Stand: 10.10.2018 10:50 Uhr

Wozu braucht die Welt eine eigene Bank?

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Von Washington aus steuert die Weltbank ihre internationalen Geschäfte.

Die Weltbank besteht seit mehr als 70 Jahren. Sie wurde am 27.12.1944 auf der Währungs- und Finanzkonferenz der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen in Bretton-Woods (USA) zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds gegründet. Wie der IWF ist sie eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen.

Hauptsitz der Weltbankgruppe ist Washington. Darüber hinaus gibt es rund 120 Länderbüros. Rund 20.000 Menschen arbeiten für die Weltbank. 188 Länder sind aktuell Anteilseigner. Das sind fast alle Länder der Welt, mit Ausnahme von Kuba und Nordkorea.

Kampf gegen Armut als Hauptaufgabe

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand die Aufgabe der Weltbank zunächst darin, den Wiederaufbau des kriegszerstörten Europa voranzutreiben. Außerdem sollte sie gemeinsam mit dem IWF dafür sorgen, dass sich stabile Währungen entwickeln und bestehen bleiben. Der Fokus der Aufgaben liegt seit den frühen 1960er-Jahren darauf, gegen die Armut auf der Welt anzugehen. So sollen in Entwicklungs- und Schwellenländern die Wirtschaft aufgebaut und Unternehmen gefördert werden. Die Weltbank finanziert nicht nur Entwicklungsvorhaben - etwa über zinsgünstige Darlehen mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. Ihr Anspruch ist es auch, mit Fachwissen zum Erreichen der Entwicklungsziele beizutragen. Dabei erachtet die Weltbank Nachhaltigkeit und Klimaschutz als besonders wichtig.

Die Weltbankgruppe ist aufgegliedert in fünf Organisationen:

  • IBRD

    Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung hatte nach dem Zweiten Weltkrieg das Ziel, devisenarmen und nicht ausreichend kreditwürdigen Ländern Kapital zu beschaffen. Inzwischen ist ihre Hauptaufgabe, die wirtschaftliche Entwicklung in Ländern mit mittlerem Einkommen und in kreditwürdigen armen Ländern zu fördern. Dazu gibt sie Anleihen auf den Finanzmärtken aus und vergibt Kredite zu marktähnlichen Konditionen.

  • IDA

    Die Internationale Entwicklungsorganisation hat an sich die gleiche Zielsetzung wie die IBRD, gewährt ihre Kredite aber zu weitaus günstigeren Bedingungen - zum Teil auch zinslos - an die insgesamt etwa 80 ärmsten Länder der Welt. Seit 2002 vergibt die IDA neben langfristigen Krediten auch verstärkt Zuschüsse.

  • IFC

    Die Internationale Finanz-Corporation fördert die Privatwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dazu bietet sie Darlehen, Kapitalbeteiligungen und andere Finanzierungsprodukte zu kommerziellen Bedingungen an. Zudem steht sie für Beratungen zur Verfügung, wenn es gilt, den privaten Sektor zu fördern. Bei der der Erarbeitung und Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards in der Zusammenarbeit mit dem Privatsektor nimmt die IFC international eine führende Rolle ein.

  • MIGA

    Die Multilaterale Investitions-Garantie Agentur fördert ausländische Direktinvestitionen in Entwicklungsländern durch Garantien zur Absicherung von "nichtkommerziellen Risiken". Damit sind zum Beispiel Transferbeschränkungen, Vertragsbruch, Krieg, Unruhen oder Enteignung gemeint. Die MIGA bietet außerdem Dienstleistungen im Bereich technische Hilfe und Investitionsberatung an. Diese haben das Ziel, Aktivitäten der Investitionsförderung zu unterstützen, Informationen im Internet zu verbreiten und die Kapazitäten in den Entwicklungsländern zu stärken.

  • ICSID

    Das Internationale Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten schlichtet Investitionsstreitigkeiten zwischen Regierungen und ausländischen Investoren. Außerdem übernimmt das ICSID im Zusammenhang mit den gesetzlichen Bestimmungen für Auslandsinvestitionen auch Beratungsdienste, Forschungs- und Publikationsaufgaben.
    (Quelle: Weltbank)

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Kredite gegen Auflagen

Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) am 11.10.1962 bei seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag in Bonn. © dpa Foto: Kurt Rohwedder

Weltbank und IWF

NDR Info ZeitZeichen

Weltbank und IWF werden 1944 gegründet, um vor allem das zerstörte Europa mit Krediten wieder aufzubauen. Deutschland tritt 1952 bei.

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Die Weltbank gilt eigenen Angaben zufolge als der wichtigste Geldgeber für Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit. Um Kredite zu erhalten, müssen die Empfängerländer immer bestimmte Auflagen erfüllen. Das weltweite Engagement der Weltbank spiegelt sich in der Vielzahl ihrer Projekte wider. So werden zum Beispiel sogenannte Mikrokredite in Bosnien und Herzegowina vergeben, die Schulbildung für Mädchen in Bangladesch und Gesundheitsprojekte in Mexiko gefördert sowie ein Programm zum Wiederaufbau nach einem Erdbeben in Indien realisiert.

Kritik an Projekten

Die Kredite unterliegen strengen Sozial- und Umweltstandards. Sie gelten als die höchsten der Welt. Trägt ein Projekt das "Weltbank-Gütesiegel“, steigen oft auch andere Partner und Finanziers mit ein. Die Kehrseite: Immer wieder verstößt die Weltbank gegen eigene Regeln, um noch mehr Geld zu verteilen und noch höhere Renditen zu erzielen. Die Umwelt wird in vielen Fällen zerstört, Menschen werden krank oder vertrieben. Zuletzt war ein Finanzierungsprojekt in Äthiopien in die Kritik geraten, weil dafür Menschen unter Zwang umgesiedelt wurden.

Präsident fürs Tagesgeschäft zuständig

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Jim Yong Kim ist seit 2012 Präsident der Weltbank.

Das oberste Entscheidungsgremium der Weltbankgruppe ist der Gouverneursrat, in den jedes Mitglied einen Gouverneur und einen Stellvertreter entsendet. Bei Abstimmungen hängt das Stimmgewicht eines Landes von der Höhe seiner Beteiligung am Kapital der Bank ab. Das Tagesgeschäft der Weltbank wird durch ihren Präsidenten - seit 2012 Jim Yong Kim - und ein 24-köpfiges Exekutivdirektorium abgewickelt. Bei Abstimmungen hängt das Stimmgewicht eines Landes davon ab, wie sehr es am Kapital der Bank beteiligt ist. Die Industrieländer USA, Japan, China, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Großbritannien, Saudi-Arabien und Russland haben die größten Stimmanteile.

Nicht alle Länder mit Stimmanteilen zufrieden

Und genau da gibt es seit Langem Ärger: Einige Länder sind mit ihrer Rolle in der Weltbank unzufrieden und fühlen sich nicht ausreichend repräsentiert. 2010 wurden zwar einige Reformen umgesetzt, aber der Einfluss des Westens - vor allem der USA - ist weiterhin groß. Inzwischen deuten sich Veränderungen an: Viele EU-Länder leiden unter der Schuldenkrise und benötigen Finanzhilfen. China oder Indien hingegen haben Milliarden-Reserven, die sie aber nicht ohne Gegenleistung zur Verfügung stellen wollen.

Die Rolle Deutschlands

Deutschland trat Weltbank und IWF 1952 bei, nahm aber nie einen Weltbank-Kredit in Anspruch. Die Deutschen sind viertgrößter Anteilseigner der Weltbank (nach den USA, Japan und China) und einer der größten "Entwicklungsakteure". Federführendes Ressort in der Bundesregierung ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Es definiert Deutschlands Anliegen wie folgt: "Bereitstellung globaler öffentlicher Güter (darunter Ernährungssicherheit, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, Umwelt, Sicherheit und Finanzmarktstabilität), Kooperation mit dem Privatsektor und Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Transformation der Weltbank zur Wissens- und Lösungsbank" (Bericht zum Geschäftsjahr 2015). Die Weltbank ist auch für deutsche Unternehmen interessanter Wirtschaftspartner. So laufen jedes Jahr Ausschreibungsverfahren, bei denen die Firmen ihre Technologien und Expertisen vorstellen und auf Aufträge hoffen können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 10.10.2018 | 06:20 Uhr

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