Stand: 02.08.2019 11:12 Uhr

Rekordfund: Zoll entdeckt 4,5 Tonnen Kokain

Mitte Juli entdeckte der Hamburger Zoll 4,5 Tonnen Kokain in einer Lieferung.

Deutsche Sicherheitsbehörden haben in diesem Jahr bereits mehr Kokain sichergestellt, als je zuvor in einem Jahr beschlagnahmt worden ist. Das haben Recherchen des NDR ergeben. Demnach zog der Zoll im laufenden Jahr deutlich mehr als sieben Tonnen der Drogen aus dem Verkehr, und damit mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017.

4,5 Tonnen Kokain in Sporttaschen

Die Menge ergibt sich in erster Linie aus zwei großen Funden im Juli. Wie der Hamburger Zoll am Freitag mitteilte, entdeckten Fahnder Mitte Juli bei einer Container-Kontrolle 4,5 Tonnen Kokain. Der Schiffscontainer war auf dem Weg von Montevideo in Uruguay nach Antwerpen und sollte eigentlich Sojabohnen transportieren. Stattdessen fanden die Zollfahnder 211 Sporttaschen mit insgesamt über 4.000 Kokainblöcken.

Straßenverkaufswert: Fast eine Milliarde Euro

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Das Kokain war in mehr als 200 Sporttaschen verpackt.

Nach Angaben der Behörde hatte der Fund einen Straßenverkaufswert von annähernd einer Milliarde Euro. Der Zoll hat die Drogen nach eigenen Angabe vernichtet. Es sei der größte jemals einzeln in Deutschland sichergestellte Fund.

Nach NDR Informationen konnte der Hamburger Zoll Ende Juli noch eine weitere Kokain-Lieferung stoppen, mit einem Gesamt-Gewicht von 1,5 Tonnen. Auch dieses Mal sollten die Drogen nach Antwerpen gehen. Sie kamen aus Rio Grande in Brasilien und waren in einer Tabaklieferung versteckt.

Drogenfahnder gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus, mutmaßlich stellen die Sicherstellungen nur ein Bruchteil des geschmuggelten Kokains dar. René Matschke, Leiter des Zollfahndungsamts Hamburg, sagte dem NDR: "In Hamburg gehen wir davon aus, dass sowohl die Zufuhr von Kokain zum deutschen Markt wie auch der Transit zu den Häfen in Belgien und den Niederlanden stetig zunehmen." So seien 2018 in den Häfen in den Niederlanden, Belgien, Spanien und Frankreich rund 90 Tonnen Kokain sichergestellt worden.

Weltweit steigende Tendenz

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Laut René Matschke vom Hamburger Zoll kommt immer mehr Kokain nach Deutschland.

Und nicht nur in Europa sehen Fahnder diese Tendenz. Zuletzt waren weltweit nicht nur insgesamt immer größere Mengen Kokain sichergestellt worden, sondern auch immer größere Einzel-Lieferungen.

Im Juni hatten US-Fahnder auf einem Schiff in Philadelphia rund 18 Tonnen Kokain entdeckt - der mutmaßlich bisher größte sichergestellte Einzelfund. Das Schiff war auf dem Weg nach Rotterdam.

Wachsende Produktion in Südamerika

Dass mehr Kokain entdeckt wird, liegt laut Zollfahnder Matschke teils daran, dass die Ermittler inzwischen eine jahrelange Erfahrung mit der Seefracht gesammelt und ihre Methoden verbessert haben. Zuletzt waren weltweit immer größere Lieferungen sichergestellt worden. Andererseits werten Experten die Tatsache, dass Kartelle offenbar immer größere Mengen auf einmal zu schmuggeln versuchen, als Indiz dafür, dass die Banden auch große Verluste mittlerweile problemlos verkraften können.

Ein Grund dafür ist die stetig wachsende Kokain-Produktion in Südamerika. Kokain wird laut den Experten heute auf deutlich größeren Flächen und effizienter hergestellt als früher, so dass sich aus einer Ernte mehr von der Droge gewinnen lässt als noch vor einigen Jahren. Das führt zu niedrigeren Preisen und einer höheren Verfügbarkeit.

Polizeibehörden befürchten zunehmende Gewalt

Als eine mögliche Folge der hohen Produktion befürchten Ermittler europäischer Polizeibehörden einen Anstieg der Gewalt in Europa. Auch das Bundeskriminalamt warnt davor. Die hohe Verfügbarkeit sorge für eine neue Dynamik unter den Gruppen der organisierten Kriminalität. In den Niederlanden beispielsweise führe das bereits zu Machtkämpfen zwischen den Gruppen, die gewaltsam ausgetragen würden.

Die Kokain-Geschäfte sorgen auch dafür, dass andere Straftaten im Umfeld der Drogenbanden zunehmen. Erst Ende des vergangenen Jahres war in Paris eine Gruppe von Geldwäschern verurteilt worden. Recherchen des NDR hatten gezeigt, dass die Bande Drogengelder vor allem über den Kauf von Luxusuhren in Deutschland gewaschen hatte.

Fahnder beklagen fehlende Ressourcen

Immer wieder beklagen Drogenfahnder, dass sie für aufwendige Ermittlungen gegen Rauschgiftbanden zu wenige Ressourcen zur Verfügung haben. Ein hochrangiger Drogenfahnder sagte dem NDR: "Die Politik unterschätzt das Problem völlig. In den vergangenen Jahren hat man die Prioritäten auf Terrorismus und Cyberkriminalität gelegt. Dass seit einigen Jahren eine Drogenschwemme über den Westen schwappt, hat man übersehen."

Um an die Hintermänner zu kommen, helfen Sicherstellungen nicht, dazu bedürfe es aufwendiger Strukturermittlungsverfahren, so der Fahnder. Aber um solche Verfahren in ausreichendem Umfang führen zu können, fehle Personal.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 02.08.2019 | 11:00 Uhr

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