Stand: 27.01.2018 16:46 Uhr

20. Bertini-Preis für Schüler mit Zivilcourage

Fünf Schülerinitiativen, die sich für ein vorurteilsfreies gesellschaftliches Miteinander engagieren, sind am Sonnabend in Hamburg mit dem 20. Bertini-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet worden. Der Preis ist insgesamt mit 10.000 Euro dotiert. Bei dem Festakt im Ernst-Deutsch-Theater würdigte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die knapp 100 jungen Menschen. Die Veranstaltung findet traditionell am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Scholz rief in seiner Rede auch Einwanderer zur Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auf. Wer nach Deutschland komme, müsse sich auch mit der besonderen deutschen Geschichte auseinandersetzen, sagte Scholz bei der Verleihung. "Das gehört dazu, wenn man dazugehören will."

Schüler singen.

Bertini-Preis für Schüler mit Zivilcourage

Hamburg Journal -

Bereits zum 20. Mal sind die Bertini-Preise an Schüler-Projekte verliehen worden. Ausgezeichnet werden Produktionen, die sich für ein vorurteilsfreies Miteinander engagieren.

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Nationalsozialismus und die Folgen des Krieges

Zu den ausgezeichneten Projekten gehört das Theaterprojekt "Reichsausschusskinder". Es setzt sich mit einem Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten auseinander, das in Hamburger Krankenhäusern durchgeführt wurde. Die 17 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Klosterschule wollen damit Opfer und Täter als Individuen begreifbar machen und einen Prozess des Nachdenkens anregen.

Ein weiteres Projekt erinnert an das Schicksal russischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter in Bergedorf. Elf 14- bis 16-jährige Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Bergedorf arbeiteten zwei Jahre lang an der Frage, welche Folgen Krieg, Unterdrückung und Fremdenfeindlichkeit in unserer jüngsten deutschen Geschichte hatten. Die bewegenden Ergebnisse veröffentlichten sie in einer Broschüre.

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Walter Jungleib war zwölf Jahre alt, als er nach langer Qual von den Nazis ermordet wurde.
Vom Rap bis zur Film-Dokumentation

Ebenfalls ausgezeichnet wird ein von Schülern eigenständig produziertes Musikvideo mit dem Titel "Humanity Rap", das sich gegen Ausgrenzung und für ein gleichberechtigtes Miteinander ausspricht. 56 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen sechs und 19 Jahren aus vier Schulen (Klasse 7 b des Gymnasiums Kaiser-Friedrich-Ufer, Grundschule Rothestraße, Stadtteilschule Winterhude und Nelson-Mandela-Schule) haben daran mitgewirkt.

Auch GIRA, eine monatliche Gesprächsrunde für den interreligiösen Austausch, erhält den Preis. GIRA findet regelmäßig im Bildungszentrum Tor zur Welt in Wilhelmsburg statt. Ziel ist es, durch den regelmäßigen Dialog die Radikalisierung von Jugendlichen zu verhindern. Ein anderes Projekt erzählt die Geschichte eines der ermordeten Kinder vom Bullenhuser Damm. Die 15-jährgige Merle Lutz vom Gymnasium Klosterschule und die 16-jährige Stela Vitalosova vom Gymnasium Süderelbe erinnern an den Jungen mit einem Film: "Die Geschichte von Walter Jungleib".

Die Preisträger
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Bertini Preis: "Reichsausschusskinder"

24.01.2018 19:30 Uhr
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Kriegsgefangene in Bergedorf

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Die Geschichte des Walter Jungleib

23.01.2018 18:00 Uhr
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Bertini-Preis für interreligiösen Austausch

23.01.2018 18:00 Uhr
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Musikvideo gegen Ausgrenzung

24.01.2018 18:00 Uhr
Hamburg Journal 18.00

Benannt nach einem Roman Giordanos

Der Bertini-Preis wird traditionell am Holocaust-Gedenktag verliehen. Der Name geht auf den Roman "Die Bertinis" des Hamburger Schriftstellers Ralph Giordano zurück. Der im Dezember 2014 verstorbene Giordano arbeitete mehr als 40 Jahre an dem Buch, in dem er das Schicksal seiner Familie in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur schildert, das geprägt war von Ausgrenzung, Verfolgung und ständiger Angst. Ralph Giordano war Ehrenvorsitzender des Vereins und immer zuversichtlich, dass der Bertini-Preis seine Botschaft "Lasst euch nicht einschüchtern" weitertragen werde.

Die Ausschreibung zum Bertini-Preis richtet sich seit 1998 an alle Hamburger zwischen 14 und 25 Jahren. Sie können sich einzeln, als Gruppe oder Schulklasse mit einem Projekt bewerben - oder von anderen für ihr mutiges "Eintreten gegen Unrecht, Ausgrenzung oder Gewalt von Menschen gegen Menschen in dieser Stadt" vorgeschlagen werden.

Weitere Informationen

Holocaust - Das beispiellose Verbrechen

Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit von Deutschen systematisch ermordet. Jedes Jahr am 27. Januar erinnert ein Gedenktag an alle Opfer des Nationalsozialismus. mehr

Rückblick 2017

Bertini-Preis 2016 für Schüler mit Zivilcourage

Zum 19. Mal ist der Bertini-Preis für Zivilcourage verliehen worden. Vier Projekte junger Hamburger erhielten die Auszeichnung für die Erinnerung an NS-Opfer und ihr soziales Engagement. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 27.01.2018 | 19:30 Uhr

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