Stand: 21.09.2018 12:40 Uhr

Verkehrskontrollen: Mehr als 2.100 "Handysünder"

von Sonja Puhl, NDR.de

Überall im Norden hat die Polizei am Donnerstag kontrolliert, ob sich Verkehrsteilnehmer an das Handyverbot halten. Bundesweit waren mehr als 10.000 Beamte bei Aktionen im Einsatz, allein in Niedersachsen 800. Sie sollten nicht nur kontrollieren, sondern auch aufklären. Insgesamt wurden in Norddeutschland mehr als 2.100 "Handysünder" erwischt: In Niedersachsen waren es mehr als 1.100, in Mecklenburg-Vorpommern 163 und in Hamburg 494. In Schleswig-Holstein registrierte die Polizei laut NDR 1 Welle Nord 400 Autofahrer, die am Steuer telefonierten.

Zwei Polizisten

Groß angelegte Verkehrssicherheitsaktion

Hamburg Journal -

An 27 Orten in der ganzen Stadt haben mehr als 400 Polizisten kontrolliert, ob und wie abgelenkt in Hamburg Auto gefahren wird. Das Hauptziel der Großkontrolle: Unfälle zu reduzieren.

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Ablenkung im Straßenverkehr birgt tödliche Gefahr

"Aus meiner Erfahrung ist das Handy der Killer Nummer eins", sagte ein Sprecher der Polizei Göttingen am Donnerstag. Oft genug gebe es bei Unfällen weder Brems- noch Schleuderspuren, dafür liege aber ein Handy im Fußraum des Autos. "Ob durch das Handy am Steuer, auf dem Fahrrad oder als Fußgänger mit Kopfhörern auf den Ohren - durch Ablenkung im Straßenverkehr bringt man sich und andere in tödliche Gefahr", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) anlässlich der ersten länderübergreifenden Aktion unter dem Motto "sicher.mobil.leben" - und bringt es damit auf den Punkt.

Fahrradfahrern droht Bußgeld

Dass es verboten ist, beim Fahren eines Autos ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren oder aufs Handy zu gucken, und dass das mit Bußgeld und Punkten in Flensburg geahndet wird, dürfte hinlänglich bekannt sein. Doch auch Fahrradfahrern droht ein Bußgeld in Höhe von 55 Euro, wenn sie beim Fahren mit dem Handy in der Hand erwischt werden.

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Das Gucken aufs Handys stellt eine große Gefahr im Straßenverkehr dar - auch für Fahrradfahrer.

Dabei hilft es auch nicht, sich damit herauszureden, man habe das Smartphone beispielsweise nur zum Fotografieren draußen gehabt. "Ob nicht doch telefoniert wurde, lässt sich dann schwer überprüfen und allemal ist nur eine Hand am Lenker," betonte Evi Theodoridou von der Polizeipressestelle Hamburg im Gespräch mit NDR.de. Sicher und aufmerksam fahren - das sollte gewährleistet sein. Deshalb ist es auch riskant, mit Musik und Kopfhörer Fahrrad zu fahren. Kommt es dann zu einem Unfall, werde genau überprüft, ob dieser ohne die Ablenkung hätte vermieden werden können, sagte die Polizeisprecherin. In Zukunft würden in Zweifelsfällen auch Handys von Unfallbeteiligten sichergestellt und dahingehend untersucht, ob während des Unfalls das Handy genutzt wurde.

Selbst Fußgänger müssen mit Konsequenzen rechnen

"Fußgängern ist die Handynutzung zwar nicht verboten, aber wenn sie in einen Unfall verwickelt werden, wird bei der Verkehrsunfallaufnahme ermittelt, ob das Handy oder das Hören von lauter Musik verantwortlich oder sogar ursächlich dafür gewesen sein könnte", so Theodoridou. Das könnte auch vor Gericht relevant sein, etwa, weil Versicherer dem Handynutzer dann eine Teilschuld geben könnten.

Abgelenktsein spielt auch vor Gericht eine Rolle

In Neubrandenburg beschäftigt genau so ein Fall gerade das Landgericht. Dort kommt ein Auto-Raser, der einen Fußgänger überfahren hatte, möglicherweise mit einer Bewährungsstrafe davon, weil der Fußgänger Kopfhörer trug und so das Hupen des Autofahrers nicht hörte. Der 33-Jährige starb noch an der Unfallstelle. Und auch in Hamburg kam vor knapp einem Jahr ein junger Mann ums Leben, weil er beim Überqueren einer Straße das Martinshorn eines Notarztwagens überhörte. Auch er trug Kopfhörer.

Bei mehr als der Hälfte der Unfälle sind Fahrer abgelenkt

Zahlen zur Unfallursache Handy liegen der Polizei bislang nicht vor, da Ablenkung noch nicht gesondert aufgelistet werde, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Verkehrsministeriums. Forscher schätzen: Bei mehr als 50 Prozent aller Verkehrsunfälle sind die Fahrer abgelenkt. Das Land Niedersachsen lässt derzeit in einer Studie unter anderem die Gefahr von Handys als Unfall-Auslöser untersuchen. Der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, ist sich jetzt schon sicher: "Das Problem Handy am Steuer wird eher schlimmer." Besonders gefährlich sei das Texten: Keine andere Beschäftigung nehme so viel von unserem Blickfeld und unseren Gedanken ein.

Impressionen vom Videodreh zur N-JOY Aktion "Kopf hoch. Das Handy kann warten" mit Linda Zervakis. © NDR Foto: Philipp Szyza

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 20.09.2018 | 13:00 Uhr

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