Stand: 06.12.2018 17:00 Uhr

Unwürdiges Hickhack um den Digitalpakt

In Berlin steht der Entschluss fest: Der Bund will fünf Milliarden Euro in die digitale Grundausstattung der Schulen stecken. Doch bei diesem Digitalpakt fürchten die Länder, dass der Bund mit der Grundgesetzänderung einen Fuß in die Tür stellt, um auch bei der Bildungspolitik mitzubestimmen. Lässt sich die festgefahrene Situation lösen?

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Durch den Streit zwischen Bund und Länder geht wertvolle Zeit verloren, die eigentlich den Schülern gehören sollte, meint Korinna Hennig.

Es ist wirklich zum Weinen: Nachdem die Politik sich jahrelang vor dem Problem "Lehrermangel" weggeduckt hat, wird nun die nächste große Bildungsbaustelle durch schuldhaftes Verschleppen heftig beschädigt. Und das, obwohl Bildung doch eines der prestigeträchtigsten Wahlkampfthemen ist.

So viele Fragen bleiben offen: Wie konnte das passieren? Warum haben die Verhandlungen für ein Projekt, das seit zwei Jahren auf dem Tisch liegt, überhaupt so spät begonnen? Wie kann es sein, dass in letzter Minute Formulierungen ihren Weg in eine Vorlage finden, von denen absehbar war, dass sie auf Widerstand stoßen? Wer hat das da rein geschrieben? Wozu gibt es überhaupt Parteien, wenn der Bundespolitiker Eckardt Rehberg offenbar nicht wirklich mit seinem Kieler CDU-Kollegen Daniel Günther redet - oder der Sozialdemokrat Olaf Scholz mit seinem Parteigenossen Stephan Weil aus Hannover?

Ministerin Karin Prien im Landeshaus Kiel bei einer Sitzung im Plenarsaal. © rtn - radio tele nord / Picture Alliance Foto: Ute Strait

Digitalpakt: Prien kritisiert den Bund

NDR Info - Aktuell -

Bund und Länder haben sich beim Thema Digitalpakt ineinander verbissen. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Prien warf dem Bund auf NDR Info einen unfairen Umgang vor.

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Kopfschütteln über ignorante Bundespolitiker

Eine "fiese Bedingung" nannte der Hamburger Schulsenator Ties Rabe auf Twitter das Vorhaben, den Bundesländern bei zukünftigen gemeinsamen Ausgaben für die Bildung die Hälfte der Kosten abzuverlangen. Warum muss man das so statisch festschreiben, wo doch schon der Digitalpakt zeigt, dass für finanzschwache Kommunen oft mehr Geld vom Bund nötig ist?

Über die Ignoranz der Bundespolitiker kann man nur den Kopf schütteln. Aus anderer Perspektive betrachtet, kommt die Wirkung dieses ganzen Schlamassels einer PR-Kampagne gleich, um den Bildungsföderalismus als überformten Verwaltungsapparat zu entlarven. Ist es mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar, wenn der Bund sichergehen will, dass Zuschüsse für die Bildung auch in der Bildung ankommen?

Skepsis ist angebracht

In jedem Fall ist das Ganze ein Lehrstück der missglückten Politikvermittlung - als hätten Mittelstufenschüler mal ein bisschen Parlament spielen dürfen.

Nun deutet sich eine Lösung an. Ob der vorgeschlagene Weg nun der richtige ist? Da man an der Kommunikationsfähigkeit der Parteipolitiker aus der Erfahrung der vergangenen Tage heraus zweifeln darf, ist Skepsis angebracht. Kann es so einfach sein? Und warum dann nicht gleich so?

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Die Zeit drängt

Das Traurige an dem Gezerre um den Digitalpakt Schule ist, dass die Inhalte mal wieder auf der Strecke bleiben, zumindest für viele, die gerade jetzt eine weiterführende Schule besuchen. Erst wird die Digitalisierung als heilige Kuh durch die Lande getragen, mit deren Hilfe scheinbar alle Bildungsprobleme gelöst werden können: Hauptsache Smartphone oder Tablet, schon lernen alle viel besser. Dabei bleibt guter Unterricht gut und schlechter Unterricht schlecht - egal, ob analog oder digital.

Die Vorteile aber, die digitales Lernen tatsächlich bieten kann, fallen nicht vom Multimedia-Himmel - sie müssen mühsam erarbeitet werden, wenn die Hardware erst mal da ist. Und dafür muss es besser heute als morgen losgehen, damit auch die jetzige Schulgeneration etwas davon hat. 

Engagierte Lehrer zeigen, wie es gehen könnte

Das unwürdige politische Hickhack ist ein Schlag ins Gesicht für all die engagierten Lehrer, die in ihrer Freizeit an Schulclouds basteln, Kollegen motivieren und Beamer reparieren - und schon jetzt viel Energie in die Beantragung von Projektgeldern gesteckt haben, ohne groß bürokratisch nach Zuständigkeiten und Arbeitszeiten zu fragen. Damit sie dann, irgendwann, herausfinden können, wie sie Schülern mit Apps und 3D-Grafiken das Lernen leichter machen können - indem sie schneller und effizienter abfragen, welcher Stoff verstanden wurde oder das individuelle Lerntempo der Schüler berücksichtigen können zum Beispiel.

Vielleicht würden solche Tools auch helfen, das Abstimmungsverhalten der Volksvertreter und Parteipolitiker effizienter zu machen.

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NDR Info | Kommentar | 06.12.2018 | 17:08 Uhr

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