Stand: 24.09.2019 14:42 Uhr

"Urlaubsfreude zu sichern, ist nicht Staatsaufgabe"

von Marco Müller, WDR

Der älteste Reisekonzern der Welt Thomas Cook ist pleite. Aktuell sind mit Thomas Cook rund 600.000 Menschen in Urlaub. Viele weitere haben ihren Urlaub dort gebucht - und können ihn nicht antreten. Von verschiedenen Seiten kommen die Forderungen, der Staat müsse sich stärker für die Reisenden einsetzen.

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Marco Müller meint, der Staat dürfe nur eingreifen, um Arbeitsplätze in der Reisebranche zu retten.

Das geht schnell: Thomas Cook ist pleite und zack - gibt es die ersten Rufe nach der Politik. Sie solle dafür sorgen, dass nicht nur die Pauschalreisenden ihr Geld wiederbekommen, wenn die Reise ausfällt, sondern auch die, die nur einzelne Flüge gebucht haben und damit ohne Schutz dastehen.  

Muss der Staat sich wirklich um alles kümmern?

Diese Rufe sind nicht neu: Es gab sie auch nach der Pleite von Air Berlin und der Pleite der Fluggesellschaft Germania. Ich finde, man sollte diese Rufe einfach verhallen lassen. Muss der Staat sich wirklich um alles kümmern? Wenn jemand eine Küche kauft, und das Küchenstudio geht Pleite, gibt es auch keine staatliche Hilfe. Im Familien- und Bekanntenkreis habe ich das selbst mitbekommen: Küche angezahlt, Küchenstudio insolvent, Geld weg. Manchmal gehen Sachen eben schief und dann hat man Pech. Das ist das allgemeine Lebensrisiko und dagegen gibt es keine staatliche Garantie - und das ist auch richtig so.

Anders liegt der Fall, wenn Reisende wegen einer Veranstalterpleite im Ausland festsitzen: Hier kann der Staat gerne mithelfen und Kapazitäten schaffen, denn schließlich handelt es sich dabei um eine Notlage. Ein abgesagter Flug, bei dem man auf einem Teil der Kosten sitzenbleibt, ist jedenfalls kein Notfall, bei der es spezieller Hilfe bedarf.

Ich finde, durch das geltende Recht, sind Urlauber relativ gut geschützt - gerade bei Pauschalreisen. Durch den Sicherungsschein sind sie geschützt, wenn ihr Rückflug wegen der Pleite des Veranstalters ausfällt. Wenn sie neues Flugticket kaufen müssen, werden ihnen die Kosten zurückerstattet. Und auch zusätzliche Übernachtungen infolge einer Insolvenz gehen auf Kosten der Versicherung.

Zehntausende Jobs in Gefahr

Die Allgemeinheit soll allerdings nicht herhalten müssen, wenn der Herbsturlaub an der Côte d’Azur mal ausfallen muss. Ich finde es sogar zynisch, deswegen an den Staat wegen der Entschädigung für - etwas überspitzt gesagt - entgangene Urlaubsfreuden zu appellieren, wenn gleichzeitig Zehntausende Mitarbeiter von Thomas Cook und der deutschen Tochter Condor um ihren Job bangen.

Das staatliche Eingreifen zur Rettung von Arbeitsplätzen ist für mich eine andere Frage. Wie der Fall Air Berlin gezeigt hat, kann es mit staatlicher Hilfe gelingen, Jobs zu retten. Und wenn alles gut läuft, fließt das Geld der Steuerzahler wieder zurück. Kurz, der Staat darf gerne mithelfen, damit Condor auf sichere Beine kommt. Urlaubsfreuden zu sichern, ist aber nicht seine Aufgabe.

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NDR Info | Kommentar | 23.09.2019 | 18:30 Uhr

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