Stand: 11.03.2019 13:37 Uhr

Ungewissheit prägt die Brexit-Vorbereitungen

von Jennifer Lange, NDR Info

Kommt es zum Brexit am 29. März - oder werden die Pläne noch einmal durcheinander gewirbelt? Im Moment scheint alles möglich. Bereits seit Monaten rüsten sich auch viele Unternehmen in Norddeutschland für den Tag des Austritts Großbritanniens aus der EU - und die möglichen Folgen von diesem Schritt. NDR Info hat unter anderem in Hamburg bei einem Kaffeeproduzenten und in Niedersachsen bei einem Gewürzhersteller nachgefragt.

Bild vergrößern
Arnd Liedtke berichtet, dass es für das Unternehmen Tchibo schwierig sei, mit den Unwägbarkeiten des Brexit-Prozesses zu planen.

Bei Tchibo in der Packhalle duftet es nach gerösteten Kaffeebohnen. "Hier auf der Linie läuft heute ein Produkt, was auch nach England geliefert wird: Cafe Crema, 500 Gramm", sagt Unternehmenssprecher Arnd Liedtke. Versiegelte Kaffee-Beutel flitzen über ein Laufband, landen in großen braunen Pappkartons, bereit für ihre Reise nach England.

"Wir bereiten uns seit einiger Zeit auf alle Eventualitäten vor, zum Beispiel und zuallererst, indem wir die Bestände erhöhen. Das geht nur bis zu einem bestimmten Punkt, denn Kaffee muss frisch sein", sagt Liedtke.

Das Vereinigte Königreich als wichtiger Absatzmarkt

Hotels, Cafes, Büros - das sind die Tchibo-Kunden im Vereinigten Königreich - ein wichtiger Markt, wie der Sprecher sagt: "Wir haben in England selber eine Rösterei, die den englischen Markt versorgt. Wir haben aber auch hier in Hamburg einen nicht geringen Teil in unserer Rösterei. Wir produzieren jährlich über Tausend Tonnen für den englischen Markt hier aus Hamburg." Das sind umgerechnet zwei Millionen der Kaffeebeutel auf dem Fließband.

Puzzlestücke mit britischem und europäischem Flaggensymbol. © Fotolia.com Foto: Pixelbliss

Welche Folgen hätte ein "harter Brexit"?

NDR Info - Wirtschaft -

Am 29. März - so der noch gültige Plan - verlässt Großbritannien die Europäische Union. Doch sicher ist das nicht. Die ungewisse Situation macht es schwierig, die Folgen abzuschätzen.

5 bei 1 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Sorgen um Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis

Für die Fuchs-Gruppe aus Dissen im niedersächsischen Landkreis Osnabrück ist England ebenfalls ein wichtiger Markt - sie produziert Gewürze, hat Ende 2017 den zweitgrößten Gewürzhersteller Großbritanniens übernommen. Geschäftsführer Nils Meyer-Pries sorgt sich nun vor allem um die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis seiner Mitarbeiter: "Sehr viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben keine britische Staatsangehörigkeit. Die unterstützen wir natürlich in ihrer gefühlten Unsicherheit und bei den Schritten, die jetzt für die Personen möglich sind."

Der britische Markt sei der drittgrößte Gewürzmarkt Europas, erklärt Meyer-Pries. Ein ungeregelter Brexit sei da sehr schlecht fürs Geschäft: "Wir investieren im Moment in die Lieferfähigkeit für den Fall, dass wirklich Grenzen geschlossen werden. Das heißt wir müssen in Vorräte investieren."

Britische Fahne - Blick durch eine vom Regen nasse Scheibe © dpa Foto: Wolfgang Kumm

Unternehmen bereiten sich auf den Brexit vor

NDR Info - Aktuell -

In London stehen diese Woche mehrere Abstimmungen zum Brexit auf dem Programm. Die anhaltende Unsicherheit ist für norddeutsche Unternehmen eine große Belastung.

5 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Lange Lkw-Staus an den Grenzen?

Tausende Unternehmen im Norden haben derzeit ähnliche Probleme. So stockt auch der Nivea-Hersteller Beiersdorf aus Hamburg seine Lagerbestände auf. Sogar eine eigene Task Force wurde eingerichtet, um sich auf den Austritt Großbritanniens aus der EU vorzubereiten.

Das Unternehmen Kampmann aus Lingen bereitet sich vor allem auf die neuen Zölle vor. Die Verantwortlichen vermuten, dass es zu langen Staus an den Grenzen kommen wird, da jeder Lkw einzeln abgefertigt werden muss - eine neue bürokratische Herausforderung. Das Familienunternehmen produziert seit 35 Jahren Lüftungen, Heizungen und Kühlsysteme für den britischen Markt.

Das Hin und Her erschwert die Planungen

Bild vergrößern
Viele Unternehmen produzieren vor, um ihre Lagerbestände aufzufüllen. Niemand weiß genau, wie es nach dem möglichen Brexit weitergeht.

Der Autobauer BMW sieht die mögliche Verschiebung des Brexits besonders kritisch. Die jährliche Wartung in den vier britischen Werken ist extra von Juli auf April vorgezogen worden. Durch die Produktionspause in den Wochen nach dem vermutlichen Brexit will BMW möglichen Lieferverzögerungen aus dem Weg gehen. Sollte der Brexit verschoben werden, würde dieser Plan nicht aufgehen. Eine solche Verschiebung könnte bereits diese Woche stattfinden.

Bei Tchibo teilt man den Ärger über das Hin und Her. "Für die Planer ist das ein echter Graus. Insofern kann man nur sozusagen von Tag zu Tag auf Sicht fahren und versuchen mit den Problemen umzugehen. Aber natürlich ist das ärgerlich. Klar", sagt Unternehmenssprecher Liedtke. Vieles sei einfach noch völlig ungeklärt. Man müsse flexibel bleiben und abwarten. So lange rattern bei Tchibo in Hamburg die Bänder weiter für den britischen Markt.

Weitere Informationen

Vor dem Brexit: Vom Hamstern und Hoffen

Während aktuell über die Verschiebung des Brexits diskutiert wird, sind viele Firmen vorbereitet. So füllt Stiebel Eltron in Großbritannien eine Halle mit Vorräten fürs ganze Jahr. mehr

Brexit-Hotline trifft den "Nerv der Zeit"

Der Brexit wirft Fragen auf: Die entsprechende Hotline des Landes Niedersachsen zählte in nur einer Woche 165 Anrufe. Man habe den "Nerv der Zeit" getroffen, findet Ministerin Honé. mehr

NDR Info

Schottische Sorgen

10.03.2019 13:30 Uhr
NDR Info

Die Schotten hatten sich mit klarer Mehrheit gegen den Brexit ausgesprochen. Nun blicken sie besorgt auf das, was gerade passiert. Ein Bericht im "Echo der Welt" auf NDR Info. mehr

NDR Info

Der Brexit oder: Eine unendliche Geschichte

25.02.2019 18:30 Uhr
NDR Info

Ende März soll laut Plan der Austritt Großbritanniens aus der EU vollzogen werden. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass es anders kommen könnte. Thomas Spickhofen kommentiert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 11.03.2019 | 06:38 Uhr

Mehr Nachrichten

02:34
Hallo Niedersachsen
01:41
NDR//Aktuell
03:56
NDR//Aktuell