Stand: 19.12.2018 12:18 Uhr

Nordsee-Fangquoten: Weniger Hering und Kabeljau

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Nach den Ostsee-Fischern müssen nun auch die Nordsee-Fischer mit weniger Hering auskommen.

Deutsche Nordsee-Fischer müssen im kommenden Jahr mit deutlich niedrigeren Fangmengen auskommen. Beim Hering verringere sich die erlaubte Menge um 40 Prozent auf rund 39.400 Tonnen, hieß es nach dem Treffen der EU-Fischereiminister am Mittwochmorgen in Brüssel. Beim Kabeljau steht nach den gut zweitägigen Verhandlungen ein Minus von 35 Prozent.

Bei der Makrele ist ein Minus von 20 Prozent vorgesehen. Auf Deutschland entfallen dann noch rund 16.600 Tonnen. Bei der Scholle sinkt die Fangmenge um 12 Prozent auf rund 5.300 Tonnen. Beim Seelachs ist hingegen ein Plus von 16 Prozent vorgesehen - erlaubt ist in der Nordsee dann eine Fangmenge von maximal rund 12.800 Tonnen.

Fischereiverband: "Harte Einschnitte, die notwendig waren"

Der Deutsche Fischereiverband äußerte Verständnis für die Reduzierung der Fangmengen von Hering und Dorsch: "Das sind harte Einschnitte, aber die waren notwendig, um das Nachhaltigkeitsziel nicht aus den Augen zu verlieren", sagte Verbandssprecher Claus Ubl. Die Heringsbestände in der Nordsee seien noch im "grünen Bereich". Aus bislang unbekannter Ursache habe es in den vergangenen Jahren aber zu wenig Nachwuchs gegeben. Das habe zu der Entscheidung in Brüssel geführt. Beim Kabeljau habe es lange nach einer Erholung der Bestände ausgesehen, sagte Ubl. Trotz rückläufiger Fangmengen seien die Quoten in den vergangenen Jahren jedoch zu hoch gewesen.

Umweltschützer: "Begrenzung reicht nicht"

Umweltschützer kritisierten die neuen Quoten. Die Europäische Union habe sich zu dem Ziel verpflichtet, bis 2020 alle eigenen Bestände auf ein nachhaltiges Niveau zu bringen, sagte Heike Vesper, Direktorin des WWF-Meeresschutzprogramms. Es bleibe jedoch unklar, wie dies in nur einem Jahr noch erreicht werden solle. "Für die Erholung der Fischbestände muss zwingend weniger gefangen werden."

Die Meeresschutzorganisation Oceana kritisierte, dass sich die Zahl der nachhaltig befischten Bestände lediglich von 53 auf 59 erhöhe - das sei zu wenig. Jahr für Jahr Fangmengen festzulegen, die über wissenschaftliche Empfehlungen hinausgingen, sei ökonomisch und ökologisch töricht, sagte Oceana-Direktor Lasse Gustavsson.

Was sind Fangquoten?

Die zuständigen EU-Minister legen jedes Jahr die zulässigen Gesamtfangmengen für die Nordsee und den Nordost-Atlantik fest. Für die einzelnen Staaten gelten dann nationale Fangmengen. Zuvor gibt die EU-Kommission Empfehlungen auf Grundlage wissenschaftlicher Gutachten. Stets gilt es, die Interessen der Fischfang-Industrie gegen Naturschutzbelange abzuwägen. Die Fangquoten gelten jeweils für ein Jahr.

Aal-Schonfrist bleibt

Die im vergangenen Jahr erstmals eingeführte Schonfrist für den Aal in EU-Hochseegewässern soll nach der Einigung der Minister im kommenden Jahr weiter gelten. Sie beträgt drei Monate. Seit 2007 gibt es in der EU zudem Aal-Bewirtschaftungspläne. Nach Ansicht von Umweltschützern reichten diese aber nicht aus. Der Internationale Rat für Meeresforschung empfiehlt seit langem, die Befischung dieser bedrohten Art im gesamten Verbreitungsgebiet zu senken.

Die Fangquoten für die einzelnen Fischarten werden festgelegt, um die Gewässer vor Überfischung zu schützen. Die Quoten legen die Menge an Tieren fest, die in einem bestimmten Gebiet während eines bestimmten Zeitraums gefangen werden dürfen. Im Oktober hatten sich die EU-Staaten bereits auf Fangquoten für die Ostsee geeinigt.

Weitere Informationen

Ostsee-Fangquoten: Weniger Hering, mehr Dorsch

Deutsche Fischer dürfen 2019 deutlich weniger Hering aus der westlichen Ostsee ziehen als 2018. Die erlaubte Fangmenge wird um 48 Prozent reduziert. Die Fangquote für Dorsch wird angehoben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 19.12.2018 | 05:00 Uhr

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