Stand: 09.12.2018 06:19 Uhr

Schneller, öfter, teurer: Neue Fahrpläne der Bahn

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Die Bahn setzt auf mehreren Strecken im Norden vom Fahrplanwechsel an verstärkt Züge des Modells ICE-T ein.

Am Sonntag ist der neue Fahrplan der Deutschen Bahn in Kraft getreten. In Norddeutschland setzt das Unternehmen künftig vermehrt ICE-Züge statt der teils Jahrzehnte alten IC ein, so etwa auf den Strecken Hamburg-Köln und Stralsund-Karlsruhe. Auf der letztgenannten Verbindung sollen die sogenannten ICE-T-Züge nach Angaben der Bahn zum Beispiel kostenloses WLAN, Ruhebereiche und ein Bordbistro bieten. Durch die höhere Geschwindigkeit solle zudem die Pünktlichkeit verbessert werden.

Lob sowie Kritik von Verbraucherschützern

Verbraucherschützer loben die neuen Verbindungen, kritisieren aber das Preissystem der Bahn. Denn die Tickets werden erneut teurer: für Fahrten im Fernverkehr um 0,9 Prozent. Fahrscheine zum vollen Preis, dem sogenannten Flexpreis, werden im Durchschnitt 1,9 Prozent teurer. Auch für Streckenzeitkarten sowie die Bahncard 100 müssen Pendler in Zukunft im Schnitt 2,9 Prozent mehr zahlen. Die Preiserhöhungen halten die Verbraucherzentralen angesichts "eklatanter Verspätungen" im Fernverkehr für "nicht begründbar".

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Ticketkauf im Zug wird teurer

Auch das Extra-Entgelt für den Kauf eines Tickets im Zug wird kräftig erhöht: von 12,50 Euro auf 19 Euro. Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann nannte das bedenklich für einige ländliche Regionen, in denen es an Automaten nur Nahverkehrstickets gibt.

Niedersachsen: Metronom und Bahn erhöhen Taktungen

In Niedersachsen wird auf einigen Strecken insbesondere nachts das Angebot des privaten Bahnanbieters Metronom ausgeweitet: So soll es etwa auf der Strecke Bremen-Hamburg sieben neue Fahrten zwischen Mitternacht und sechs Uhr früh geben. Zwischen Hamburg und Uelzen sind 47 neue Züge am Wochenende unterwegs, zwischen Hamburg und Lüneburg pendeln die Züge in den Nächten auf Sonnabend und Sonntag stündlich.

Auch der Regionalexpress der Westfalenbahn zwischen Hannover und Braunschweig fährt mit dem neuen Fahrplan halbstündlich statt wie bisher ein Mal pro Stunde. Eine Premiere gibt es auch: Nach 34 Jahren Unterbrechung ist das südniedersächsische Einbeck wieder an das Schienennetz der Bahn angeschlossen.

Auf der Strecke zwischen Cuxhaven und Hamburg übernimmt ab dem 9. Dezember die Deutsche-Bahn-Tochter Start Unterelbe den Betrieb. Die Züge fahren aber weiter mit ihrem bekannten gelb-blau-weißen Metronom-Anstrich, lediglich der Schriftzug darauf wird sich ändern.

Nahverkehr kann mitgenutzt werden - auch in Hamburg und Bremen

Für Kunden aller Bahnanbieter von Vorteil: Wer Regionalzüge und den öffentlichen Nahverkehr in Niedersachsen nutzt, kann das künftig mit nur einem Ticket tun. Denn in der Fahrkarte des Niedersachsentarifs ist künftig am Start- und Zielort der Reise ohne Mehrkosten die Nutzung von Bus, Straßenbahn und U-Bahn automatisch inklusive. Die Regelung gilt auch für Fahrten nach Bremen und Hamburg.

Weniger Kurzzüge und häufigere Fahrten in Hamburg

In der Hansestadt baut der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) sein Angebot aus. So werden Linien ausgeweitet, Takte verdichtet und die Kurzzüge bei der U-Bahn tagsüber und am Abend abgeschafft. "Die diesjährige Angebotsausweitung ist die umfangreichste seit vielen Jahren", sagte HVV-Geschäftsführer Dietrich Hartmann Ende November zu den Plänen.

Die U1 und die U3 fahren zur Rush-Hour zwischen 6 und 9 Uhr alle drei Minuten und 20 Sekunden. Auf der U2 und der S11 gibt es keine Kurzzüge mehr. Auf der stark frequentierten S-Bahnlinie 3 werden den Angaben zufolge im Berufsverkehr nun größtenteils Langzüge mit neun Waggons und Platz für bis zu 1.500 Fahrgäste eingesetzt. Zum Vergleich: Kurzzüge haben drei Wagons, Vollzüge sechs Wagons.

WLAN in MV-Zügen: Funklöcher könnten Freude trüben

Im Nordosten sollen zwei Hochgeschwindigkeitszüge pro Tag und Richtung auf der Strecke Stralsund - Hamburg - Karlsruhe den Fahrgästen einen besseren Komfort bieten und pünktlicher werden. Wie viel von den Vorteilen der ICE in MV zu spüren sein wird, ist jedoch fraglich: Die Höchstgeschwindigkeit von 230 Kilometern pro Stunde können die Züge laut Bahn nur zwischen Kassel und Hannover erreichen und das bordeigene WLAN, mit dem das Unternehmen wirbt, ist von der Mobilfunkabdeckung abhängig - und die ist im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern von Funklöchern geprägt.

Zusätzlich zu den ICE soll es den Angaben zufolge weiterhin täglich zwei IC-Züge pro Richtung zwischen Stralsund und Hamburg geben, die auf der Linie nach Köln verkehren.

Bahnreisende am Hamburger Hauptbahnhof © picture-alliance/dpa Foto: Bodo Marks

Wie der Norden den Nahverkehr vernachlässigt

Panorama 3 -

Volle und verspätete Züge: Wer im Norden mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, hat es nicht leicht. Doch ein Ausbau des Netzes sei politisch nicht gewollt, meinen Verkehrsexperten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.12.2018 | 12:00 Uhr

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