Stand: 08.08.2019 16:21 Uhr

Deutliche Mahnung: Wir essen die Erde auf!

Der Weltklimarat hat ein radikales Umdenken bei der Nutzung von Land verlangt. In einem Sonderbericht des internationalen Gremiums heißt es, die Weltgemeinschaft müsse sofort handeln, um die wachsende Erdbevölkerung dauerhaft zu ernähren und zugleich das Klima zu schützen. Die Zahl, Dauer und Intensität von Hitzewellen sowie Dürren werde zunehmen, in vielen Regionen werde es zudem häufiger zu extremen Regenfällen kommen. Im Kampf gegen die Erderwärmung empfiehlt der Weltklimarat, vor allem die Wälder besser zu schützen.

Ein Kommentar von Verena Gonsch, NDR Info

Bild vergrößern
Jeder und jede von uns könne im Alltag dabei mithelfen, Klima und Umwelt zu schützen, meint Verena Gonsch.

Die schockierende Nachricht war irgendwo im Bericht versteckt: Nach den bisherigen Messungen hat sich die Erde über den Landflächen schon um 1,5 Grad erwärmt. Bei der Weltklimakonferenz 2015 in Paris hatten sich alle Staaten noch auf diese magische Zahl als absolute Obergrenze verpflichtet. Seitdem geistert sie wie ein Mantra durch alle Klimadebatten: Wenn wir es schaffen, dass die Erde sich nur um 1,5 Grad erwärmt, dann geht der Kelch an uns vorüber. Dann wird der Klimawandel unser Leben nicht weiter beeinträchtigen. Dann machen wir einfach weiter wie bisher.

Der Hunger wird wieder zunehmen

Strommasten und Windräder am Kraftwerk Neurath von RWE.

Interview zum Jahresbericht des Weltklimarats

NDR Info - Aktuell -

Der Weltklimarat veröffentlicht seinen jährlichen Bericht. Eines der zentralen Themen ist laut Umweltjournalist Werner Eckert die Bioenergie, wie er auf NDR Info sagte.

2,33 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Dass das nicht mehr lange gut gehen wird, dafür ist der aktuelle Bericht ein weiterer Beleg von vielen. Das Besondere: An diesem haben in der Mehrzahl Wissenschaftler aus den Entwicklungsländern mitgearbeitet. Sie listen auf, wie stark ihre Länder schon von Erosion, Wüstenbildung, Dürre und Überschwemmungen bedroht sind - und wie die heutige Landnutzung und Agrarwirtschaft unsere Erde zerstören.

Die gute Nachricht dabei ist: Es hungern sehr viel weniger Menschen als früher. Die schlechte lautet: So wie wir die Erde bewirtschaften, wird dieser Hunger in einigen Jahren bis Jahrzehnten wieder zunehmen. Nahrungsmittel werden knapp werden, und die Lieferketten nicht mehr wie heute funktionieren.

Wir müssen weniger Fleisch konsumieren

Was können wir dagegen tun? Die Botschaft ist eindeutig: Viel weniger Fleisch essen. Ein deutscher Forscher hat es auf den Begriff gebracht: Der Sonntagsbraten muss wieder her. Früher gab es in deutschen Haushalten einmal in der Woche Fleisch - aber nicht wie heute jeden Tag und das vielleicht noch mehrmals.

Der Schein trügt nicht: Es essen tatsächlich wieder vor allem junge Menschen deutlich weniger Fleisch. Das ändert aber nichts daran, dass die restliche Bevölkerung deutlich mehr konsumiert. Die Aufzucht von Tieren, ihre Ernährung und ihre Haltung produzieren unglaubliche Mengen an Treibhausgasen. Geschätzt wird, dass ein Drittel der Gase auf dieses Konto geht. Gut, dass der IPCC-Bericht auf dieses Problem so deutlich hinweist.

Großflächige Aufforstung allein reicht nicht

Die zweite schockierende Zahl ist die der Verschwendung von Lebensmitteln: Wir schmeißen weltweit 30 Prozent der Lebensmittel einfach weg. Das ist eine unfassbare Menge. Weniger Fleisch essen, den Einkauf und das Kochen besser planen, damit weniger Lebensmittel im Müll landen. Das sind schon mal zwei Möglichkeiten, die jeder Einzelne ergreifen kann.

An der Notwendigkeit großer politischer Strategien wird das nichts ändern. Eine davon haben die Wissenschaftler auch diskutiert: die großflächige Aufforstung der Erde. Sie kann sicherlich hier und da Löcher stopfen und die Bilanz wieder etwas aufwerten. Reichen wird das allerdings nicht.

Weitere Informationen
Link

Weltklimarat fordert Umsteuern bei Landnutzung

Dürren, Hitze, Nahrungsmangel: In einem Sonderbericht zum Klimawandel zeichnet der Weltklimarat ein düsteres Zukunftsbild. Nötig sei eine Kehrtwende bei der Landnutzung. Mehr bei tagesschau.de. extern

#wetterextrem - Der Norden im Klimawandel

Die Erde wird immer wärmer. Wetterextreme oder der Anstieg des Meeresspiegels sind die Folgen - und zeigen sich auch in Norddeutschland. Informationen und Hintergründe. mehr

NDR Info

Die NDR Info Kommentare

NDR Info

Redakteure und Korrespondenten äußern auf NDR Info regelmäßig ihre Meinung zu aktuellen Themen und Sachverhalten. Stimmen Sie zu? Sind Sie anderer Meinung? Schreiben Sie uns! mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 08.08.2019 | 17:08 Uhr

Mehr Nachrichten

02:35
Hallo Niedersachsen
02:30
Hallo Niedersachsen
02:24
Schleswig-Holstein Magazin