Stand: 15.01.2019 17:43 Uhr

Warnstreik: Leere Flughäfen statt Chaos

Der Warnstreik beim Sicherheitspersonal der Flughäfen hat am Dienstag auch viele Fluggäste im Norden getroffen. Am Hamburg Airport waren bereits im Vorfeld fast zwei Drittel der geplanten Abflüge gestrichen worden. Bis zum Dienstagnachmittag kamen noch einige hinzu, sodass 205 von 357 ursprünglich geplanten Flügen annulliert wurden, wie der Flughafen mitteilte. Der eingeschränkte Flugplan habe jedoch abgewickelt werden können, sagte eine Sprecherin. "Die Lage in den Terminals 1 und 2 sowie den Sicherheitskontrollen ist ruhig und entspannt", fügte sie hinzu. Informationen zu den Ankunfts- und Abflugzeiten auf den norddeutschen Flughäfen gibt es im NDR Videotext ab Seite 700.

Viele Reisende kommen erst gar nicht

Viele Reisende hätten wegen der Vorankündigung des Ausstands noch umplanen können und seien gar nicht zum Flughafen gekommen. In den Terminals war es daher ungewohnt leer. Es seien stets mehrere Kontrollspuren in der zentralen Sicherheitskontrolle geöffnet gewesen. Ursprünglich sollten mehr als 20.000 Passagiere abgefertigt werden.

Mit Beginn der Frühschicht seien rund 100 Sicherheitsbedienstete in den Ausstand getreten, sagte Peter Bremme von ver.di Hamburg. Im Laufe des Tages sollten sich nach seinen Angaben rund 90 Prozent der Mitarbeiter am Warnstreik beteiligen. Insgesamt arbeiten laut Bremme mehr als 1.000 Menschen im Sicherheitsbereich. "Die Aktion ist gut angelaufen und wir können damit ein Zeichen setzen." Die Streikenden versammelten sich in einem Zelt auf dem Parkplatz vor dem Flughafen. Am Mittag demonstrierten 300 von ihnen für eine kräftige Lohnerhöhung.

Hannover: Manche Flüge nach Paderborn verlegt

Videos
04:39
Hallo Niedersachsen

Streik in Hannover: Viele Flüge gestrichen

Hallo Niedersachsen

Durch den Warnstreik des Sicherheitspersonals am Flughafen Hannover fallen rund ein Drittel der Flüge aus. Die Streikenden fordern einen einheitlichen Lohn von 20 Euro pro Stunde. Video (04:39 min)

Auch am Flughafen Hannover legten mehr als 150 Sicherheitsbedienstete die Arbeit nieder. "Wir sind hochzufrieden mit der Streikbeteiligung", sagte ver.di-Landesfachbereichsleiterin Ute Gottschaar. Zu Chaos kam es auch am Hannover Airport nicht. "Alle sind sehr geduldig", sagte die Sprecherin des Flughafens Hannover-Langenhagen, Anika Studders. "Es ist für unsere Passagiere aber ärgerlich." Gut ein Drittel der 119 Abflüge und Ankünfte wurden gestrichen. Von den Arbeitsniederlegungen waren Studders zufolge etwa 10.000 Fluggäste betroffen.

Die Fluggesellschaft Tuifly hatte vorsorglich vier Abflüge aus Hannover-Langenhagen an den Flughafen Paderborn-Lippstadt verlegt. Reisebusse brachten die betroffenen Passagiere der Flüge nach Hurghada, Agadir, Funchal und Teneriffa nach Paderborn.

Bremen: Laut ver.di halbe Belegschaft im Ausstand

Auch am Flughafen Bremen trat das Sicherheitspersonal ab Mitternacht wie geplant in den Ausstand. "Hier sind rund 30 Mitarbeiter beteiligt. Das entspricht in etwa einer halben Schicht", sagte Herbert Behrens von der Gewerkschaft ver.di am Vormittag. Insgesamt rechne er mit rund 60 Menschen, die im Laufe des Tages an der Aktion teilnehmen. 31 von 58 Verbindungen wurden abgesagt.

Weitere Informationen

Flugausfälle und Verspätungen - was nun?

Immer wieder kommt es zu Flugausfällen und Verspätungen für Reisende. Wann darf man sein Ticket stornieren? Was passiert bei einem Streik, was bei einer Insolvenz? Ein Überblick über die Rechte. mehr

Gewerkschaft fordert "faire Bezahlung"

Im laufenden Tarifkonflikt fordert ver.di für bundesweit 23.000 Beschäftigte an den Sicherheitskontrollen der Flughäfen eine einheitliche Bezahlung von 20 Euro pro Stunde. Die Arbeitgeber lehnen das als zu hoch ab, sie bieten derzeit zwischen 2 und 6,4 Prozent Erhöhung pro Jahr. Bisher sind die Stundenlöhne in der Branche regional sehr unterschiedlich geregelt. In Niedersachsen und Bremen erhalten die Passagier-Kontrolleure laut ver.di-Fachfrau Gottschaar bisher 17 Euro, die Kontrolleure von Personal und Fracht 15,50 Euro.

"Uns liegt immer noch kein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeberseite vor. Also müssen wir den Druck erhöhen, damit endlich etwas passiert", teilte Verhandlungsführer Bremme von ver.di Hamburg mit. "Sicherheit beim Fliegen ist allen Menschen wichtig. Wer dafür sorgt, sollte für diese verantwortungsvolle und schwierige Arbeit auch fair bezahlt werden." Gerade vor dem Hintergrund immer weiter steigender Passagierzahlen am Hamburger Flughafen und den Ausbauplänen sei eine deutliche Erhöhung des Stundenlohns mehr als verdient, so Bremme.

Luftsicherheitsunternehmen: "Absurde Forderungen"

Der Flughafenverband AVD rechnet damit, dass deutschlandweit mindestens 220.000 Passagiere von dem Ausstand betroffen sein könnten. "Es ist unverantwortlich von ver.di, die Streiks bis zum Exzess auszudehnen", teilte der Verband mit. Die Deutsche Luftverkehrswirtschaft und die Flughäfen warfen der Gewerkschaftsseite Rücksichtslosigkeit zulasten der Passagiere vor. Der Verhandlungsführer des Bundesverbandes der Luftsicherheitsunternehmen, Rainer Friebertshäuser, sagte, die Forderungen der Gewerkschaft, alleine in Hamburg die Löhne um bis zu 40,85 Prozent anzuheben, seien absurd und wirtschaftlich nicht umsetzbar.

Nächste Verhandlung am 23. Januar

Beide Seiten wollen am 23. Januar weiter verhandeln. Vier bisherige Tarifrunden waren ergebnislos geblieben. Warnstreiks der Gewerkschaft ver.di hatten in der vergangenen Woche bereits indirekt Auswirkungen auf den Flugverkehr im Norden. Weil in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart Beschäftigte der Sicherheitskontrolle am Donnerstag ganztägig die Arbeit niederlegten, wurden Flüge gestrichen. In Hamburg fielen fast 50 Verbindungen aus.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 15.01.2019 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten

04:12
NDR//Aktuell
01:38
NDR//Aktuell