Stand: 19.07.2019 16:23 Uhr

Zahl der Kirchenaustritte im Norden gestiegen

Die großen Kirchen in Norddeutschland haben 2018 erneut viele Tausend Mitglieder durch Austritte verloren. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg gab es jeweils mehr Austritte als im Jahr zuvor. Das geht aus Zahlen hervor, welche die evangelischen und katholischen Kirchen am Freitag veröffentlichten. Damit setzt sich ein länger anhaltender Trend fort.

Manfred Nielen, der Sprecher des katholischen Erzbistums Hamburg, nannte im Gespräch mit NDR 1 Radio MV die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie einen Auslöser für die gestiegene Zahl der Austritte. "Wir versuchen da gegenzusteuern, indem wir sehr stark auf Prävention und auf Aufarbeitung setzen. Und ich bin zuversichtlich, dass sich das auf Dauer auch bemerkbar machen wird", so Nielen. Die Ergebnisse der von der katholischen Kirche in Auftrag gegebenen Studie waren im vergangenen September publiziert worden und hatten die Debatte um das Thema erneut entfacht.

Niedersachsen: Noch 2,53 Millionen Protestanten

25.996 Menschen kehrten 2018 der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers den Rücken (2017: 23.255). Die Zahlen von 20.996 Taufen und 3.809 Eintritten sind rückläufig, wie das Kirchenamt in Hannover mitteilte. Landesweit gibt es nach Berücksichtigung von Sterbefällen und allen anderen Faktoren noch 2,53 Millionen Gläubige - ein Rückgang um 1,86 Prozent. Selbst wenn die Landeskirche kleiner werde, sie werde weiterhin "lebendig und kraftvoll die christliche Botschaft verkündigen", sagte die Präsidentin des Landeskirchenamtes, Stephanie Springer.

Niedersachsens katholische Kirche verlor durch Austritte 11.360 Mitglieder (2017: 8.891). Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer betonte, die meisten Menschen träfen ihre Entscheidung, aus der Kirche auszutreten, nicht von jetzt auf gleich. Oft sei es ein längerer Prozess, an dessen Ende erst der Austritt stehe. "Wir können also daraus lernen", sagte er. Die Zahlen seien nicht schön, aber sie entmutigten ihn nicht.

Nordkirche will das Gespräch suchen

Die evangelisch-lutherische Nordkirche umfasst Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Länderübergreifend musste sie 2018 insgesamt 27.834 Austritte verkraften, ein Plus von mehr als 2.000 gegenüber dem Vorjahr. "Wir leben in einer Zeit des Wandels und großer Herausforderungen", sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Es sei für viele Menschen nicht mehr verständlich, "wofür der christliche Glaube steht". Aufgabe der Kirche sei es deshalb, intensiver das Gespräch zu suchen. Dazu werde die Nordkirche verstärkt neue und kreative Möglichkeiten der Kommunikation nutzen - auch in digitalen Formaten.

15.717 Menschen traten in Schleswig-Holstein aus, auch hier verschärfte sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr, 2017 verließen 14.868 Mitglieder die Kirche. In Hamburg verlor die Nordkirche im vergangenen Jahr austrittsbedingt 9.868 ihrer "Schäfchen" (2017: 8.767).

Im katholischen Erzbistum Hamburg, zu dem auch Schleswig-Holstein gehört, gab es im vergangenen Jahr 7.014 Austritte (2017: 5.501).

Nordosten: 6.000 Protestanten weniger, Zahl der Katholiken stabil

In Mecklenburg-Vorpommern verließen die Nordkirche nach deren Angaben 2.232 Protestanten (2017: 2.035). Somit hatte die Nordkirche zum Stichtag 31. Dezember noch 237.266 Mitglieder im Nordosten - 6.000 weniger als ein Jahr zuvor.

Wie die Katholische Kirche mitteilte, hatte sie 2018 in Mecklenburg-Vorpommern 55.219 Mitglieder. Sie registrierte 637 Austritte, 89 mehr als im Vorjahr. Dennoch verzeichnete sie in der Gesamtzahl sogar einen Zuwachs um 22 Menschen - wohl vor allem durch Zugezogene.

 

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 19.07.2019 | 19:30 Uhr

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