Stand: 24.04.2019 19:00 Uhr

Zigarettenkippen am Strand: Debatte um Rauchverbot

von Sonja Puhl, NDR.de
Bild vergrößern
Das Gift aus Zigarettenfiltern, die am Strand zurückgelassen werden, kann auch in die Meere gelangen.

Zigarettenfilter sind an den norddeutschen Stränden ein großes Ärgernis. So landen die Reste vom Rauchen auf Platz zwei der häufigsten Müllfunde an der Ostsee - und sie sind dazu noch besonders tückisch: "Grundsätzlich wäre es angebracht, das Rauchen an Stränden zu verbieten", fordert Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein im Gespräch mit NDR.de. Giftstoffe in der Natur zu verteilen, sei verboten - und Zigarettenfilter stecken voller Gift: Denn sie halten Teile des Nikotins und deren Abbauprodukte beim Rauchen zurück. Diese Gifte stehen in Verdacht, massive Umweltschäden zu verursachen.

NABU-Sprecher: Raucherzonen bringen nichts

"Deshalb sind Zigarettenkippen am Strand doppelt gefährlich: Das Material verrottet extrem langsam und die Kippen voller Gift gelangen bedingt durch Gezeiten und Wind ins Meerwasser", warnt der NABU-Sprecher. Von Raucherzonen oder dem Verteilen von Aschenbechern am Strand hält er wenig: Durch das Abfallrecht sei das Wegwerfen von Zigarettenkippen de facto jetzt schon verboten. "Doch die Erfahrung zeigt, dass das Verbot meist nicht eingehalten wird, zumal Kontrollen schwierig sind."

Bild vergrößern
Ingo Ludwichowski findet, dass man am Strand nicht rauchen sollte.

Die Durchführbarkeit von Kontrollen dürfte allerdings auch bei einem generellen Rauchverbot ein Problem sein. An vielen norddeutschen Stränden begnügt man sich bislang bestenfalls mit raucherfreien Zonen und setzt im Übrigen auf Einsicht und Freiwilligkeit.

Babystrand von Butjadingen: "Komplett zigarettenfrei"

Das gilt auch für den nach Angabe des Tourismus-Service Butjadingen "ersten Babystrand Deutschlands". "Dort ist ein Strandabschnitt geschaffen worden, der komplett zigarettenfrei ist", sagt Marketing-Assistent Patrik Poelmeyer. Direkte Nichtraucher-Strandabschnitte für alle Besucher gebe es nicht. Allerdings sei an allen Spielplätzen der jeweiligen Strände das Rauchen untersagt. Gerade für kleine Kinder ist die Gefahr groß, dass sie Zigarettenkippen aus dem Sand klauben und sie sich in den Mund stecken.

Nichtraucher-Strände auf Norderney und Langeoog

Ein ausgewiesener Nichtraucher-Strand ist seit 2011 der Weststrand auf der Ostfriesischen Insel Norderney. Der Bürgerdienst der Stadt sowie die Korbvermieter und Strandkapitäne kontrollieren, ob das Rauchverbot eingehalten wird. Der Bürgerdienst kann auch Bußgelder verhängen. Auf Langeoog sei der Sportstrand ein Nichtraucher-Strand.

Bild vergrößern
Auf Baltrum werden Strandaschenbecher gegen eine Spende ausgegeben.

An vielen anderen niedersächsischen Stränden "ist ein Rauchverbot bisher kein Thema", schätzt Renate Rebmann vom Tourismus Marketing Niedersachsen die Lage ein. Fast überall gebe es an den Stränden Strand-Aschenbecher - entweder kostenlos oder für wenige Euro -, um Asche und Kippen entsorgen zu können.

Nichtraucher-Zonen an Stränden auf Föhr

An den meisten schleswig-holsteinischen Stränden sind nach Informationen von Manuela Schütze von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein keine Nichtraucher-Zonen ausgewiesen. Nur auf der Insel Föhr gibt es drei Strandabschnitte, wo das Rauchen nicht erlaubt ist: an Teilen des Strandes von Wyk und von Utersum.

Da ansonsten das Rauchen fast überall erlaubt sei, seien in den meisten Orten bei der jeweiligen Tourist-Information oder den Strandkorbvermietern kostenlos Strand-Aschenbecher zu erhalten. So bestelle die Tourismus-Agentur Lübecker Bucht jährlich knapp 30.000 davon für Scharbeutz, Sierksdorf und Neustadt in Holstein. Betreute Strände würden regelmäßig von ihren Kommunen gereinigt. Hinzu kämen Müllsammel-Aktionen.

 

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Soll an Stränden ein Rauchverbot gelten?

Rauchen unerwünscht in Warnemünde und in Göhren auf Rügen

Im Raum Rostock gibt es nach Informationen von NDR 1 Radio MV kein Rauchverbot am Strand, aber man denke darüber nach. Immerhin gebe es seit 2012 Strandabschnitte, auf denen das Rauchen unerwünscht ist: in Warnemünde beim Hotel Neptun an einem Spielstrand, zwischen Hohe Düne und Markgrafenheide sowie in Göhren auf Rügen.

An den übrigen Stränden würden Strand-Aschenbecher verteilt. Auch die Küstenschutzorganisation EUCC stellt in und um Rostock sogenannte Ostsee-Ascher zu Saisonbeginn auf. Diese würden alle zwei Wochen entleert. Auf Rügen gibt es vom Strandkorbverleiher voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder den Göhrener Strand-Aschenbecher. "Wir haben 2008 eine Umfrage gemacht, bei der viele gesagt haben: 'Ihr seid doch familienfreundlich, tut was!' Herausgekommen sind die beiden rauchfreien Strandbereiche", sagte der Göhrener Kurdirektor Jörg Fenske zu NDR 1 Radio MV. Das Rauchverbot werde allerdings nicht kontrolliert. Über weitere Rauchverbote werde auch für andere Strände in Mecklenburg-Vorpommern nachgedacht, etwa auf der Insel Poel. Doch das sei aus Personalmangel nicht durchsetzbar.

Weitere Informationen

Plastik im Meer: Ein Kampf in kleinen Schritten

Tonne um Tonne Plastik gelangt in die Meere. Viele Gruppen kämpfen dagegen an, immer mehr Städte, die Bundesländer, die EU. Doch der Weg zum effektiven Meeresschutz ist weit. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Frühaufsteher | 24.04.2019 | 07:12 Uhr

Mehr Nachrichten

03:02
NDR//Aktuell
03:06
Hamburg Journal