Stand: 16.06.2016 18:36 Uhr

"Lokales Wetter": Regen und Sonne nebeneinander

von Daniel Seemann, NDR.de
Verrücktes Wetter: Gewitterwolken am blauen Sommerhimmel.

Es war ein Schauspiel der Gegensätze, das auch eine Großstadt wie Hamburg nicht alle Tage erlebt: Anfang Juni zog ein Tornado eine Schneise der Verwüstung durch den Nordosten der Stadt, während die Menschen in den Beach Clubs am Hafen in der Sonne brutzelten. Das gleiche Bild wenige Tage später: Kräftige Wolkenbrüche setzten im Westen und in der Innenstadt Kreuzungen, Straßen und Keller unter Wasser. In anderen Stadtteilen herrschte zu diesem Zeitpunkt hingegen eitel Sonnenschein.

Kilometerhohe Wolkentürme

"Lokales Wetter" nennen Meteorologen wie Kent Heinemann vom Hamburger Institut für Wetter- und Klimakommunikation (IWK) dieses Phänomen. Ausschlaggebend dafür ist derzeit die aktuelle Wetterlage: Eine Tiefdruckrinne zieht sich von den Britischen Inseln über Norddeutschland bis nach Moldawien und führt sehr feuchte Luft mit sich. Strahlt die Sonne in die feuchten Luftmassen hinein, bilden sich spontan Gewitter- und Schauerzellen - teilweise nur einige Hundert Meter breit. Gleichzeitig weht der Wind nur schwach aus unterschiedlichen Richtungen, sodass die Wolkenberge nicht wie gewöhnlich weiterziehen, sondern sich bis zu einer Höhe von 13 Kilometern auftürmen.

Dadurch kommt es laut Heinemann dazu, dass sich die Gewitterwolken an einem Ort schauerartig entladen, mit teilweise Hunderten Litern Niederschlag pro Quadratmeter. Nur einige Kilometer weiter jedoch lacht die Sonne vom blauen Sommerhimmel. Im Winter komme eine solche Wetterlage auch vor, nur seltener. Dann sei der Sonnenschein jedoch nicht der entscheidende Faktor, sondern das extreme Temperaturgefälle zwischen der sehr kalten Luft in großer Höhe und der relativ warmen Luft am Boden.

Wärmeblasen in Straßenschluchten

Lokale Wetterlagen würden zwar nicht direkt vom Klimawandel beeinflusst, sagt Heinemann - sie würden sich durch die zunehmende Erderwärmung aber länger an einem Ort halten. Es gebe dazu eine unter Meteorologen heiß diskutierte These: Der Rückgang des arktischen Eises führe zu einer Störung des Jetstreams, der normalerweise die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete über Nordeuropa bestimmt. Weil er sich zunehmend verlagert, bewegen sich die Schlechtwetterzonen quasi orientierungslos im Kreis, ohne weiter zu ziehen. Hinzu kommt, dass durch die Erderwärmung mehr Wasser kondensiert und in der Luft befindet - wodurch die Intensität der einzelnen Regengüsse zunimmt.

"Wo diese plötzlichen Unwetter auftreten, ist eher zufällig", sagt der Tornadobeauftragte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Andreas Friedrich. Meistens würden sie dort entstehen, wo die warme Luft am Boden bleibt und nicht nach oben abziehen kann. In einer Stadt wie Hamburg könnten sich in den Straßenschluchten relativ schnell "Wärmeblasen" bilden, in der sich die feucht-warme Luft staut. Am Hafen weht hingegen meistens eine leichte Brise, der Boden kühlt dadurch schneller ab. Diese lokalen Diskrepanzen führen zu Wetterlagen, die extrem unterschiedlich sein können.

Elbe keine Wetterscheide

Entgegen der landläufigen Meinung fungieren Flüsse oder Kanäle den Meteorologen zufolge dabei nicht als Wetterscheiden. "Gewitter oder Tornados machen nicht plötzlich kehrt, nur weil sie auf die Elbe treffen", sagt Friedrich. Lediglich der Harz hält regelmäßig Wolkenmassen auf, die in Richtung Norden unterwegs sind. Momentan bewegt sich das vorherrschende Tiefdruckgebiet allerdings nicht groß vom Fleck. Der Metereologe warnt daher auch für die kommenden Tage vor lokal sehr unterschiedlichen Wetterlagen im Norden.

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 05.05.2016 | 19:30 Uhr

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