Stand: 23.08.2019 17:12 Uhr

Landwirtschaft muss dem Klima angepasst werden

Der Deutsche Bauernverband beklagt Ernteausfälle wegen schwieriger Witterungsverhältnisse. Die Landwirte fuhren demnach in diesem Jahr rund sechs Prozent weniger Getreide ein als in den Jahren 2013 bis 2017. Das vergangene Dürrejahr sei bei der Bilanz außer Acht gelassen worden. Vor allem in Mittel- und Ostdeutschland sowie in Gebieten im Norden hat es demnach zu wenig Niederschläge gegeben. Welche Konsequenzen müssen die Landwirte aus den Klimaveränderungen ziehen? Welche Herausforderungen gilt es zu meistern?

Ein Kommentar von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Bild vergrößern
Landwirte können die Herausforderungen nur meistern, wenn sie von der Politik und von der Gesellschaft unterstützt werden, meint Claudia Plaß.

Nach der Dürrekrise im vergangenen Jahr machen Hitze und Trockenheit vielen Landwirten auch in diesem Jahr zu schaffen. Zwar haben sie wieder mehr Getreide geerntet, insgesamt aber weniger als im Schnitt der vergangenen Jahre. Und ausgerechnet dort, wo Bauern schon im vergangenen Jahr mit drastischen Ernteausfällen zu kämpfen hatten, hat es auch in diesem Jahr zu wenig geregnet, sind die Böden zu trocken:

In Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und in Teilen Niedersachsens fielen die Ernten besonders schlecht aus. Viele Höfe waren im vergangenen Jahr in große finanzielle Nöte geraten, sie haben inzwischen fast 230 Millionen Euro staatliche Hilfen erhalten. Diese können aber nur die Ausnahme bleiben.

Ein Landwirt steht in seinem Maisfeld.

Trockenheit sorgt für große Ernte-Unterschiede

Hallo Niedersachsen -

Die Erntebilanz in Niedersachsen fällt wegen der Trockenheit erneut schlechter aus als im Durchschnitt, jedoch besser als 2018. Es gibt starke regionale Unterschiede.

4,14 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Schnelleres Handeln ist gefragt

Die zunehmenden Extremwetter-Ereignisse zeigen vielmehr: Nötig ist eine klima-angepasste Landwirtschaft. Umweltschützer und zahlreiche Wissenschaftler fordern schon lange ein Umsteuern von einer Intensivierung der konventionellen Landwirtschaft hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geht. Allein neue Pflanzenzüchtungen zum Beispiel brauchen Jahre, bis sie auf dem Acker angebaut werden können.

Aber auch kurzfristig kann und muss vor allem schneller gehandelt werden: Landwirte können zum Beispiel für humus-haltige Böden sorgen - ein Beitrag für fruchtbare Ackerböden.

Milliardenschwere EU-Subventionen anders verteilen

Landwirt Frank Alswede bei der Rote-Bete-Ernte. © NDR Foto: Susanne Schäfer

Dürre setzt Landwirten auch 2019 zu

NDR Info - Infoprogramm -

Die Landwirte in Deutschland beklagen auch in diesem Jahr wieder eine unterdurchschnittliche Ernte. Wie ist die Situation in Niedersachsen? NDR Info war dort.

2,6 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Die Bauern können die Herausforderungen aber nur meistern, wenn sie von der Politik und von der Gesellschaft unterstützt werden. Seit zwei Jahren arbeitet Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) an einer Ackerbaustrategie - zusammen mit Wissenschaftlern und Praktikern unter anderem aus Land- und Forstwirtschaft. Weniger Austausch, mehr Handeln ist nun gefragt.

Handeln, das gilt auch für die Verteilung der milliardenschweren EU-Subventionen.  Anstatt einen Großteil des Geldes aus Brüssel als pauschale Flächenprämie an die Landwirte zu zahlen, sollten diejenigen Bauern endlich mehr gefördert werden, die sich um mehr Vielfalt auf den Äckern anstatt Mais- und Weizen-Monokulturen bemühen, die klima-resistente Pflanzen anbauen, Pestizide meiden und das Grundwasser schonen.

Auch die Verbraucher können etwas tun

Und die Verbraucher? Die könnten weniger Lebensmittel wegschmeißen und weniger Fleisch essen. Was der Fleischkonsum mit dem Klimawandel zu tun hat? Auf mehr als der Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen wird Tierfutter angebaut. Platz, auf dem Nahrungsmittel wachsen könnten, darunter klimaresistente Pflanzen. Auch das könnte zu einer klima-angepassten Landwirtschaft beitragen.

Weitere Informationen

Landwirte erwarten schlechte Getreideernte

Die Bauern im Nordosten beklagen eine schlechtere Getreideernte. Besonders der Weizen habe unter der zeitweisen Hitze gelitten, so der Bauernverband Nordostniedersachsen. mehr

Durchschnittliche Ernte in Schleswig-Holstein

Landwirtschaftsminister Albrecht gibt dem Erntejahr 2019 die Schulnote "befriedigend". Der Erlös reiche nicht aus, die Verluste aus dem Dürrejahre 2018 auszugleichen. mehr

Erntebilanz: Regionale Unterschiede bei der Getreide- und Rapsernte

Die Getreide- und Rapsernte dieses Jahres sei gemessen an den Vorjahren durchschnittlich, regional jedoch auch sehr unterschiedlich. Das teilte der Bauernverband MV mit. mehr

"Keine Spitzenernte, keine Missernte"

Der Bauernverband beklagt erneut Ernteausfälle wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse. NDR Info hat zwei Landwirte in Niedersachsen besucht, denen die Trockenheit zugesetzt hat. mehr

02:18
Schleswig-Holstein Magazin

Erntepressekonferenz 2019 in Bösdorf

Schleswig-Holstein Magazin

2017 war es viel zu nass, 2018 kam es durch die lang anhaltende Trockenheit zur Dürre: In beiden Jahren fiel die Erntebilanz schlecht aus. Wie sieht es in diesem Jahr aus? Video (02:18 min)

Wie der Hof Hartmann die Artenvielfalt fördert

Um den Rückgang der Artenvielfalt zu bekämpfen, nimmt ein Landwirt aus Lüneburg am bundesweiten Forschungsprojekt F.R.A.N.Z. teil. Die NDR Info Perspektiven stellen es vor. mehr

NDR Info

Die NDR Info Kommentare

NDR Info

Redakteure und Korrespondenten äußern auf NDR Info regelmäßig ihre Meinung zu aktuellen Themen und Sachverhalten. Stimmen Sie zu? Sind Sie anderer Meinung? Schreiben Sie uns! mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 23.08.2019 | 17:08 Uhr

Mehr Nachrichten

02:07
Hamburg Journal
02:33
Schleswig-Holstein Magazin
04:51
Nordmagazin