Stand: 24.08.2018 14:43 Uhr

Usutu-Virus: Viele Tausend Amseln sterben

von Sonja Puhl, NDR.de
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Hauptsächlich Amseln erkranken durch das Usutu-Virus.

"Komplette Straßenzüge in Hamburg liegen voll mit toten Amseln. Das ist extrem auffällig", berichtet Dr. Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg im Gespräch mit NDR.de. In das Institut wurden in diesem Jahr bislang rund 300 tote Vögel eingeschickt, knapp die Hälfte haben Lühken und seine Kollegen bereits untersucht. In insgesamt 43 Vogelkadavern, hauptsächlich Amseln, fanden die Spezialisten das Usutu-Virus. Die meisten dieser Fälle, nämlich zwölf, stammen aus Hamburg, wo Forscher den durch Stechmücken übertragenen tropischen Erreger damit erstmals nachgewiesen haben. In Niedersachsen fanden sich in diesem Jahr bislang zwei Fälle und in Schleswig-Holstein zwei. Aus Mecklenburg-Vorpommern ist bislang noch kein Fall bekannt.

Die meisten Fälle im Norden diesmal in Hamburg

"Das bedeutet nicht, dass es überproportional viele Vogeltodesfälle aufgrund des Usutu-Virus in Hamburg gibt oder dass Vogel- oder Mückendichte in Hamburg besonders hoch wären", erklärt Lühken. Es leben in der Großstadt nur mehr Menschen, weshalb die Meldedichte höher sei, vermutet der Usutu-Experte. Tropenmediziner und Naturschutzbund (NABU) bitten die Bevölkerung, kranke oder verendete Vögel unter www.nabu.de/usutu-melden zu melden und möglichst zur Untersuchung einzusenden. Tote Vögel sollten nur mit Schutzhandschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte angefasst werden, damit man sich nicht mit Bakterien und Keimen ansteckt. Menschen könnten sich nur über Stechmücken mit dem Usutu-Virus infizieren, klärt Lühken auf. In sehr seltenen Fällen kann es dann zu neurologischen Symptomen wie einer Hirnhautentzündung kommen.

Warmer Sommer hat Anstieg an Infektionen begünstigt

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Das Usutu-Virus kommt aus den Tropen und wird durch Stechmücken übertragen.

Bundesweit wurden dem NABU bisher rund 1.500 Verdachtsfälle gemeldet - deutlich mehr als in den Vorjahren. Viele Tausend Vögel werden bundesweit in diesem Jahr an dem Virus sterben, so die Prognose. Infizierte Vögel wirken apathisch, flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage. "Die anhaltend hohen Temperaturen dürften den hohen Anstieg an Infektionen im Norden begünstigt haben", ist sich Tropenmediziner Lühken sicher. Auch hätte die Usutu-Saison zwei Wochen früher begonnen als sonst, gegen Ende September laufe sie aus. Stechmücken würden zugrunde gehen, wenn es kühler wird. Allerdings zirkuliert das Virus nun schon im achten Jahr in Deutschland. "Es muss also ein Reservoir geben", sagt Lühken, "etwa in Fledermäusen oder in Stechmückenweibchen, die geschützt überwintern, und das Virus an ihre Larven weitergeben."

Vögel sind nicht zu retten - können aber Antikörper entwickeln

Es gibt kein Gegenmittel gegen das Usutu-Virus und auch keinen Impfstoff. Infizierte Vögel sterben entweder oder aber entwickeln Antikörper. Es sei stets so, dass es in einer Region eine Epidemie gebe, der Vogelbestand werde dort stark reduziert, viele Wirte würden sterben, viele überlebende seien dann aber immun und im kommenden Jahr sei alles wieder normal, erklärt Usutu-Experte Lühken: "Es ist wahrscheinlich ein einmaliges Ereignis, die Leute sind verständlicherweise betroffen wegen der vielen toten Vögel, aber das muss man hinnehmen."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.08.2018 | 18:30 Uhr

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