Stand: 06.09.2017 16:51 Uhr

Trotz hoher Preise: Deutsche essen mehr Fisch

Die Menschen in Deutschland haben im vergangenen Jahr noch mehr Fisch und Meeresfrüchte gegessen als im Jahr zuvor - und sie haben auch noch mehr Geld dafür ausgegeben. Das Informationszentrum der deutschen Fischwirtschaft (FIZ) teilte in Hamburg am Mittwoch mit, dass der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch in Deutschland 2016 von 13,5 auf 14,2 Kilogramm gestiegen sei, weltweit liegt der Wert laut Weltgesundheitsorganisation bei rund 20 Kilogramm. Insgesamt 1,16 Millionen Tonnen wurden hierzulande verzehrt. Die Zahlen seien vorläufig und stammen von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Mehr Geld für weniger Fisch

Der Einzelhandel verkaufte allerdings weniger Fisch und Meeresfrüchte: 412.000 Tonnen statt 420.000 Tonnen im Vorjahr. Trotzdem gaben die Kunden mit 3,8 Milliarden Euro etwas mehr Geld für die Köstlichkeiten aus. Der gestiegene Verbrauch verwundert den Vorsitzenden des FIZ Thomas Lauenroth: Er nannte die Entwicklung erstaunlich angesichts der exorbitanten Preisentwicklung gerade bei Lachs und Nordseekrabben. Generell hätten sich Fisch und Meeresfrüchte im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent verteuert. Das liegt deutlich über der durchschnittlichen Preissteigerung von 0,8 Prozent. Grund für die gestiegenen Preise bei einigen Fischarten sind auch Naturphänomene. Nordseekrabben etwa sind deshalb so teuer geworden, weil sich andere Fische stark vermehrt haben, die die Krabben fressen., berichtete NDR 90,3.

Der Geschäftsführer des FIZ Matthias Keller erklärt es sich so, dass die Verbraucher offenbar zu schätzen wüssten, dass Fisch gesund sei. "Andere finden es einfach schick, Fisch zu essen", sagte Keller weiter.

Greenpeace kritisiert hohen Fischkonsum

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Gar nicht schick findet das die Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Wir essen mehr Fisch, als die Meere langfristig produzieren", kritisierte Meeresbiologe Thilo Maack. "Der beliebte Lachs aus konventioneller Aquakultur bedeutet Massentierhaltung mit allen Konsequenzen: giftige Chemikalien, Tierqual, Umweltverschmutzung." Der Umweltschützer rief zu bewusstem Kaufverhalten auf: "Wir raten Verbrauchern, Fisch als Delikatesse zu betrachten, den man nur zu besonderen Anlässen isst."

Die Empfehlung von FIZ-Geschäftsführer Keller an die Fischliebhaber: mehr von den heimischen Arten aus Nord- und Ostsee essen. Die Bestände von Kabeljau, Seelachs und Scholle hätten sich gut erholt.

Lachs an der Spitze der "Five All Stars"

In der Hitliste der beliebtesten Speisefische liegt trotz des hohen Preises der Lachs mit einem Marktanteil von 19,2 Prozent, gefolgt von Alaska-Seelachs (18,3 Prozent), Hering (17,4 Prozent), Thunfisch (11,5 Prozent) und Forelle (5,3 Prozent).

Verbraucher kaufen Fisch oft beim Discounter

Vom Fisch-Boom profitieren allerdings die Fisch-Fachgeschäfte nicht. Ihr Anteil am Gesamtumsatz ging von 8,9 auf 8,1 Prozent zurück. Wohl auch aus Kostengründen kaufen die meisten Menschen in Deutschland ihren Fisch am liebsten beim Discounter oder in anderen Supermärkten - vor allem als Tiefkühlkost oder Konserve.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.09.2017 | 15:00 Uhr

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