Stand: 12.09.2018 17:16 Uhr

Bei den Kastanien im Norden ist schon Herbst

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Wenn die Miniermotte Rosskastanien befällt, dann sehen die Bäume schon im Spätsommer sehr herbstlich aus - so sie denn überhaupt noch Blätter haben.

Das kühl-regnerische Wetter in dieser Woche zeigt sich herbstlich - auch der Blick auf viele Kastanienbäume bestätigt den Eindruck, dass der Sommer nun endgültig vorbei ist. "Die zu erkennenden Blattschäden bei den Rosskastanien lassen die Baumkronen bereits seit August braun erscheinen", sagte Jan Dube von der Hamburger Umweltbehörde NDR.de. Schuld an dem wie in den Vorjahren sehr frühen Blätterverlust ist die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella).

"In mehreren Generationen pro Jahr fressen sich deren Larven durch die Blätter, die dabei in Teilen oder komplett absterben", sagt Dube. Nach kurzer Anlaufzeit Anfang der 2000er-Jahre habe sich der Schädling vom Balkan kommend flächendeckend ausgebreitet, so auch in der Hansestadt.

Trockenheit lässt Blätter noch schneller welken

Die lange Trockenperiode im Rekord-Sommer habe vorgeschädigte Blätter noch früher welken und braun werden lassen. In Einzelfällen könne es jedoch auch sein, dass Kastanien in diesem Jahr etwas länger Blätter tragen als im Vorjahr. Die Trockenheit könnte in solchen Fällen die Verbreitung der Miniermotte eingeschränkt haben. Ihr zerstörerisches Werk falle somit erst später auf.

Miniermotten schaden den Bäumen nicht nachhaltig

"Mehr als ein optischer Schaden ist das nicht", sagte Holger Ringel. Dem Baumexperten vom Naturschutzbund in Mecklenburg-Vorpommern zufolge schwäche die Motte zwar die Bäume, führe aber nicht zu deren Absterben. Allerdings könnten die Kastanien durch den frühzeitigen Blattabwurf weniger Speicherstoffe produzieren und für den Winter einlagern.

Damit gefährde die Motte die Gesundheit der Bäume und mache sie anfälliger für Pilze und Bakterien, sagt der Leiter der Landeswaldschutzmeldestelle in Mecklenburg-Vorpommern, Mathis Jansen.

Bakterien und Pilze lassen Kastanien sterben

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Damit Kastanienbäume erhalten bleiben, müssen sie Resistenzen gegen die Parasiten ausbilden.

Und hier kommt der weitaus gefährlichere Parasit ins Spiel: ein Bakterium der Gattung Pseudomonas. Die sogenannte Kastanien-Komplexerkrankung zeige andere Krankheitsbilder als der Miniermotten-Befall, auch wenn durchaus Teile der Baumkronen absterben können, sagt Dube. Befällt das Bakterium die Bäume, sind viele davon nicht mehr zu retten. Denn der Erreger befördert einen drastischen Pilzbefall, der die Bäume von innen heraus morsch werden lässt.

Hoffen auf Resistenzen

In Hamburg sind laut Dube derzeit rund 600 und damit etwa zehn Prozent der Rosskastanien, die im Straßenbaumkataster erfasst sind, vom Bakterien- und Pilzbefall betroffen. Gefällt würden aber nur solche Bäume, die verkehrsgefährdend seien, wenn also große Äste oder der ganze Baum abzubrechen drohten. In den vergangenen Jahren seien so 350 Straßenbäume gefällt worden. Denn erfolgversprechende Gegenmaßnahmen seien noch nicht bekannt.

"Wir hoffen, dass einzelne Exemplare die Krankheit überstehen und wir so auch mögliche Resistenzen erkennen können. Bekannt ist dazu aber noch nichts", sagt Dube. Zudem hoffe man auf resistente Sortenzüchtungen aus den Baumschulen oder aus Forschungseinrichtungen.

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Und manche Kastanie blüht einfach noch mal

Neben Kastanien mit braunen oder gar keinen Blättern mehr gibt es derzeit aber auch ein botanisches Kuriosum zu beobachten: Blühende Rosskastanien mit frischen grünen Blättern sorgen derzeit in verschiedenen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns für Verwunderung, etwa in Rothemühl und Kummerow in der Mecklenburgischen Seenplatte. Die Bäume, die ihr braunes Laub schon abgeworfen haben, treiben neu aus, tragen ihre weißen Blütenkerzen und gleichzeitig Früchte.

Waldschützer Jansen erklärt diese "Notblüte" als eine Reaktion stark geschädigter Rosskastanien. Nach einer mitunter vollständigen Entlaubung zum Spätsommer oder Frühherbst versuche die Kastanie, zum zweiten Mal im Jahr auszutreiben und zu blühen. "Diese Reaktion kostet den Baum jedoch zusätzliche Reservestoffe", sagt Jansen. Es sei fraglich, ob die Rosskastanien im nächsten Frühjahr nochmals austreiben würden.

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