Stand: 25.05.2016 16:31 Uhr

Vermisste Kinder - Zentrale Suchstelle fehlt

von Sonja Puhl, NDR.de
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Wenn ein Kind vermisst wird, muss schnell gehandelt werden.

Ein Kind verschwindet - der Alptraum jeder Eltern. In Norddeutschland sind aktuell über 1.100 Kinder und Jugendliche verschwunden. In 99 Prozent der Fälle tauchen sie innerhalb kurzer Zeit wieder wohlbehalten auf, so der Weiße Ring, Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Doch einige wenige bleiben verschwunden, manche werden Opfer eines Verbrechens. Ihnen ist der heutige Tag des vermissten Kindes gewidmet.

"Wir kommen oft zu spät, um das Leben des Kindes zu retten."

"Wir hinken mit der Öffentlichkeitsfahndung in Deutschland absolut hinterher", beklagt Lars Bruhns, Vorstand der bundesweiten Initiative Vermisste Kinder mit Sitz in Hamburg, im Interview mit NDR.de. In Deutschland fehle ein zentrales Alarmsystem, eine spezialisierte Polizeieinheit, die sich schnell um die Akutfälle kümmere. Das Zeitfenster, in dem man ein vermisstes Kind, dessen Leben bedroht ist, retten kann, betrage oft nur wenige Stunden.

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Lars Bruhns arbeitet seit 19 Jahren für die Initiative Vermisste Kinder.

Die Initiative Vermisste Kinder versucht seit 1997 - inzwischen vor allem mit der Veröffentlichung von Vermisstenmeldungen in sozialen Netzwerken -, die Öffentlichkeit zu informieren, will helfen, Zeugen und im Idealfall das vermisste Kind zu finden. Viel umfassender könnte - und sollte es nach Meinung von Lars Bruhns - von staatlicher Seite aus passieren: "Wir kommen oft zu spät, um das Leben des Kindes zu retten."

Die kostenfreie Telefonhotline 116000 können besorgte Eltern anrufen, sie nimmt aber auch Hinweise zum Verbleib vermisster Kinder entgegen.

Zentrale Vermisstensuchstelle fehlt in Deutschland

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Bei der Suche nach vermissten Kindern spielen soziale Medien eine wichtige Rolle.

"Die Erfahrung hat gezeigt, dass in einem Akutfall unmittelbar nach dem Verschwinden des Kindes alle Kanäle genutzt werden müssten, auf denen man die Fahndung öffentlich machen kann. Das umfasst alle digitalen Kanäle, alle Medien sowie direkte Einbindung in soziale Netzwerke durch eine automatische Alarmierung an alle Nutzer, die in der betroffenen Region wohnen oder sich dort gerade aufhalten", sagt Bruhns. "Man wird in den sozialen Netzwerken mit ungefilterten Vermisstenmeldungen bombardiert. Wenn der Kanal von einer zentralen Polizeieinheit mit entsprechender Kompetenz bespielt werden würde, wäre man auf der sicheren Seite."

In vielen europäischen Ländern gäbe es solche Kompetenzzentren schon, die auch beispielsweise mit Facebook zusammenarbeiten würden. Die Polizei würde die eingehenden Fälle nach Gefahrenlage kategorisieren, sodass die Öffentlichkeit auch nicht mit unnützen Vermisstenmeldungen überschwemmt würde. "In Polen gibt es eine solche Zentrale seit einigen Jahren. Ein Alarm wurde meines Wissens bisher nur ein Mal ausgelöst", berichtet Bruhns. "Man erhöht nachweislich die Chance, ein vermisstes Kind lebendig aufzufinden. Das sollte es uns wert sein."

 

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 16.09.2014 | 18:00 Uhr

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