Stand: 08.02.2017 12:51 Uhr

Auf hoher See zurück in die Gesellschaft

Auf der "Salomon" sollen männliche Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren in ein normales Leben finden.

Die Hochseeschule "Salomon" ist eine sogenannte intensivpädagogische Intervention für männliche Jugendliche von 14 bis 18 Jahren. "Wir haben Jugendliche, die sexuell missbraucht wurden, wir haben Jugendliche, die extreme Gewalt durchleben mussten", sagt Jonathan Reist, Co-Geschäftsführer der Stiftung Jugendschiffe Schweiz, der das Schiff gehört. "Es gibt aber auch viele Jugendliche, die aus Haftvermeidungsgründen zu uns kommen, straffällig wurden - mit Körperverletzung, Diebstahl, Raub, Einbruch, Drogendelikten." Für diese Jugendlichen sei die "Salomon" die Alternative zu einer Haftstrafe. "Wir haben aber auch Jugendliche, die alles verweigern, nicht in die Schule gehen, nur zu Hause sitzen, mit dem Computer zocken und einfach nicht mehr zu motivieren sind."

Hohe Hürden für eine Platzierung

Die Hürden für die "auslandspädagogische Platzierung" sind hoch: Innerhalb Deutschlands muss bereits eine Vielzahl pädagogischer Hilfen, Betreuungs- und Erziehungsmaßnahmen ausgeschöpft und ohne Erfolg gewesen sein, wie Raik Lößnitz von der Haus des Kindes Wildfang GmbH betont. Die Wildfang GmbH mit Sitz im niedersächsischen Bothel ist der deutsche Träger für die "Salomon". Sie ermöglicht eine Intensivbetreuung bis zu einem Jahr auf dem Hochsee-Segelschoner. Jugendämter bundesweit wenden sich an Lößnitz und seine Kollegen, wenn sie mit einem Jugendlichen nicht mehr weiterkommen oder wenn sich dieser in einer Abwärtsspirale befindet, aus der er alleine nicht mehr herausfindet.

Im Programm
DIE REPORTAGE

Segelschiff statt Jugendknast

06.04.2018 21:15 Uhr
DIE REPORTAGE

Das Segelschiff "Salomon" soll straffällig gewordenen Jugendlichen helfen, wieder in ein geregeltes Leben zu finden. Die Reportage hat die Jugendlichen auf einer Fahrt begleitet. mehr

Neustart weit weg von Familie und Freunden

Der Aufenthalt auf dem Schiff soll einen Neustart ermöglichen: Weit weg von den bisherigen Freunden sollen die Jugendlichen auf dem Segelschiff zu sich selbst und zurück in die Gesellschaft finden. Jugendämter, Eltern und bei straffällig gewordenen Jugendlichen auch Staatsanwälte und Richter müssen dem Auslandsaufenthalt zustimmen. Die Kosten für einen Jugendlichen belaufen sich Reist zufolge für ein Jahr auf rund 100.000 Euro. Sie werden von den Jugendämtern beziehungsweise den platzierenden Ämtern getragen.

40 Wochen müssen bestanden werden

Der Aufenthalt an Bord ist für die Jugendlichen, die fast nie freiwillig an Bord sind, keine Erholung. Arbeit, Schule, Segeln und Struktur stehen auf der Tagesordnung. Von Sozialarbeitern und Pädagogen werden sie engmaschig betreut. Jeder der männlichen Jugendlichen muss 40 Wochen "erfüllen". Am Ende einer jeden Woche werden die Jugendlichen in den Bereichen Sozial-, Fach- und Selbstkompetenzen bewertet. Eine Benotung im mittleren Leistungsbereich gilt als "erfüllte Woche". Wird in einer Woche nur eine mangelhafte Leistung erreicht, so gilt diese Woche als "nicht erfüllt" und muss nachgearbeitet werden. Diese strengen Regelungen führen dazu, dass die Jugendlichen oft bis zu einem Jahr an Bord bleiben müssen. Die Erfahrungen mit dem Reiseprojekt seien gut, betont Lößnitz. Viele Jugendliche bemerkten später, wie positiv das Projekt ihre Leben beeinflusst habe.

Update: Betrieb eingestellt

Am 15. November 2017 haben die letzten betreuten Jugendlichen das Segelschiff "Salomon" verlassen und sind in pädagogische Anschlussprojekte gekommen. Das Projekt der Stiftung Jugendschiffe Schweiz und der Haus Wildfang GmbH wurde beendet, da das Geld für nötige Sanierungen am Schiff fehlte.

Jonathan Reist betont, dass die "Salomon" nicht dazu da sei, den Jugendlichen eine schöne Zeit auf Staatskosten zu ermöglichen. "Wir teilen das Leben zusammen. Wir teilen Schmerz und Leid, wir teilen Freude", sagt er. "Wir teilen alles zusammen. Wenn man dann erlebt, was aus den Jungs in kürzester Zeit wird, was die eigentlich alles können, das ist Wahnsinn. Wir können so viel erreichen und das Setting Schiff ist perfekt dafür."

Weitere Informationen

"Zeit auf dem Schiff hat nichts mit Urlaub zu tun"

Jonathan Reist arbeitet mit Jugendlichen, die auf der "Salomon" eine Chance zur Rückkehr in ein geregeltes Leben bekommen. Die Segeltour habe nichts mit Urlaub zu tun, betont er im Interview. mehr

13 Bilder
DIE REPORTAGE

Ein weiter Weg in ein geregeltes Leben

DIE REPORTAGE

Das Segelschiff "Salomon" bietet Platz für 15 männliche Jugendliche. Für einige von ihnen ist der Aufenthalt an Bord die letzte Chance, dem Gefängnis zu entgehen. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

DIE REPORTAGE | 06.04.2018 | 21:15 Uhr

Mehr Nachrichten

02:32
Hamburg Journal

HH: Kinderschutz-Kommission macht 70 Empfehlungen

17.01.2019 19:30 Uhr
Hamburg Journal
01:51
Nordmagazin
02:34
Hallo Niedersachsen

Nordseewerke melden vierte Insolvenz an

17.01.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen