Stand: 11.10.2018 17:00 Uhr

Schwerer Rückschlag für die russische Raumfahrt

Der Fehlstart einer russischen Sojus-Rakete mit anschließender Notlandung in Kasachstan ist für die beiden Raumfahrer an Bord glimpflich ausgegangen. Der Kreml teilte mit, dass beide Astronauten seien unverletzt. Grund war offenbar ein Schaden an einem Triebwerk der Rakete. Die beiden Raumfahrer hätten die Mannschaft der internationalen Raumstation ISS um den deutschen Kommandanten Alexander Gerst verstärken sollen. Russland will nach dem missglückten Start vorerst keine weiteren bemannten Weltraumflüge durchführen. Erst müssten die Gründe für den Fehlstart geklärt werden.

Ein Kommentar Markus Sambale, ARD-Korrespondent in Moskau

Bild vergrößern
Die Raumfahrer müssen sich darauf verlassen können, dass alles getan wird, ihre Missionen so sicher wie möglich zu machen, meint Markus Sambale.

"Natürlich wäre es sicherer, wenn wir - statt ins All zu fliegen - einfach zu Hause bleiben." Das hat Alexander Gerst gesagt - kurz bevor er im Sommer ins Sojus-Raumschiff geklettert ist, um sich mit 26 Millionen PS ins All schießen zu lassen.

Jeder Raumflug birgt ein Risiko; Mensch und Technik werden an ihre Grenzen gebracht. Doch den Planeten zu verlassen aus menschlichem Entdeckergeist, weil es der Medizin, der Klimaforschung und künftigen Flügen zu fernen Planeten dient, das alles habe einen so großen Nutzen, da nehme er das Risiko gern auf sich, sagte Gerst.

Entsetzen und Erleichterung

Sollten wir nach dem Tag zweifeln an der russischen Technik? An der Technik grundsätzlich nicht. Denn das Fazit des Tages lautet: Raketenstart misslungen, Rettungsaktion geglückt. Es schwingt beides mit: Entsetzen darüber, dass die renommierte russische Sojus-Technik versagt hat. Aber auch Erleichterung und etwas Stolz, dass der Plan B reibungslos geklappt hat.

Das Notfallsystem, für das die russische Sojus-Technik geschätzt wird, hat im entscheidenden Moment funktioniert. Die Raumfahrer sind wohlauf. Es ist die beste Nachricht.

Menschliches oder technisches Versagen?

Doch zweifellos ist die Panne beim Raketenstart ein schwerer Rückschlag - für die Raumfahrt in Russland und weltweit. Denn nach dem Stopp des anfälligen amerikanischen Space-Shuttle-Programms, das zwei Katastrophen erlebte, ist die russische Technik die einzige, mit der im Moment Menschen zur Internationalen Raumstation fliegen können.

Die drängendste Frage lautet: Wie kam es zu der Panne? Die Crew trifft sicherlich keine Schuld, sie hatte in dem Moment keinen Einfluss. Aber gab es beim Bau der Rakete oder bei den Start-Vorbereitungen menschliches oder technisches Versagen? Oder gar Pfusch oder Schlamperei?

Missionen müssen so sicher wie möglich sein

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Fehlschläge gegeben - allerdings nur bei unbemannten russischen Weltraum-Missionen. Selbst führende Verantwortliche sprachen deshalb von einer Systemkrise der russischen Raumfahrtbranche, die komplett in staatlicher Hand ist. Es gebe zu wenige Fachkräfte, der Nachwuchs fehle, die Bezahlung sei oft schlecht.

Die Ursache des aktuellen Fehlstarts lässt sich noch nicht beantworten. Hoffentlich klärt die eingesetzte Untersuchungskommission nicht nur gründlich, sondern auch transparent auf. Denn das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der russischen Raumschiffe ist seit einigen Wochen ohnehin etwas angeschlagen. Da war an einem anderen - auf der Raumstation angedockten - Sojus-Raumschiff ein mysteriöses Loch entdeckt worden, dessen Ursache bislang nicht geklärt ist.

Alexander Gerst und alle anderen, die in den Weltraum fliegen, kennen das Risiko - und nehmen es bewusst auf sich. Doch sie müssen sich darauf verlassen können, dass alles getan wird, ihre Missionen so sicher wie möglich zu machen.

Tagesschau.de
Link

Russische Sojus-Astronauten müssen notlanden

Sie wollten zur ISS fliegen, doch es gab eine Panne in ihrer Sojus-Kapsel. Kurz nach dem Start mussten zwei Astronauten in Kasachstan notlanden. Mehr bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 11.10.2018 | 18:30 Uhr

Mehr Nachrichten

03:17
Hallo Niedersachsen

Neue Beweise im Fall der "Göhrde-Morde"?

18.10.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:23
Schleswig-Holstein Magazin

Lkw-Kontrollen im Norden

18.10.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:36
Hallo Niedersachsen

Deichschau an der Elbe: Wie sehen sie aus?

18.10.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen