Stand: 28.08.2019 17:27 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Senvion: Verkauf als Ganzes gescheitert

Nach den Betriebsversammlungen beim insolventen Windanlagenhersteller Senvion mit Sitz in Hamburg steht seit Mittwoch fest: Das Unternehmen wird nicht als Ganzes verkauft. "Dadurch drohen hunderte Entlassungen und die Schließung von Standorten", sagte IG Metall Bezirksleiter Meinhard Geiken. Denn unklar ist weiterhin, wie es mit den rund 1.800 Mitarbeitern in ganz Deutschland weitergeht. Für den Standort Bremerhaven steht dagegen schon fest: Er steht vor dem Aus. Für den Turbinen-Bau an diesem Standort hat sich kein Käufer gefunden. Andere Standorte im Norden können dagegen noch auf einen Teilkauf hoffen.

Interesse am Standort Büdelsdorf

Auch die beiden Standorte im Kreis Rendsburg-Eckernförde sind von der Entscheidung betroffen. Wie auf der Mitarbeiterversammlung klar wurde, zeigen die potenziellen Investoren gerade für Büdelsdorf (Wartung) großes Interesse. Schlechter sieht es dagegen für Osterrönfeld (Entwicklung) aus. Mehrere Hundert der rund 800 Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein würden demnach wegfallen, hieß es von der IG Metall gegenüber NDR Schleswig-Holstein.

Standort Bremerhaven vor dem Aus

Bild vergrößern
Für den insolventen Windanlagenhersteller hat sich kein Käufer gefunden, das Unternehmen wird zerschlagen.

Für den Standort Bremerhaven sieht die Lage derweil noch schlechter aus. Auch hier haben am Mittwoch Versammlungen stattgefunden. Demnach steht der Turbinen-Bau in Bremerhaven definitiv vor dem Aus. Gegenwärtig könne der Bereich noch einige Projekte abarbeiten, die der Belegschaft bis Ende des Jahres Beschäftigung geben, teils auch etwas länger. Die Gehaltszahlungen für September und bis zum Abschluss des Verkaufsprozesses seien für die gesamte Belegschaft des Unternehmens gesichert. Ebenfalls im September werden jedoch die ersten Kündigungen ausgesprochen, die zum Jahresende wirksam werden.

Verträge müssen bis zum 10. September unterzeichnet werden

Die Verhandlungen mit möglichen Investoren werden die nächsten zwei Wochen jedoch noch weitergeführt. Doch noch immer bleibt unklar, wie viele der 1.800 Arbeitnehmer in ganz Deutschland ihren Arbeitsplatz verlieren werden. "Wir stehen nun kurz vor einer Lösung für wesentliche Kernbereiche des Unternehmens", sagte Senvion-Vorstandschef Yves Rannou. Für die betroffenen Arbeitnehmer werden Sozialpläne ausgehandelt.

Bis zum 10. September müssen die Verträge mit einem möglichen Käufer abgeschlossen worden sein, da einen Tag später die Gläubiger-Versammlung in Hamburg stattfinden soll. Scheitern die Gespräche mit möglichen Investoren, verlieren alle Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Buchholz: Arbeitsplätze sollen im Land gehalten werden

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) zeigt sich enttäuscht über den Ausgang: "Das ist für die Standorte in Schleswig-Holstein schon durchaus eine bittere Pille." Es bedeute einen nicht unerheblichen Arbeitsplatzverlust, wenn insbesondere das Turbinengeschäft in Osterrönfeld so nicht weitergeführt werden könne, weil sich kein Investor finde. "Darauf haben wir uns aber gemeinsam mit der Arbeitsagentur eingerichtet." Er wolle gemeinsam mit der Geschäftsführung, den Unternehmensverbänden und der IG Metall dazu beitragen, dass so viele Arbeitsplätze mit hoch qualifizierten Fachleuten wie möglich im Land gehalten werden können, sagte Buchholz.

Gewerkschaft pocht auf eine Transfergesellschaft

Gewerkschaftsvertreter pochen darauf, dass die betroffenen Beschäftigten in eine Transfergesellschaft wechseln. Dort könnten sie weiter qualifiziert und anschließend an andere Unternehmen vermittelt werden. Noch steht allerdings keine Transfergesellschaft fest. Die gibt es nach einer Vereinbarung mit Senvion erst, wenn es tatsächlich zu einem Teilverkauf gekommen ist.

Weitere Informationen

Senvions Zukunft: Wirtschaftsausschuss schweigt

21.08.2019 17:00 Uhr

Der Wirtschaftsausschuss im Landtag hat sich mit dem insolventen Windanlagenbauer Senvion beschäftigt. Ergebnisse drangen nicht nach außen. Nach NDR Informationen gibt es potenzielle Investoren. mehr

Senvion-Krise: Wer hat Fehler gemacht?

31.07.2019 12:00 Uhr

Der Windanlagenbauer Senvion steht vor dem Aus. Laut Experten wurden Management-Fehler gemacht. Die CDU glaubt an einen Verkauf, die SPD gibt der Energiepolitik der Jamaika-Koalition die Schuld. mehr

Zukunft von Senvion hängt am seidenen Faden

30.07.2019 12:00 Uhr

Die Gehälter für August für 1.600 Senvion Angestellte sind zwar gesichert, aber die Lage für Senvion bleibt angespannt. Noch ist kein Investor in Sicht - und Entlassungen drohen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.08.2019 | 17:00 Uhr