Stand: 13.02.2020 07:07 Uhr  - NDR 90,3

27-Jähriger gesteht Schüsse auf Rockerboss

Ein Angeklagter sitzt im Saal des Hamburger Landgerichts im Prozess nach Schüssen auf einen Rockerboss im Stadtteil St. Pauli. © dpa Foto: Daniel Bockwoldt
Ein 27-jähriger Angeklagte gestand die Schüsse auf den Rockerboss.

Nach den beinahe tödlichen Schüssen auf einen Rockerboss der "Hells Angels" im Hamburger Stadtteil St. Pauli hat der Schütze die Tat gestanden. "Ich habe auf seine Schulter gezielt - und dann fünfmal geschossen", sagte der 27 Jahre alte Bulgare seiner Dolmetscherin zufolge am Mittwoch vor dem Landgericht. Dem Angeklagten sollen dafür 10.000 Euro versprochen worden sein.

Der 27-Jährige sagte aus, dass der Auftrag aus dem Gefängnis Billwerder heraus gekommen sei - also von dort, wo der mitangeklagte 29-jährige mutmaßliche Auftraggeber damals inhaftiert war. Der mutmaßliche Auftraggeber war Mitglied der mit den "Hells Angels" verfeindeten Rockergruppe "Mongols". Zwei Jahre zuvor war er selbst niedergeschossen worden. Wegen des ähnlichen Anschlags auf den 29-Jährigen und dessen Freundin im Sommer 2016 geht die Staatsanwaltschaft von Rache als Motiv aus.

Vater des mutmaßlichen Auftraggebers belastet

Der mutmaßliche Schütze belastete auch den 73-jährigen Vater des 29-Jährigen schwer. Der habe ihn am Vorabend der Tat auf dem Kiez herumgefahren und nach dem damals 38-jährigen Rockerboss gesucht. Der Vater habe ihm gesagt, dass er auf den Rockerboss schießen solle. Am besten wäre es, wenn er ihn zum Krüppel mache. Der Staatsanwaltschaft zufolge hatte der 73-Jährige im Sommer 2018 mit seinem im Gefängnis sitzenden Sohn den Anschlag auf den Rockerboss geplant.

Mutmaßlicher Auftraggeber schweigt

Vor Gericht wies der Verteidiger des Vaters eine mögliche Tat- und Planungsbeteiligung zurück. Die Anklage verkenne, dass "hierfür rein faktisch nahezu keinerlei Gelegenheit" bestanden habe. Sein Mandant habe seinen Sohn erst im Gefängnis besucht, als der spätere Schütze bereits für die Tat zugesagt hatte. Der 29-Jährige äußerte sich auch am zweiten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen.

Schüsse am Millerntor

Der Schütze wurde am Tag der Tat, am 26. August 2018, von einer Frau gefahren, die bereits verurteilt worden ist. Sie hätten dem Rockerboss der "Hells Angels" vor dessen Lieblingslokal in St. Pauli aufgelauert, sagte 27-Jährige vor Gericht. Da der Rocker aber in Begleitung war, seien sie ihm hinterhergefahren. Als der Rockerboss mit seinem weißen Bentley an einer Ampel am Millerntor halten musste, fielen die Schüsse auf den 38-Jährigen. Er wurde lebensgefährlich an Kopf und Oberkörper verletzt und ist seitdem querschnittsgelähmt.

Weitere Informationen
Im Prozess um Schüsse auf einen Rockerboss verdeckt ein Angeklagter sein Gesicht. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Schüsse auf Rockerboss: Schütze will auspacken

Vor dem Hamburger Landgericht wird der Prozess um die Schüsse auf einen Rockerboss am Millerntor neu aufgerollt. Der geständige Schütze will in seiner Aussage die Mitangeklagten belasten. (06.02.2020) mehr

Ein weißer Bentley wird nach Schüssen auf den Fahrer von der Polizei auf Hamburg-St. Pauli untersucht. © NDR Foto: Kai Salander

Schüsse auf Rockerboss: Schütze offenbar gefasst

Nach dem spektakulären Mordanschlag auf einen Rockerboss auf dem Kiez sitzt jetzt auch der mutmaßliche Schütze in Haft. Derweil muss der Prozess gegen seinen Auftraggeber wohl neu aufgerollt werden. (02.10.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.02.2020 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Bauarbeiten an der A7

A7-Sperrung: Zeitweise stockender Verkehr

Noch bis Montag um 5 Uhr ist die Autobahn 7 voll gesperrt: Seit Freitagabend sind zwischen Hamburg-Volkspark und -Heimfeld Spezialfirmen mit Arbeiten beschäftigt. Auch der Elbtunnel ist dicht. mehr

.

Demonstranten: "Reiche müssen für Krise zahlen"

In Pöseldorf haben mehr als 1.000 Menschen dafür demonstriert, dass Reiche Geld geben, um die Corona-Krise zu bewältigen. Auch Gruppen, die der Verfassungsschutz als linksextrem einstuft, waren dabei. mehr

Menschen demonstrieren in der Hamburger Innenstadt gegen die Corona-Maßnhamen. © NDR Foto: Jörn Straehler-Pohl

Protestierende wollen Corona-Maßnahmen aufheben

Mehrere Hundert Menschen haben am Sonnabend am Jungfernstieg in Hamburg dafür demonstriert, die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie aufzuheben. Auch eine Gegenkundgebung gab es. mehr

Inéz Schaefer und Demian Kappenstein sind Ätna. © Reeperbahnfestival Foto: RBO

Ätna aus Dresden gewinnen den "Anchor"-Award 2020

Das Electronic-Duo Ätna hat sich bei der "Anchor"-Award-Show gegen fünf weitere Nominierte durchgesetzt. Am Ende überzeugte der Sound der Dresdner Band die internationale Jury. mehr