Stand: 13.03.2018 16:03 Uhr

Papst Franziskus will bei den Menschen sein

Als Papst Franziskus vor fünf Jahren seinen "heiligen Dienst" antrat, setzte er schnell Zeichen: Zeichen der Demut und der Barmherzigkeit. In diesem Stil machte er weiter. Wie hat Papst Franziskus die Kirchenspitze, die Kirchenlehre, die Kirche insgesamt verändert?

Ein Kommentar von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Korrespondent Studio Rom

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Papst Franziskus passt in keine der Schubladen, in die man ihn immer noch zu stecken versucht, schreibt Jan-Christoph Kitzler im Kommentar.

Ist Papst Franziskus nun ein Reformer, ein Revolutionär, ein Verräter oder gar ein Populist? All diese Bezeichnungen konnte man in diesen Tagen über ihn lesen. Sie führen aber nicht weiter, wenn man ernsthaft versucht, seine fünf Jahre im Amt zu beurteilen.

In diesen Jahren wurde ohnehin viel zu viel auf die Äußerlichkeiten geachtet: Welche Schuhe trägt er? Was für ein Auto fährt er? Das hatte in den ersten Monaten vielleicht noch den Charme des Neuen. Wirklich wichtig war es nie. Papst Franziskus passt in keine der Schubladen, in die man ihn immer noch zu stecken versucht. Das macht ihn auch so schwer zu fassen.

Franziskus will die Menschen trösten und ihnen helfen

Was aber ist das Neue dieser fünf Jahre, in denen Papst Franziskus die katholische Kirche anführt? Da sind vor allem die Themen Öffnung und Dezentralisierung - und zwar organisatorisch und dogmatisch: Vor Franziskus hatte sich die Kirche lange Jahre in eine Art dogmatische Wagenburg zurückgezogen. In Rom wurde die reine Lehre verwaltet, Abweichler wurden sanktioniert.

Doch Franziskus will keine sich selbst genügende Kirche als Gemeinschaft der Rechtgläubigen, er will dahin, wo Menschen Trost und Hilfe brauchen, wo es Konflikte gibt und es nicht so glatt läuft.

Kirchen vor Ort sind jetzt in der Pflicht

"Mir ist eine 'verbeulte' Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist", schrieb er 2013 - und damit ist alles gesagt.

Lange Jahre hatte die Kurie in Rom immer mehr Kompetenzen an sich gezogen, jetzt nimmt der Papst die Kirchen vor Ort in die Pflicht. Er sagt: Seht genau hin, schaut Euch die Einzelfälle an - und findet Lösungen. Auch deshalb war es möglich, dass die deutschen katholischen Bischöfe vor rund einem Jahr ein Schreiben veröffentlicht haben, das wiederverheirateten Geschiedenen im Einzelfall die Teilnahme an der Kommunion ermöglicht.

Stichwort: Kardinalsernennungen

Dass dieser Papst nicht die Zentrale, sondern die Ränder stärkt, sieht man auch an seinen Kardinalsernennungen. Ein Drittel des Kardinalskollegiums hat er schon neu ernannt. Traditionelle Bischofssitze wie Venedig oder Turin blieben bislang außen vor, dafür hat zum Beispiel Ouagadougou in Burkina Faso jetzt einen Kardinal. Das wird Folgen haben, wenn einmal ein neuer Papst gewählt werden muss. Die Randgebiete haben mehr Gewicht bekommen.

Vieles ist (bisher) auch nicht gelungen

Im Detail ist Franziskus sicher vieles auch nicht gelungen: Bei Personalentscheidungen hat er keine immer ganz glückliche Hand, im Kampf gegen den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche nimmt man ihm zwar ab, dass er persönlich keine Kompromisse macht. Aber dann hat er auf seiner Reise in Chile doch wieder viele Überlebende mit einer spontanen Antwort verprellt. Man könnte auch die Frage stellen, was dieser Papst in fünf Jahren im Amt für die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche getan hat? Eher wenig.

Aber andererseits: Was heißt das in einer Institution, die, wenn es um Reformen geht, eher in Jahrhunderten denkt? Auch deshalb ist es nach fünf Jahren zu früh einzuschätzen, ob das Neue, das Papst Franziskus gebracht hat, nachhaltig ist - oder doch nur eine kurzzeitige Stilfrage.

Ein Mann im täglichen Spagat

Eines ist offensichtlich: Dieser Papst will, dass sich die Kirche auf ihre Wurzeln besinnt und gleichzeitig unterwegs ist zu den Menschen. Man muss sich Papst Franziskus als einen Mann im täglichen Spagat vorstellen.

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Papst Franziskus - Reformer oder Revolutionär?

Seit fünf Jahren ist Papst Franziskus wichtigster Mann in der katholischen Kirche. Sein Pontifikat hat die Kirche bereits verändert. Doch wie nachhaltig ist sein Wirken? Mehr bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentare | 13.03.2018 | 17:08 Uhr

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