kinder das Virus nur selten übertragen. Hier müssten erst gesicherte Erkenntnisse her. Mit Blick auf die Spielplätze sagte er, es nütze nichts, "dass wir Kitas schließen und dann alle auf dem Spielplatz sind".

Kein Datum für Lockerungen im Tourismus

Ein Hörer, der auf einer Barkasse arbeitet, sagte, die Lage für seinen Betrieb sei "sehr bedrückend" und fragte: "Ab wann können die Barkassen wieder fahren?" Derzeit werde Schritt für Schritt das wieder erlaubt, "was dringend für das tägliche Leben nötig ist", antwortete Tschentscher. Was den Tourismus angehe, könne die Stadt derzeit nichts gestatten. Er gehe aber davon aus, dass Bund und Länder bald über die Tourismusfragen sprechen würden. Ein Datum könne er aber nicht nennen. Ähnliches gelte für die Restaurants. Hier müsse es eine Entscheidung mit den Nachbarbundesländern geben, sagte der Bürgermeister. Wenn nur Hamburg die Restaurants öffne und dann Menschen aus dem Umland in die Stadt strömten, sei das ein Problem, so Tschentscher.

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Gibt es genug Masken?

Ein Hörer wies darauf hin, dass er versucht habe, eine Maske zu kaufen. Er habe aber nirgendwo eine bekommen. Der Einzelhandel habe "Verkaufsangebote in großem Maßstab zugesagt", sagte Tschentscher. In den kommenden Tagen werde es auch in Discountern und anderen Geschäften Masken geben. Eine Anregung einer Hörerin zum Thema Masken war, den Preis für die professionellen Masken festzuschreiben - OP-Masken würden derzeit zu hohen Preisen angeboten. Tschentscher empfahl, wiederverwendbare Stoffmasken zu kaufen. Diese könne man im Backofen und in der Mikrowelle desinfizieren.

Wer keine Maske tragen kann, muss keine tragen

Der Bürgermeister sagte auch, Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, seien von der Maskenpflicht ausgenommen. Sie sollten nach Möglichkeit aber die Bereiche meiden, in denen es eng wird - zum Beispiel den öffentlichen Nahverkehr.

Lockerungen für den Sport bald Thema

Warum dürfen Jogger ohne Mundschutz Sport machen? Das fragte eine Hörerin. Der Bürgermeister sagte, es gebe wegen der Verbote viele Gleichbehandlungsprobleme. Generell sollten die Menschen draußen auf den Abstand achten. In der nächsten Gesprächsrunde von Bund und Ländern sollen aber weitere Lockerungen für den Sport besprochen werden. Es gebe Überlegungen, "dass man Sport alleine unter freiem Himmel wieder zulässt". Inwieweit dort dann auch Masken getragen werden müssen, müsse dann auch noch besprochen werden.

Zur Frage, wie er zu Geisterspielen in der Fußballbundesliga steht, sagte Tschentscher, er könne sich das nur mit erheblichen Vorkehrungen vorstellen. Er betonte aber, dass es notwendig sei, die Dinge nach und nach wieder zu ermöglichen, die für die Wirtschaft wichtig sind.

Hilfen für sozial schwache Familien

Eine Hörerin fragte, wie sozial schwache Familien in Hamburg während der Corona-Krise unterstützt werden. Tschentscher wies darauf hin, dass es zum Beispiel zurzeit möglich sei, das Kurzarbeitergeld beim Amt leichter aufzustocken. Außerdem wolle man dafür sorgen, "dass alle Kinder in allen Stadtteilen ein kostenloses Mittagessen bekommen, auch wenn sie nicht in die Kita oder in die Schule gehen".

Friseurbetriebe wahrscheinlich ab 4. Mai offen

Ein Hörer wollte wissen, wann es wieder möglich ist, zum Friseur zu gehen. Die Friseurbetriebe sollen sich darauf vorbereiten, ab dem 4. Mai wieder öffnen zu dürfen, antwortete der Bürgermeister. Konkrete Entscheidungen dazu sollen zwischen Bund und Ländern abgestimmt werden. Die Betriebe müssten sich überlegen, wie sie lange Schlangen vor den Geschäften verhindern. Friseurinnen und Friseure müssten zudem besondere Schutzmasken tragen.

Bußgelder bei Missachtung der Kontaktbeschränkungen

Eine Hörerin sagte, sie sehe im Park immer wieder Menschen, die sich nicht an die Kontaktbeschränkungen halten. Tschentscher sagte, er gehe davon aus, dass einige Menschen die Gefahr nicht ernst nehmen. Die Hörerin sei darüber zu Recht irritiert. Die Polizei sei angehalten, in solchen Fällen einzuschreiten. Auch Bußgelder seien möglich.

Koalitionsverhandlungen von SPD und Grünen

Auf die Frage, wie er die Koalitionsverhandlungen mit den Grünen angehe, sagte Tschentscher: "Wir hatten das vor zwei Monaten schon vorbereitet." In Bezug auf das Coronavirus seien jetzt viele Regelungen getroffen worden, sodass nun Zeit für die Verhandlungen sei. Diese seien wichtig, denn Hamburg brauche "mehr als nur eine geschäftsführende Regierung". Dass die möglichen Koalitionäre das Regierungsprogramm erst jetzt verhandeln, sei zudem "fast schon ein Vorteil", so Tschentscher. Jetzt könne die wirtschaftliche und gesundheitliche Lage miteinbezogen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 23.04.2020 | 09:00 Uhr

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