Stand: 02.05.2019 18:28 Uhr

Studie: Kirchen verlieren Hälfte der Mitglieder

Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Nordkirche, will neue Wege gehen, um dem Mitgliederschwund entgegenzutreten.

In Norddeutschland schwindet offenbar der Glaube: Die christlichen Kirchen verlieren konfessionsübergreifend in den nächsten 40 Jahren mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder - und die Hälfte der Einnahmen über die Kirchensteuer. Dies geht aus einer Studie der Universität Freiburg hervor, die die Evangelische Kirche in Deutschland gemeinsam mit der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für die Bundesrepublik in Auftrag gegeben hat. Nordkirche, Hannoversche Landeskirche und die norddeutschen Bistümer sehen darin auch Chancen. Zahlen der orthodoxen sowie der Freikirchen wurden in der Studie nicht berücksichtigt.

Gottesdienstbesucher in einer Kirche beim zuhören der Predigt.

Kirchen: Mitgliederzahlen weiter rückläufig

Hallo Niedersachsen -

Eine von evangelischer und katholischer Kirche gemeinsam in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass sich die Mitgliederzahlen bis zum Jahr 2060 fast halbieren werden.

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Mitgliederzahlen: Demografischer Wandel nicht der Hauptgrund für Rückgang

Die Landeskirche in Hannover, die größte der 20 Landeskirchen Deutschlands, verliert in besagtem Zeitraum rund 52 Prozent ihrer Mitglieder. Laut der Prognose sinken die Mitgliederzahlen von 2,6 Millionen auf 1,2 Millionen Mitglieder. Ähnlich sieht es in der Nordkirche aus, die einen Rückgang von mehr als 1,1 Millionen Mitgliedern auf 855.000 zu verzeichnen haben soll. In den norddeutschen Diözesen Hamburg, Hildesheim und Osnabrück sowie dem Offizialat Oldenburg sollen die Zahlen nicht so rasant sinken. Hier gehen die Wissenschaftler von einem Mitgliederschwund von 1,8 Millionen auf 1,1 Millionen Angehörigen aus. Laut Projektleiter Bernd Raffelhüschen lässt sich weniger als die Hälfte des Rückgangs mit dem demografischen Wandel erklären. Einen größeren Einfluss habe das "Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten von Kirchenmitgliedern".

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Landesbischof Meister: Kirche bleibt "nichtkommerzieller Hauptakteur"

Die Verantwortlichen sehen den Mitgliederschwund als Chance, neue Wege zu gehen. Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, sieht ihren Verantwortungsbereich auf einem guten Weg, neue Menschen zu erreichen. "In Hamburg gibt es zum Beispiel das Modell der Pop-up-Church, wo einige junge Schwestern und Brüder im Pfarramt sagen, wir wollen Kirche mal da aufploppen, sich da ereignen lassen, wo man nicht unbedingt damit rechnet", sagte Kühnbaum-Schmidt. Hannovers Landesbischof Ralf Meister sagte, die Kirche werde auch 2060 einer der "nichtkommerziellen Hauptakteure" bleiben, die sich für den sozialen Zusammenhalt der Menschen einsetzten. "Da sind wir noch in den letzten Dörfern aktiv." Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzender der Bischofskonferenz, sagte: "Wir geraten angesichts der Projektion nicht in Panik, sondern werden unsere Arbeit entsprechend ausrichten."

Kirchensteuer soll konfessionsübergreifend nicht angetastet werden

Einig sind sich alle Kirchen, dass sie an der Kirchensteuer als Finanzierungsinstrument nicht rütteln wollen. Einer ihrer Vorteile sei, dass die so erzielten Einnahmen durch Kirchenparlamente demokratisch kontrolliert würden, sagte die Präsidentin des Landeskirchenamtes, Stephanie Springer. Außerdem sei sie sozial gerecht, da gut verdienende Menschen mehr zahlten als Mitglieder mit wenig Geld. Zusammenschlüsse von Bistümern oder Landeskirchen nach dem Beispiel der Nordkirche seien nicht geplant. 2012 waren die Landeskirchen Hamburgs, Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns zur Evangelisch-Lutherischen Kirche Norddeutschlands fusioniert. Sitz des Landeskirchenamtes ist Kiel, der des Landesbischofs ist Schwerin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.05.2019 | 12:00 Uhr

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