Stand: 16.05.2019 18:00 Uhr

Kühne + Nagel: Steuersparmodell aus Luxemburg

Von Petra Blum (WDR), Philipp Eckstein und Jan Lukas Strozyk (NDR)

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Unternehmer Klaus-Michael Kühne hat Firmen- und Wohnsitz in der Schweiz.

In Hamburg gilt Klaus-Michael Kühne vielen als großer Gönner: Den HSV unterstützt er mit Millionen-Summen, im Stadion ist er gern gesehen, die lokale Prominenz lässt sich mit ihm ablichten. Zu oft darf Kühne die Stadt aber nicht besuchen. Denn vor Jahren hat er seinen Wohnsitz aus Steuergründen in die Schweiz verlegt - bleibt er zu lange in Hamburg, könnte der deutsche Fiskus diese Regelung anfechten. Seinen Logistik-Konzern Kühne + Nagel hat er offenbar steuerlich optimieren lassen. Eine wichtige Rolle kommt dabei einer Tochterfirma in Luxemburg zu. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Recherche von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung", bei der die Reporter Handelsregister-Informationen aus Luxemburg aufbereitet und durchsucht haben.

Marken der JAB Holding © NDR Foto: Screenshot

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Steueroase auf der schwarzen Liste

Demnach vergab der Konzern jahrelang große Summen als Kredite über Luxemburger Holdinggesellschaften in andere europäische Länder und wieder zurück. Ursprünglich kam das Geld von der Tochterfirma Kuehne + Nagel Ltd. auf Bermuda, einer Steueroase, die die EU erst kürzlich wieder auf die schwarze Liste gesetzt hat.

Die Luxemburger Holdinggesellschaft Kuehne + Nagel Investments S.à.r.l. lieh sich Geld von der Bermuda-Tochter – teilweise fast 700 Millionen Euro auf einmal – und reichte das Geld dann weiter, als Kredite an Tochtergesellschaften in europäischen Ländern, vor allem Deutschland. Experten bewerten solche Kreditgeschäfte als beliebtes Steuersparmodell.

"Ein hochkomplexes Finanzierungsmodell"

Denn auf diese Kredite zahlen die Tochterfirmen aus Deutschland Zinsen nach Luxemburg, wie bei einem Bankkredit auch. Für die deutsche Firma schmälern diese Zinszahlungen den zu versteuernden Gewinn. Und die Luxemburger Holding muss auf die so eingenommenen Gelder nur sehr wenig Steuern zahlen, weil Luxemburg allerlei Steuererleichterungen im Angebot hat.

Firmenporträt

Global Player mit belasteter Vergangenheit

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"Das Finanzierungsmodell von Kühne + Nagel zeigt alle Anzeichen eines aggressiven Steuergestaltungsmodells. Hier werden die etablierten und aggressiven Konzernsteueroasen Luxemburg, Schweiz und Bermuda miteinander zu einem hochkomplexen Finanzierungsmodell verquickt, dessen Wirkung nur in einer aggressiven Vermeidung von Steuern bestehen kann", sagt Markus Meinzer vom Netzwerk Steuergerechtigkeit.

Verlagerung von Gewinnen

Ob und wie viele Steuern Kühne + Nagel tatsächlich durch diese Konstruktion spart, geht aus den öffentlichen Handelsregisterdokumenten nicht hervor. Der Konzern erklärt, es handele sich um eine konzerninterne Gruppenfinanzierung in Ergänzung zur Eigenkapitalausstattung der Tochtergesellschaften. Doch es sei gerade diese Art von firmeninternen Kreditgeschäften, die sich auch besonders gut zur Verlagerung von Gewinnen eigne, betont Meinzer: "Ein Konzern, der Gewinne verlagern und Steuern sparen möchte, achtet darauf, dass Kosten in den Hochsteuerländern anfallen."

Luxemburg: zentrale Rolle im Konzern-Netzwerk

Auf die Frage, warum so viele Firmenaktivitäten in Luxemburg verortet sind, antwortete der Konzern, das Land spiele innerhalb der Europäischen Union aufgrund seiner geografischen Lage eine bedeutende Rolle im globalen Konzern-Netzwerk. Darüber hinaus verwies das Unternehmen auf das gesellschaftliche Engagement der verschiedenen Stiftungen - von dem nicht selten Klaus-Michael Kühnes Heimatstadt Hamburg profitiert. So erhielten etwa der HSV oder auch die Elbphilharmonie Millionen von Kühne-Stiftungen.

Mehr als neun Milliarden Euro Vermögen

Kühne selbst hat aus seiner Sympathie für Niedrigsteuerländer nie ein Geheimnis gemacht. "Ich habe nichts gegen Steuern. Ich hätte nur gern das Gefühl, dass sie für die richtigen Dinge ausgegeben werden", sagte er vor Jahren im "Manager Magazin".

Kühne + Nagel hat seine Wurzeln in Bremen, der Sitz des Unternehmens wurde in den 1960er-Jahren in die Schweiz verlegt. Dort, im Steuerparadies für Superreiche namens Schindellegi, lebt der inzwischen 81-jährige gebürtige Hamburger Kühne. Er wurde 2017 mit mehr als neun Milliarden Euro Vermögen vom Magazin "Forbes" auf Platz 103 der reichsten Menschen der Welt geführt.

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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 16.05.2019 | 21:45 Uhr

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