Stand: 08.06.2016 10:53 Uhr

Wie entsteht eigentlich ein Tornado?

Tornados kennt man vor allem aus den USA - doch auch bei uns tritt dieses Wetterphänomen immer wieder auf. Einer Definition des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zufolge ist ein Tornado eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine mehr oder weniger senkrecht orientierte Achse rotiert und sich unter einer Wolke befindet. Dabei ist ein Tornado nichts anderes als eine Wind- oder Wasserhose.

Die Zutaten: Wärme, aufsteigende Luft und eine Windscherung

Tornados können immer dann entstehen, wenn starke Temperaturgegensätze herrschen und Luft aufsteigt beziehungsweise gehoben wird - etwa, wenn sich Gewitterwolken über einer Schicht aufgeheizter Luft bilden. Beim Tornado in Hamburg im Juni 2016 kamen dem Meteorologen Frank Abel von Meteogroup zufolge drei Faktoren zusammen: Feuchte, energiereiche Luft wurde weit in die Höhe transportiert. Dazu kam eine Winddrehung und Windänderung in der Höhe, eine sogenannte Windscherung. In der Folge geriet die aufsteigende Luft in eine Rotation, die sich mit dem sogenannten Pirouetteneffekt immer weiter verstärkte. Der sogenannte Aufwindschlauch bei einem Tornado kann einen Durchmesser bis über einen Kilometer und Windgeschwindigkeiten von mehreren Hundert Kilometern pro Stunde erreichen.

Oft, aber nicht immer gehen Tornados mit Starkregen und Hagel zusammen. Sie treten meist im Umfeld von Gewittern mit kräftigen Schauern auf oder im Bereich von sogenannten Superzellen - langlebigen Gewittern mit rotierendem Aufwind. Die Stärke von Tornados wird anhand der sogenannten Fujita-Skala (F-Scale) festgelegt und umfasst 13 Stufen, von F0 bis F12, wobei Stärken ab F6 aufwärts nur theoretische Stärken sind.

Die Fujita-Skala

Die Fujita-Skala wurde 1971 vom Sturmforscher Ted Fujita entwickelt. Sie dient der Schadensklassifikation für Starkwinderscheinungen wie Tornados und Fallwinde (Downbursts). Je nach Windgeschwindigkeit wird der Wirbelsturm von F0 (leicht) bis F5 (verheerend) eingestuft. Die Skala reicht theoretisch bis F12, was einer Windgeschwindigkeit von mehr als 1.000 Kilometern pro Stunde entspricht. Doch die maximale bisher gemessene Geschwindigkeit eines Tornados liegt bei 510 Kilometern pro Stunde (F5).

Im Schnitt 70 Tornados pro Jahr in Deutschland

In den USA kommen Tornados dem DWD zufolge häufig im sogenannten Tornado-Alley im Mittleren Westen vor. Trocken-kalte Luft aus dem Norden trifft dann mit feucht-warmer Luft aus der Region des Golfs von Mexiko zusammen. In Mitteleuropa sind solch extreme Luftmassenunterschiede seltener - weswegen es auch seltener zu Tornados kommt. Im Schnitt gebe es 70 bestätigte Tornados pro Jahr in Deutschland, sagt Abel. "An dieser Zahl ändert sich auch nichts" - wenn auch die Zahlen pro Jahr stark schwanken würden. Konkrete Vorwarnungen seien schwierig. So würden die Meteorolgen zwar Wetterlagen erkennen, in denen Tornados entstehen können. Wo genau diese sich bilden, sei aber im Vorfeld nicht zu sagen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 11.07.2017 | 17:00 Uhr

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