Stand: 13.03.2018 17:07 Uhr

Trump hat Tillerson nie wirklich vertraut

US-Außenminister Rex Tillerson ist entlassen geworden. Präsident Donald Trump sagte zu seiner Entscheidung, er habe einige Meinungsverschiedenheiten mit dem 65-Jährigen gehabt, etwa zum Atomabkommen mit dem Iran: Er habe aus dem Vertrag aussteigen wollen, Tillerson nicht. Neuer US-Außenminister soll der derzeitige CIA-Direktor Mike Pompeo werden. Der Senat muss das noch bestätigen.

Ein Kommentar von Martina Buttler, ARD-Korrespondentin in Washington

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Martina Buttler beobachtet die aus ihrer Sicht "gefährliche Entwicklung", dass es immer weniger US-Regierungsmitglieder gibt, die Präsident Trump widersprechen.

Nun ist er da, der Rexit. Es ist kein Paukenschlag, keine Überraschung. Eigentlich ist die Entlassung von Rex Tillerson nur logisch. Denn dass er auf Trumps Abschussliste stand, war lange bekannt. Die Frage war nur, wann der Außenminister gehen muss. Nun hat er zum Frühstück per Twitter von seiner Entlassung erfahren. Trump hat nicht mit ihm darüber gesprochen.

Da trennen sich die Wege von zwei Männern, die nie wirklich eins waren. Der ehemalige ExxonMobil-Chef war angetreten als einer, den viele gestandene Politiker für den Job empfohlen hatten. Er galt als Gemäßigter, als einer, mit mit dem man reden konnte - gerade auch aus deutscher Sicht.

Keine gemeinsame Wellenlänge

Nur einer hatte mit ihm nie eine Wellenlänge - und das war Donald Trump. Vom Pariser Klimaabkommen bis zum Iran-Deal hatten beide gegensätzliche Ansichten. Tillerson musste manch scharfe Kurve nehmen, um öffentlich die Unstimmigkeiten glatt zu bügeln. Als er vergangenes Jahr Gespräche mit Nordkorea anregte, wurde er von Trump angeschossen: Das sei Zeitverschwendung. Der US-Präsident sei ein Trottel, mit diesen Worten wird Rex Tillerson zitiert. Er hat nicht widersprochen, dass er das gesagt hat.

Trump hat Tillerson nie wirklich vertraut. Daher ist der Schritt nur der logische Vollzug dessen, was sich über ein Jahr zwischen den beiden Männern entwickelt oder eben auch nicht entwickelt hat.

US-Außenministerium gleicht einer Baustelle

Mit Tillerson geht ein schwacher Außenminister. Offiziell war Tillerson einer der mächtigsten Männer in den USA. Faktisch hatte er kaum Macht. Er lässt ein angeschlagenes Außenministerium zurück, das einer Baustelle gleicht. Viele entscheidende Posten sind nicht besetzt. Erfahrene Diplomaten haben im vergangenen Jahr ihren Hut genommen. Und das zu einem Zeitpunkt, wo eigentlich alle Mann an Bord gebraucht werden, um in kürzester Zeit die Gespräche mit dem nordkoreanischen Machthaber vorzubereiten.

Auch die Entscheidung, direkt mit Kim Jong Un zu sprechen, hat Trump allein getroffen - ohne seinen Außenminister. Unter vorhergehenden US-Präsidenten undenkbar. Wer mit Tillerson redete, konnte sich nie sicher sein, ob das gilt, denn es gab in der Rechnung immer die Unbekannte Trump.

Stillos, so wie Trump eben ist

Auch der Stil der Entlassung überrascht nicht mehr. Regierungsmitglieder sollten spätestens jetzt gelernt haben, dass sie besser schon früh morgens den Twitter-Account ihres Chefs genau verfolgen. Sie könnten so von ihrer Entlassung erfahren - so wie Rex Tillerson. Da kann man nur resignierend feststellen: Das ist stillos, aber eben Trump.

Wer widerspricht Trump noch?

Es bekommt einmal mehr ein Mann mit militärischem Background einen wichtigen Posten in der US-Regierung. Mike Pompeo hat einen guten Draht zu Trump, liegt mit ihm inhaltlich, auch in der Ablehnung des Iran-Atomdeals, auf einer Linie. Der US-Präsident vertraut seinem künftigen Außenminister. Das ist eigentlich eine gute Voraussetzung dafür, dass er länger als ein Jahr im Amt überlebt. Zu tun hat er genug.

Die Liste der Gemäßigten, die auch mal Trump widersprechen, wird unterdessen immer kürzer. Ein Präsident ohne kritisches Korrektiv - das ist eine gefährliche Entwicklung.

Tagesschau.de
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US-Personalwechsel: Trump entlässt Tillerson

Wieder ein Wechsel in der US-Regierung: Präsident Trump hat Außenminister Tillerson entlassen. Tillersons Nachfolger steht bereits fest. Mehr zum Thema bei tagesschau.de. extern

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Mike Pompeo - Vom CIA-Chef zum Außenminister

Stramm konservativ, fleißig und auch aggressiv gegenüber Mitarbeitern - so wird der bisherige CIA-Chef Pompeo beschrieben. Mehr zum designierten US-Außenminister bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 13.03.2018 | 18:30 Uhr

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