Stand: 30.08.2019 10:31 Uhr

Thierse: AfD-Erfolg ist Ausdruck von Unzufriedenheit

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Wolfgang Thierse beschuldigt die AfD der Schwarzmalerei.

Der ehemalige Präsident des Bundestages, Wolfgang Thierse (SPD), geht von starken Gewinnen für die AfD bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen aus. "Es wäre ein fatales und niederschmetterndes Signal, wenn die AfD stärkste Partei würde, in Brandenburg oder Sachsen", sagte der SPD-Politiker im NDR Info Interview. Er hofft, dass die Parteien der Großen Koalition, allen voran die SPD, noch viele unentschlossene Wähler für sich gewinnen können.

Wolfgang Thierse © NDR/Wolfgang Borrs Foto: NDR/Wolfgang Borrs

Thierse: "Die AfD malt schwarz"

NDR Info - Infoprogramm -

Realitäten im Osten würden nicht mehr wahrgenommen, so der frühere Bundestagspräsident Thierse (SPD). Die wirtschaftliche Entwicklung sei gut, die Unzufriedenheit groß.

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"Erfolg der AfD ist Ausdruck von Unzufriedenheit"

Warum ist die Alternative für Deutschland in ostdeutschen Bundesländern so erfolgreich? Für Thierse ist es ein Ausdruck von Unzufriedenheit, Unsicherheit und von Enttäuschung allzu großer Erwartungen. "Manches Gefühl in Ostdeutschland hat zu tun mit den allzu großen Erwartungen von 1990. Damals hat eine Mehrheit der Ostdeutschen glauben wollen, dass alles ganz schnell geht. Sie hat den Versprechungen von Helmut Kohl glauben wollen." Deshalb seien es nicht so sehr sozialökonomische Gründe, die die Stimmung in Ostdeutschland bestimmten, sondern die Verärgerung über zu viele Veränderungen, die gleichzeitig stattfinden. "Globalisierung, Flüchtlinge, die drohende ökologische Katastrophe, die viele Veränderungen verlangt. Das ist sehr viel für Menschen, die nicht sicher sein können, ob sie sich darin erfolgreich behaupten können", so Thierse.

AfD male schwarz, die Realität sei anders

Viele Menschen in Ostdeutschland hätten nach der Wende viel verkraften müssen. Als Beispiel nannte der SPD-Politiker, der selbst in Thüringen aufgewachsen ist, die Umwandlung einer Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft, die viele Opfer und Schmerzen gefordert habe.

Dabei sei die Situation im Osten häufig besser als es den Anschein hat. Brandenburg etwa habe in den vergangenen Jahren eine rasante und positive wirtschaftliche Entwicklung genommen, so der ehemalige Bundestagspräsident. "Die Arbeitslosigkeit im Osten ist so niedrig wie nie seit 1991. Aber das wird alles verdrängt. Die AfD malt schwarz, artikuliert und verstärkt die Wut, sodass plötzlich Realitäten gar nicht mehr richtig wahrgenommen werden."

Grüne Erfolge nur in den Städten

Thierse rechnet auch mit einem guten Abschneiden der Grünen bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen - allerdings nur in den Städten. "Man merkt: Der Osten ist nicht einfach mehr der Osten." Der SPD-Politiker sprach von einem Flickenteppich unterschiedlicher Erfolge und Misserfolge: "Leipzig, Dresden, Erfurt, Jena, Berlin, Potsdam. Das sind höchst erfolgreiche Regionen - und es gibt andere Regionen, in denen es infrastrukturell schwieriger ist, wo viele junge Menschen weggegangen sind, die Arbeitslosigkeit höher ist, wo weniger Zukunft sichtbar ist. Man kann nicht mehr nur so über den Osten und den Ostdeutschen sprechen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 30.08.2019 | 07:50 Uhr

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