Stand: 25.07.2019 13:07 Uhr

Ausbau der Windenergie an Land auf Rekordtief

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Dunkle Wolken über einem nicht fertiggestellten Windrad im niedersächsischen Jühnde - Sinnbild für die Ausbau-Krise an Land.

Schlechte Nachrichten für die Windenergie-Länder im Norden: In Deutschland ist der Ausbau der Windkraftanlagen an Land fast zum Erliegen gekommen. Im ersten Halbjahr lag der Bruttozubau bei 287 Megawatt beziehungsweise 86 neuen Anlagen - im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahreszeitraum war dies ein Rückgang von 82 Prozent. Das geht aus Zahlen der Deutschen Windguard im Auftrag der Branchenverbände BWE und VDMA Power Systems hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgelegt wurden.

Schlechtester Wert seit 2000

Zieht man den Rückbau von Windenergieanlagen ab, ergibt sich "onshore" (an Land) ein Nettozubau von nur 231 Megawatt beziehungsweise 35 Anlagen im ersten Halbjahr 2019. Das entspricht rechnerisch der Leistung eines mittleren Kohlekraftwerks, wenn der Wind immer wehen würde. Die Branchenverbände sprechen vom schlechtesten Wert seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000.

Ein Mann in Warnweste steht an einem Windrad-Rotorblatt, das gerade montiert wird

Fertigung eines Windrades

Wie geht das? -

Windkraftanlagen wandeln die Energie des Windes in elektrische Energie. Der Film verrät, wie genau die gigantischen Windräder für ihren Standort konzipiert sind.

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Niedersachsen beim Zubau überholt

Niedersachsen bleibt mit aktuell 6.311 Windenergie-Anlagen und einer kumulierten Leistung von 11.205 Megawatt zwar wichtigster Produzent von Windenergie an Land, doch beim Zubau im ersten Halbjahr 2019 wurde Niedersachsen von Rheinland-Pfalz überholt. Dort entstanden von Januar bis Ende Juni 15 neue Anlagen, in Niedersachsen waren es 14. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren zwischen Harz und Nordsee noch 130 Anlagen gebaut worden.

Mecklenburg-Vorpommern unter Top Fünf

Unter den fünf Bundesländern, in denen im ersten Halbjahr onshore mehr als zehn neue Anlagen errichtet wurden, ist aus dem Norden nur noch Mecklenburg-Vorpommern mit 11 neuen Windrädern (1. Halbjahr 2018: 22).

Schleswig-Holstein: Wenig Fläche, viele Anlagen

In Schleswig-Holstein kamen im ersten Halbjahr 2019 gar nur zwei neue Windräder hinzu (1. Halbjahr 2018: 22), doch bezogen auf die Landesfläche ist der Bestand in Schleswig-Holstein nach Anlagen der Deutschen Windguard deutschlandweit am größten (3.661 Anlagen, 6.967 MW). In sechs Bundesländern wurden im ersten Halbjahr gar keine neuen Windanlagen errichtet - darunter die Stadtstaaten Hamburg (1. Halbjahr 2018: 2) und Bremen (1. Halbjahr 2018: 0). Insgesamt sind in den küstennahen Bundesländern im Norden derzeit 41 Prozent der gesamten Leistung installiert, die Onshore-Anlagen in Deutschland liefern.

Natur- und Artenschutz Hauptklagegrund

"Genehmigungsstau und Klageflut belasten die Branche", sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), Hermann Albers. Zudem würden die Länder nicht genügend Fläche zur Verfügung stellen. Albers forderte die Politik zu einem Windenergie-Gipfel auf. Nach einer Analyse der Fachagentur Wind an Land werden derzeit in Deutschland mehr als 300 Windenergieanlagen mit 1000 MW Leistung beklagt. Der Natur- und Artenschutz ist mit weitem Abstand der Hauptklagegrund gegen neue Windräder.

Mehr Zubau im zweiten Halbjahr erwartet

Der Verband BWE erwartet zwar im zweiten Halbjahr mehr neue Anlagen als in der ersten Jahreshälfte. Er schraubte aber seine Prognose für das Gesamtjahr herunter, auf einen Bruttozubau von rund 1.500 Megawatt (MW). In den Jahren 2014 bis 2017 lag der jährliche Zubau laut Branchenangaben noch bei durchschnittlich 4.600 MW. Windenergie an Land ist die wichtigste Quelle unter den erneuerbaren Energien, die zuletzt fast 40 Prozent des Strombedarfs in Deutschland deckten. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil bei 65 Prozent liegen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 25.07.2019 | 14:15 Uhr

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