Stand: 12.09.2017 22:10 Uhr

Alice Weidel und Alexander Gauland im Porträt

von Dagmar Pepping, NDR Hauptstadt-Korrespondentin
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Seite an Seite im Wahlkampf? Die AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland sind nicht immer einer Meinung.

Alice Weidel und Alexander Gauland kamen sich im Wahlkampf nicht oft ins Gehege. Und das, obwohl die beiden Spitzenkandidaten der AfD unterschiedlicher nicht sein könnten, zumindest auf den ersten Blick. Die promovierte Volkswirtin Alice Weidel aus Baden-Württemberg lebt mit einer aus Sri Lanka stammenden Schweizerin in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft - die beiden haben zwei Kinder. Vor dem Eintritt in die AfD war die Unternehmensberaterin parteilos.

Der promovierte Jurist Alexander Gauland - AfD-Fraktionschef im Brandenburger Landtag - trat nach 40 Jahren in der CDU 2013 in die neugegründete AfD ein. Die CDU war dem ehemaligen Zeitungsherausgeber ("Märkische Allgemeine") nicht mehr konservativ genug.

Unterschiedliche Auffassungen

Sie stehe für den "freiheitlich-konservativen Arm der AfD", sagt Weidel, während Gauland "zweifelsohne eher konservativ aufgestellt" sei. Weidel ist Spitzenkandidatin von Gaulands Gnaden. Der Partei-Vize gilt als der Strippenzieher und Machttaktiker in der AfD. Gauland holte das politisch eher unerfahrene Vorstandsmitglied Weidel auf dem Parteitag in Köln an seine Seite, um AfD-Chefin Frauke Petry als alleinige Spitzenkandidatin zu verhindern. Kritiker sagen, Weidel diene als wirtschaftsliberales Feigenblatt für den national-konservativen Trend unter Gauland und dessen Freund Björn Höcke (Landes-und Fraktionschef in Thüringen).

Weidel hat im AfD-Vorstand für das Parteiausschlussverfahren gegen den AfD-Rechtsausleger gestimmt, Gauland dagegen. Höcke "sei ein Teil der Seele der Partei", begründet Gauland seine Unterstützung für Höcke. Trotz unterschiedlicher Auffassungen in manchen Dingen könnten Weidel und er gemeinsam arbeiten. "Das verbindet uns", so Gauland.

Gauland provoziert, Weidel distanziert sich nicht klar

Der AfD-Spitzenkandidat setzt gerne auf Provokationen und Tabubrüche, um seiner Partei Aufmerksamkeit zu sichern. Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng wollte er nicht zum Nachbarn haben, zuletzt sorgte die Äußerung Gaulands für Aufregung, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), "in Anatolien zu entsorgen".

Weidel bezeichnet die Wortwahl als "Geschmackssache", die sie "nicht so wählen" würde. Eine klare Distanzierung bleibt Fehlanzeige. Schließlich wollte Weidel in ihrer Rede auf dem Kölner Parteitag "die politische Korrektheit auf dem Müllhaufen der Geschichte" entsorgen.

AfD bei der Wahl drittstärkste Kraft?

Während Weidel nicht nur gegenüber Medienvertretern schnell scharf werden kann, spricht Alexander Gauland stets im selben getragenen Tonfall. Das subjektive Recht auf Asyl in Deutschland bezeichnet er dann als "Überkompensation unserer schwierigen Vergangenheit" zwischen 1933 und 1945.

Seine Co-Spitzenkandidatin sagt für den 24. September voraus, dass die AfD drittstärkste Kraft im Bundestag wird. Gauland hat den Machtanspruch des Duos für den Fraktionsvorsitz der AfD bereits deutlich gemacht. Beide wollten zusammen weitermachen, betont der einflussreiche Strippenzieher. Parteichefin Frauke Petry, die ebenfalls für den Bundestag kandidiert, wird das mit Interesse hören.

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