Stand: 19.01.2017 15:00 Uhr  | Archiv

Lara-Mia, Jessica und andere: Tödliche Fälle seit 2005

Bild vergrößern
"Warum?" - Nachrichten von verhungerten Kindern wie im Fall von Lea-Sophie aus Schwerin bewegen viele Menschen.

Vernachlässigt, misshandelt oder zu Tode geschüttelt: Immer wieder erschüttern Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung die Öffentlichkeit - auch in Norddeutschland. Allerdings werden längst nicht alle Fälle bekannt. Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete für das Jahr 2015 bundesweit knapp 4.000 Opfer von Kindesmisshandlung. Zudem muss bei Kindesmisshandlungen und -vernachlässigungen von einer hohen Dunkelziffer nicht angezeigter Straftaten ausgegangen werden. Oft entsteht die Tat aus einer Überforderungssituation heraus. Ein kurzer Überblick über die schlimmsten Fälle im norddeutschen Raum seit 2005. Damals wurde der Fall Jessica bekannt.

2015

Der 13 Monate alte Tayler kommt im Dezember 2015 mit Schütteltrauma und schwersten Hirnverletzungen in die Notaufnahme des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Dort liegt er eine Woche lang im Koma, bevor er stirbt. Offenbar hatte der Stiefvater den kleinen Jungen heftig geschüttelt. Er wird wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von elf Jahren verurteilt.

2013

Die drei Jahre alte Yagmur stirbt kurz vor Weihnachten 2013 in der Wohnung ihrer Eltern im Hamburger Stadtteil Billstedt an den Folgen schwerer Misshandlungen durch die Mutter. Bei der Obduktion werden mehr als 80 Hämatome und Quetschungen sowie ein schlecht verheilter Bruch des Unterarms festgestellt. Die Mutter wird zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes verurteilt, der Vater zu viereinhalb Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen.

2012

Am 16. Januar 2012 stirbt die elfjährige Chantal in der Wohnung ihrer Pflegeeltern in Hamburg-Wilhelmsburg. Die Obduktion des jungen Mädchens ergibt wenige Tage später: Chantal ist an einer Methadonvergiftung gestorben, also an den Folgen der Einnahme des Drogen-Ersatzstoffes Methadon. Die Pflegeeltern werden wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Weitere Informationen

Bewährungsstrafen für Chantals Pflegeeltern

Nach dem Methadon-Tod der elfjährigen Chantal in Hamburg ist der Pflegevater zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Pflegemutter bekam acht Monate auf Bewährung. mehr

2009

Lara Mia stirbt am 11. März 2009 in einer Wohnung im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, vermutlich an den Folgen ihrer Unterernährung. Das nur neun Monate alte Baby wog bei seinem Tod nur 4,8 Kilogramm - rund acht Kilo wären in diesem Alter normal gewesen. Besonders bitter: Das Kind starb nahezu vor den Augen des Sozialamtes, die der Familie eine Betreuerin zur Seite gestellt hatte. Noch acht Tage vor Laras Tod hatte die Sozialpädagogin die Familie besucht. Ihr war nichts aufgefallen. Der Stiefvater des Mädchens wird Anfang 2017 zu einer Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt.

2007

Die fünfjährige Lea-Sophie aus Schwerin stirbt im November 2007 nach wochenlanger Vernachlässigung, kurz nachdem sie mit schwersten Mangelerscheinungen und Liegegeschwüren am Körper vom Notarzt in eine Klinik eingeliefert worden war. Das Mädchen wog zu diesem Zeitpunkt weniger als 7,4 Kilogramm. Die Obduktion ergibt: Lea-Sophie ist verhungert und verdurstet. Die Eltern werden zu elf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

2006

Im Oktober wird die Leiche des zweijährigen Kevin aus Bremen im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters gefunden. Der Mann gesteht, das Kind misshandelt und getötet zu haben. Er wird zu zehn Jahren Haft verurteilt.

2005

November 2005: Die Leiche des zweijährigen, misshandelten Tim wird in der schleswig-holsteinischen Stadt Elmshorn gefunden. Der 38-jährige Freund der Mutter gesteht die Tat und wird zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Am 1. März 2005 wird im Hamburg-Jenfeld die Leiche der siebenjährigen Jessica gefunden: Das Mädchen war an ihrem eigenen Erbrochenem gestorben, nachdem es monatelang in einem abgedunkelten, ungeheizten Zimmer in der Wohnung ihrer Eltern gehungert hatte. Die Mutter und der Vater werden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Weitere Informationen

Der Fall Jessica und die Folgen

Der qualvolle Tod der verhungerten Jessica aus Hamburg erschütterte ganz Deutschland. Der Fall löste eine Diskussion über Kindesmisshandlung aus und hatte bundesweit Konsequenzen. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | 19.01.2017 | 11:00 Uhr

Mehr Nachrichten

03:57
Hallo Niedersachsen
02:17
Hallo Niedersachsen
04:36
Hamburg Journal