Stand: 22.02.2017 11:00 Uhr

Resistente Keime in Nutztieren und Fleisch

Bild vergrößern
Viele Nutztiere tragen gefährliche Erreger in sich.

Im Rahmen einer EU-weiten Überwachung sind bei Tieren und in Lebensmitteln Keime nachgewiesen worden, gegen die besonders wichtige Antibiotika nicht mehr wirken. Das zeigt der gemeinsame Jahresbericht zu Antibiotikaresistenzen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC).

Bei den besonders wichtigen Antibiotika handelt es sich um sogenannte Carbapeneme. Mit ihnen werden Patienten nur dann behandelt, wenn andere Antibiotika nicht mehr wirken. Sie sind also ein Reservemedikament für den Notfall. Die Keime, die gegen diese wichtigen Antibiotika resistent sind, wurden bei Schweinen und in Schweinefleisch entdeckt.

"Ernstzunehmende Bedrohung für die Gesundheit"

Bild vergrößern
Über das Fleisch können Bakterien auf Menschen übertragen werden.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin bereiten die Funde Sorge, weil Menschen die gefährlichen Bakterien über Fleisch aufnehmen könnten. Eine Infektion könnte dann möglicherweise nicht mehr oder nur noch sehr schwer behandelt werden.

Die europäischen Behörden warnen deshalb: Die aktuellen Ergebnisse würden unterstreichen, dass Antibiotikaresistenzen eine "ernstzunehmende Bedrohung für die Gesundheit von Mensch und Tier" darstellten. Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien führten in der EU jedes Jahr zu etwa 25.000 Todesfällen.

Auch der Tierarzt Matthias Link aus Varrel in Niedersachsen ist beunruhigt. Bislang sei unklar, wie die resistenten Keime zu den Nutztieren gelangen konnten. Da es keine Tierarzneimittel mit den entsprechenden Antibiotikawirkstoffen gebe, müsse es andere Ursachen für die Verbreitung der Resistenzen geben, so Link, und die kenne man noch nicht.

Hohe Antibiotikaresistenzen bei Salmonellen

Der EFSA-Bericht weist außerdem auf eine hohe Rate an Antibiotikaresistenzen bei Salmonellen hin. Dieses Ergebnis ist auch deshalb relevant, weil eine von Salmonellen verursachte Infektion die am zweithäufigsten gemeldete lebensmittelbedingte Krankheit in der EU ist.

Behörde fordert stärkere Überwachung

Das BfR fordert deshalb eine verstärkte Überwachung von Tierbeständen und Lebensmitteln. Nur eine intensive Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizinern könne dazu führen, die Übertragungswege der Resistenzen zu erkennen, sagt Matthias Link, Vorstandsmitglied im Landesverband praktizierender Tierärzte Niedersachsen.

Weitere Informationen

Antibiotika-Resistenzen - die globale Gefahr

Antibiotika gelten als Wunderwaffe der Medizin. Doch sie wird stumpf - wegen zunehmender Resistenzen. Die Vereinten Nationen sprechen von der "größten globalen Gefahr". mehr

Bislang ist laut BfR unklar, welchen Anteil die Landwirtschaft an den Problemen mit antibiotikaresistenten Keimen in Kliniken hat. Fest steht lediglich, dass die gefährlichen Keime von Menschen auf Tiere und umgekehrt übertragen werden können.

Um die Verbreitung resistenter Keime zu verhindern, müsse man sich gemeinsam bemühen, den Einsatz von Antibiotika insgesamt so weit wie möglich zu reduzieren, so Link. Die Menge der an Tierärzte abgegebenen Antibiotika ist in den vergangenen Jahren bereits deutlich gesunken. 2015 betrug sie nach Angaben des BfR rund 805 Tonnen.

Antibiotikadokumentation: Schlupflöcher schließen

Landwirte, die Tiere mästen, sind inzwischen gesetzlich verpflichtet, ihren Antibiotikaeinsatz halbjährlich an die zuständige Überwachungsbehörde zu melden. Trotzdem fordert Tierarzt Link hier Verbesserungen. Schlupflöcher, mit denen diese Dokumentationen umgangen würden, müssten geschlossen werden, so Link.

Außerdem sollte in Zukunft auch der Gesundheitszustand der Tiere in den Ställen genau erfasst und dokumentiert werden. Darüber hinaus könnte die Gesundheit der Tiere auch durch bessere Haltungsbedingungen gesteigert und der Antibiotikaeinsatz dadurch gesenkt werden, erklärt der Veterinär aus Niedersachsen.

Schlachtung und Lebensmittelverarbeitung verbessern

Das BfR in Berlin fordert zudem, auch die Schlachtung und Lebensmittelverarbeitung zu verbessern, um eine Verschleppung von gefährlichen Keimen zu verhindern. Am Ende sei aber auch der Verbraucher verantwortlich für eine sorgfältige Küchenhygiene, da frisches Fleisch immer eine Quelle von Krankheitserregern sein könne.

Weitere Informationen

Was sind Bakterien und wie wirken Antibiotika?

Antibiotika können Erreger daran hindern, sich zu vermehren, oder sie sogar töten. Aber längst nicht alle Bakterien sind gefährlich. mehr

Warum verlieren Antibiotika ihre Wirkung?

Antibiotika gelten als Wundermittel gegen Bakterien und damit gegen viele Krankheiten. Doch immer häufiger wirken sie nicht mehr. Woran liegt das? mehr

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 27.01.2017 | 16:10 Uhr

Mehr Nachrichten

07:15

Skifahrer stürmen die Pisten im Harz

16.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:37

Litzenzäune: Gefahr für Damwild

16.12.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:44

Bergedorfer Windpark: Energiewende im Kleinen

16.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal