Stand: 25.09.2017 10:18 Uhr

Bundestagswahl: Die Sieger und Verlierer in SH

Auch die Schleswig-Holsteiner haben die Parteien der Großen Koalition bei der Bundestagswahl am Sonntag abgestraft: Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis verloren CDU und SPD zusammen mehr als 13 Prozentpunkte im Land - im Vergleich zum Landesergebnis der Bundestagswahl vor vier Jahren. Demnach kommt die CDU in Schleswig-Holstein auf 34,0 Prozent (-5,2 Prozent), die SPD auf 23,3 Prozent (-8,2), die Linke auf 7,3 Prozent (+2,1), Grüne auf 12,0 Prozent (+2,6), die FDP auf 12,6 Prozent (+7,0) und die AfD auf 8,2 Prozent (+3,6). Im Vergleich zu den bundesweiten Zahlen fällt vor allem auf, dass die AfD im Norden deutlich schwächer ist und sowohl FDP als auch Grüne deutlich besser abschneiden.

Schleswig-Holsteins Abgeordnete für Berlin

Überraschung in Lübeck: CDU holt Direktmandat

Die CDU gewann in diesem Jahr zehn Direktmandate in den elf Wahlkreisen. 2013 holten ihre Kandidaten neun Sitze. Nur im Wahlkreis 5 - Kiel holte Mathias Stein das Mandat für die Sozialdemokraten. In Lübeck gab es eine Überraschung. In der traditionellen SPD-Stadt lag Claudia Schmidtke von der CDU vorne. Zuletzt hatten die Christdemokraten 1965 den Wahlkreis direkt gewinnen können.

Politikwissenschaftler: "Riesige Schlappe für die SPD"

Bundesweit erhielten CDU und CSU nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 33,0 Prozent der Stimmen. Die Union bleibt trotz ihres Verlustes von mehr als acht Prozentpunkten die stärkste politische Fraktion. Die SPD fuhr ihr schwächstes Bundestagswahlergebnis in der Geschichte ein und erreichte 20,5 Prozent - 5,2 Punkte weniger als 2013. Die AfD zieht erstmals in den Bundestag ein - mit 12,6 Prozent. 2013 war sie noch an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Das galt damals auch für die FDP - sie kommt mit 10,7 Prozent der Stimmen zurück ins Parlament, vor den Linken (9,2 Prozent) und den Grünen (8,9 Prozent). "Für die SPD ist das eine riesige Schlappe. Bei der CDU, auch das muss man sagen, ist das ein Schlag ins Kontor. Das wird Debatten eröffnen", sagte Politikwissenschaftler Wilhelm Knelangen von der Christian-Albrechts-Universität Kiel zu NDR 1 Welle Nord.

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Günther: "Kann Ergebnis nicht schönreden"

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Stegner: "Wir sind jetzt Opposition"

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Schleswig-Holstein Magazin
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Reaktionen von der Linken und der AfD

24.09.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin

Günther spricht von großer Herausforderung durch AfD

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sieht einen klaren Regierungsauftrag für die Union. "Gegen uns ist keine Regierungsbildung möglich", sagte Günther. Angela Merkel bleibe Bundeskanzlerin und könne "ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen und das ist gut so". Das Abschneiden der AfD stelle alle demokratischen Parteien vor große Herausforderungen. "Es ist bedauerlich, dass wir im Wahlkampf mehr über Vergangenheit geredet haben statt über Zukunftsthemen zu streiten."

SPD: Wählerauftrag lautet Opposition

Bei der SPD gab es im Landeshaus in Kiel enttäuschte Gesichter nach den ersten Zahlen. Die Sozialdemokraten wollten mit ihrem Spitzenkandidaten Martin Schulz und mit dem Thema Soziale Gerechtigkeit punkten. Das scheint nicht geklappt zu haben. Es sei eine dramatische Wahlniederlage. Der Wählerauftrag bedeute ganz klar, in die Opposition zu gehen, sagte Serpil Midyatli, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im schleswig-holsteinischen Landtag.  

AfD-Landesvorsitzende zufrieden

Schleswig-Holsteins AfD-Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein hatte den Einzug der AfD in den Bundestag mit einem zweistelligen Ergebnis nach eigenen Angaben erwartet. "Ich bin zufrieden", sagte sie. Eigentlich habe sie sogar auf ein noch höheres Ergebnis gehofft. Die Rolle der AfD im Bundestag sieht Sayn-Wittgenstein klar in der Opposition: "So kann man besser den Finger in die Wunde legen."

Ergebnisse aus den Wahlkreisen im Norden

Grüne: "Schönes Ergebnis"

In der Landesgeschäftsstelle der Grünen in Kiel freuten sich die Parteimitglieder über das Ergebnis, so auch Konstantin von Notz. "Das ist ein schönes Ergebnis für uns. Wir haben aber auch Wahlziele verfehlt, denn wir wären gerne drittstärkste Kraft geworden", sagte der Bundestagsabgeordnete zu NDR 1 Welle Nord. Aber es sei das zweitbeste Ergebnis der Geschichte. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg war über das Abschneiden der AfD schockiert: "Das ist ein niederschmetterndes Ergebnis."

Kubicki: Für Jamaika müsste Habeck nach Berlin

Bleibt die SPD bei ihrer klaren Absage an eine Fortsetzung der Großen Koalition im Bund, gibt es nach dem vorläufigen Ergebnis nur noch eine Möglichkeit für ein Regierungsbündnis - eine "Jamaika"-Koalition aus Union, Grünen und FDP. FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki ist skeptisch: "Ich kann Ihnen sicher sagen, 'Jamaika' auf Bundesebene wird lange, lange, lange verhandeln müssen", sagte er im Schleswig-Holstein Magazin. Es gebe andere Voraussetzungen als in Schleswig-Holstein. "Wenn es vernünftig werden soll, müssen die Grünen Robert Habeck nach Berlin holen, sonst sehe ich große Schwierigkeiten, dass das etwas werden kann."

Auch Ministerpräsident Günther sieht die Kollegen in Berlin auf einem steinigen Weg: "Auf Bundesebene sind die Hürden zwischen den Parteien größer." Ähnlich äußerten sich Umweltminister Robert Habeck von den Grünen und FDP-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz.

Fast 2,3 Millionen Wähler in Schleswig-Holstein

Etwa 2,26 Millionen Menschen hatten allein in Schleswig-Holstein ihre Stimme abgeben dürfen - bundesweit waren es 61,5 Millionen. Die Wahlbeteiligung im Land lag laut vorläufigem Ergebnis bei 76,5 Prozent. Vor vier Jahren hatten 73,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, 2009 waren es 73,6 Prozent.

CDU 2013 stärkste Kraft im Land

Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die CDU auf Landesebene 39,2 Prozent erzielt. Die SPD kam auf 31,6 und die Grünen kamen auf 9,4 Prozent. Die FDP schaffte in Schleswig-Holstein 5,6 Prozent, die Linke lag bei 5,2 Prozent. Die AfD holte 4,6 Prozent.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 25.09.2017 | 08:00 Uhr

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